ID: INTERVIEW · AUSTRIA

ACOM.

Offen für den nächsten Klang.

Mia Zabelka über das ACOM Electroacoustic Ensemble, musikalische Begegnungen und die Freiheit, im gemeinsamen Spiel eine neue Richtung zu finden.

Im Gespräch mit Mia Zabelka · ACOM
ACOM Electroacoustic Ensemble in der Strengen Kammer des Porgy & Bess am 16. Oktober 2026.
Foto: ACOM / bereitgestellt von Claudia Schade

Ein Flötenton verändert sich durch Elektronik. Ein Synthesizer oder eine E-Oud antwortet darauf, und plötzlich führt die Musik woandershin. Für Mia Zabelka liegt darin ein Reiz des gemeinsamen Improvisierens: Nicht alles muss vorher feststehen, damit etwas Eigenständiges entstehen kann.

Das ACOM Electroacoustic Ensemble ist aus der Fachgruppe für Improvisation, Klangkunst, Elektronik und elektroakustische Musik der Austrian Composers Association hervorgegangen. Es ist ein offenes Ensemble: Besetzung und Größe können sich von Konzert zu Konzert verändern. Für dieses Gespräch antwortet Mia Zabelka, Violinistin, Vokalistin, Komponistin, ACOM-Vizepräsidentin und Vorsitzende der Fachgruppe. Sie spricht über den musikalischen Ansatz des Ensembles. Das Programm für den 16. Oktober 2026 in der Strengen Kammer des Wiener Porgy & Bess verbindet solistische Beiträge mit einer abschließenden gemeinsamen Improvisation.

01 / IM GESPRÄCH

Ein Ensemble, das offen bleibt.

Wie ist das ACOM Electroacoustic Ensemble zusammengekommen? Was hat euch daran gereizt, eure eigenen musikalischen Arbeitsweisen gemeinsam auszuprobieren?

Das ACOM Electroacoustic Ensemble wurde von der Austrian Composers Association ins Leben gerufen, um unterschiedliche musikalische Zugänge und künstlerische Arbeitsweisen in den Bereichen der Elektroakustik, Klangkunst und Improvisation zusammenzubringen. Uns reizt besonders, die eigenen Klangsprachen in einem gemeinsamen Prozess zu öffnen, neue Verbindungen auszuprobieren und musikalisch auch unbekanntes Terrain zu betreten.

02 / IM GESPRÄCH

Wenn Klänge einander verändern.

Gab es einen überraschenden Klangmoment – einen Ton oder eine Reaktion, die eine neue Idee eröffnet haben?

Besonders spannend ist, wenn Klänge aufeinandertreffen, die man zunächst nicht miteinander verbinden würde. Ein Flötenton kann durch elektronische Bearbeitung eine ganz neue Dimension bekommen, während ein Synthesizer oder die E-Oud darauf reagiert und den Klang in eine unerwartete Richtung lenkt. Aus solchen Momenten entstehen oft Ideen, die man allein nicht gefunden hätte.

Aus solchen Momenten entstehen oft Ideen, die man allein nicht gefunden hätte.
03 / IM GESPRÄCH

Vom Solo ins Miteinander.

Wie gestaltet ihr den Übergang von den Soli zur gemeinsamen Improvisation? Greift ihr etwas aus den einzelnen Beiträgen auf?

Die Solobeiträge geben einen Einblick in die individuellen Klangsprachen der Musiker. Daraus können sich Anknüpfungspunkte für die gemeinsame Improvisation ergeben. Wir legen dabei nicht alles im Voraus fest, sondern lassen bewusst Raum für spontane Entscheidungen und reagieren auf das, was im Moment entsteht.

04 / IM GESPRÄCH

Orientierung und Freiheit.

Allgemeiner gefragt: Welche Rolle kann eine musikalische Leitung bei einer Improvisation spielen? Was können Gesten und Zeichen verändern?

Die musikalische Leitung gibt mit Gesten und Zeichen Impulse, schafft Übergänge und kann das Zusammenspiel verdichten oder öffnen. Gleichzeitig bleibt das genaue Zuhören entscheidend: Wir reagieren nicht nur auf diese Zeichen, sondern auch aufeinander. So entsteht ein Wechselspiel zwischen Orientierung und Freiheit.

05 / IM GESPRÄCH

Mit offenen Ohren.

Was würdet ihr jemandem mitgeben, der zum ersten Mal einen elektroakustischen Konzertabend besucht? Worauf kann man beim Zuhören achten?

Man muss nichts Bestimmtes wissen oder verstehen – Offenheit und Neugier reichen völlig aus. Es lohnt sich, darauf zu achten, wie Klänge entstehen, sich verändern, überlagern und wieder verschwinden. Besonders spannend ist, dass die Musik im Moment entsteht und jeder Augenblick eine neue Richtung einschlagen kann.

Interview per E-Mail · Redaktion und Bildgestaltung: SCENE:ID. ACOM / bereitgestellt von Claudia Schade