Niklas Mayr / Assim Live.
Was nach dem Konzert bleibt.
Niklas Mayr von Assim Live über gute Gastgeber:innen, ungewöhnliche Bühnen und die Arbeit, aus einem Konzert eine Verbindung zu machen.
Im Gespräch mit Niklas Mayr
Ein herzlicher Empfang, ein klarer Ladeweg, ein Raum, in dem neue Musik eine Chance bekommt: Für Niklas Mayr beginnt ein guter Konzertabend lange vor dem ersten Ton. Bei Assim Live begleitet er Acts wie MYNTH und Hearts Hearts; als Live-Drummer kennt er die andere Seite der Bühne ebenso gut. Wir sprechen darüber, warum ein Zirkuszelt manchmal der richtige Ort ist, wie Vertrauen über Jahre wächst und weshalb ein großes Publikum allein noch keinen nachhaltigen Erfolg bedeutet.
Niklas Mayr arbeitet bei Assim Live im Booking und in der Vorbereitung und Produktion von Konzerten. Der gebürtige Salzburger buchte bereits die Touren seiner eigenen Bands und ist weiterhin als Live-Drummer unterwegs, unter anderem mit Please Madame. Das Gespräch entstand per E-Mail im Oktober 2026.
Beide Seiten der Bühne

Du hast deine ersten Touren selbst gebucht und bist bis heute als Live-Drummer unterwegs. Gibt es etwas, das du damals als Musiker erlebt hast und deshalb heute beim Booking oder bei der Vorbereitung einer Show bewusst anders machst?
Ich glaube, es ist vor allem wichtig, die Sichtweise von beiden Seiten zu kennen – und dadurch vielleicht nicht nur fachlich oder technisch zu wissen, worauf es ankommt, sondern sich einfach immer zu denken: ‚Was und wie hätte ich es selbst gerne?‘ Da geht’s oft nur um ein paar Kleinigkeiten, die aber schnell den Unterschied machen können. Außerdem hilft es auch, dass ich selbst so viel unterwegs bin und die meisten Locations und mögliche ‚Tücken‘ sowie die Ansprechpartner:innen meistens schon gut kenne. Es ist quasi wie eine kleine Feldforschung, die ich da gleichzeitig betreiben kann.
Der Raum darf überraschen

Mit MYNTH und Hearts Hearts begleitet ihr zwei Acts, bei denen elektronische Musik und Bandspiel unterschiedlich zusammenkommen. Wie findet ihr heraus, welcher Rahmen für einen Act wirklich passt? Erzähl gern von einem Auftritt, bei dem euch das besonders klar geworden ist.
Bei den beiden genannten Acts ist diese Kombination definitiv spannend, aber schlussendlich macht sie die Acts einfach vielseitig, und sie können fast überall funktionieren. Welcher Rahmen passt und welcher vielleicht gerade nicht, hängt besonders bei MYNTH beispielsweise auch von der aktuellen Albumphase und der Vision dazu ab. Da haben wir in den letzten Jahren von kleinen, intimen Stripped-down-Shows, beispielsweise in einem alten Zirkuszelt, über ein Elektronik-Set bei einem eigentlich eher DJ-lastigen Festival – HOLY HYDRA, große Empfehlung – in einer wild beleuchteten Kirche bis hin zu Ensemble-Shows mit großer Besetzung im Wiener Konzerthaus schon alles gemacht. Natürlich waren auch immer ‚normale‘ Clubshows dabei, aber MYNTH kommen da eigentlich immer mit Ideen zu mir, und dann schauen wir, was cool sein kann. Aber auch mit Catastrophe & Cure Anfang des Jahres im KASINO/Burgtheater, wo sonst nur Schauspiel stattfindet, war es ein super Match.
Der Großteil aller Konzerte unserer Acts über die Jahre hinweg findet in klassischen Konzertvenues statt. Aber manchmal genau das zu brechen oder auch verschiedene Welten zusammenzuführen, kann erfrischend und spannend für das Publikum sein.
Da geht’s nicht um die Quantität, sondern immer um die Qualität.
Vertrauen wächst über Jahre

Wenn eine österreichische Band zum ersten Mal in einer Stadt spielt, in der sie noch kaum jemand kennt: Worauf setzt ihr, damit daraus mehr wird als ein einzelner Abend? Gab es eine Begegnung mit einem Veranstalter oder einer anderen Band, aus der sich für einen eurer Acts etwas entwickelt hat?
Das ist ein größeres Thema, und es wird ehrlicherweise auch nicht gerade einfacher, Bands nachhaltig zu etablieren. Aber das Wichtigste ist für mich, dass ich auf bestehende Netzwerke zurückgreifen kann, die mir vertrauen – und ich umgekehrt auch weiß, dass sie alles dafür tun, damit die Shows möglichst erfolgreich sind. Bereits etablierte und geförderte Veranstaltende sowie Locations helfen da natürlich nochmals mehr, weil oft auch ein gewisses Stammpublikum schon vorhanden ist oder vielleicht sogar über die Jahre eine Offenheit für ‚neue Musik‘ anerzogen wurde. Für den Start können auch bestehende Eventreihen hilfreich sein; das ist seit Jahren ein probates Mittel.
Eine ganz spezielle Begegnung herauszupicken, würde, glaube ich, die Realität verzerren. Viel ergibt sich einfach durch jahrelange Kontaktpflege und Arbeit. Viel entsteht dann einfach irgendwann, und vieles – so ehrlich muss man sein – auch nie.
Zu Gast bei Freund:innen

Du kümmerst dich auch um die konkrete Vorbereitung und Produktion von Shows. Welche kleine Entscheidung im Vorfeld kann auf der Bühne einen großen Unterschied machen – etwas, das das Publikum vielleicht gar nicht bemerkt, die Musiker:innen aber sofort?
Das hängt immer von der Produktionsgröße ab. Aber was die Musiker:innen und die Crew sofort merken und was ihnen auffallen wird, ist die Hospitality und Gastfreundschaft. Das reicht von der Begrüßung über die Verpflegung bis hin zur Unterkunft. Da geht’s nicht um die Quantität, sondern immer um die Qualität. Egal von welcher Seite: Ich sehe die Verbindung von Veranstaltenden und Künstler:innen immer so, wie wenn man bei Freund:innen auf Besuch ist. Da freut man sich auch, wenn man herzlich begrüßt wird, dir jemand etwas zu trinken oder zu essen anbietet und einen gemütlichen Sitzplatz für dich hat. Mehr ist es eigentlich auch nicht, worüber sich jemand freut und was es braucht, um sich in ungewohnter, neuer Umgebung leichter wohlfühlen zu können.
Außerdem immer ein wichtiges Thema, das ich vorab schon so genau wie möglich abfrage, sind die Parksituation, der Anfahrtsweg und der Ladeweg. Es gibt nichts Unangenehmeres, als wenn man nach mehrstündiger Autofahrt und mit einer schon etwas unruhigen Truppe nicht weiß, wo man genau hinmuss.
Mehr als verkaufte Tickets

Woran merkst du nach einer Tour, dass ein Act einen guten Schritt gemacht hat? Mich würde ein Beispiel freuen, bei dem der wichtigste Fortschritt für dich nicht allein an den Ticketzahlen abzulesen war.
Klar sind Ticketzahlen immer ein wichtiger Indikator und eine wirtschaftliche Notwendigkeit, aber Konzerte und Tourneen sind oftmals auch anders erfolgreich. Natürlich ist das immer von den Acts abhängig, aber mir ist schon auch wichtig zu wissen: Was passiert danach, und welchen Impact hat welcher Konzertabend oder Slot auch im Nachgang? Ein großes Publikum heißt nicht automatisch ein größerer Output. Merchverkäufe, die Aufmerksamkeit und Stimmung im Raum oder auch Followerzahlen können manchmal noch mehr sagen. Schlussendlich geht es ja darum, ‚richtige‘ Fans für sich und die eigene Musik zu gewinnen. Manche Shows, zum Beispiel auch Showcase-Festivals, können oftmals nur wichtig für die Außenwirkung sein und so vielleicht wieder andere Türen öffnen. Filiah ist da momentan sicher ein schönes Beispiel, wo sich in den letzten eineinhalb Jahren mit Eurosonic, Reeperbahn Festival, Wide Days in Schottland, XA-Award, NASOM-Förderprogramm und so weiter viel getan hat.
Niklas Mayr / Assim Live
Interview per E-Mail · Redaktion und Bildgestaltung: SCENE:ID. © Matthias Heschl · SCENE:ID Farbgestaltung · © Arne Müseler · SCENE:ID Farbgestaltung · © Lukas Maier · SCENE:ID Farbgestaltung