ID: INTERVIEW · AUSTRIA

AVIA music.

Eine eigene Handschrift.

Olaf Sacher über den Aufbau von AVIA music, musikalische Entscheidungen und die Arbeit zwischen Studio, Artists und Club.

Olaf Sacher · AVIA music
AVIA music – original label logo in SCENE:ID colours
Foto: AVIA music

Ein Label bekommt seine Identität nicht allein durch ein Logo. Sie wächst mit den Veröffentlichungen, den Entscheidungen dahinter und der Frage, welche Musik auch außerhalb des Studios etwas auslöst. Wir sprechen mit Olaf Sacher von AVIA music über den Start im Jahr 2025, zwei unterschiedliche Releases von Elias Teichmann und Calvin Sorel und darüber, was eine Zusammenarbeit über den ersten Track hinaus trägt.

AVIA music ist ein unabhängiges elektronisches Label aus Wien. Im Gespräch beschreibt Olaf Sacher die Bandbreite zwischen Techno, Tech House und Melodic Techno – und warum auch eine Ausnahme zum eigenen Profil gehören kann.

01 / IM GESPRÄCH

Der richtige Moment für ein eigenes Label

Was war der konkrete Anlass, AVIA 2025 zu gründen? Gab es einen Track, eine Begegnung oder eine Erfahrung, bei der du dachtest: Dafür möchte ich ein eigenes Label aufbauen?

Einen einzigen konkreten Auslöser gab es eigentlich nicht. Es war vielmehr eine Entwicklung über längere Zeit und der Wunsch, musikalisch etwas Eigenes auf die Beine zu stellen. Ich wollte eine Plattform schaffen, auf der gute Musik, spannende Künstler und kreative Ideen zusammenkommen – unabhängig von kurzfristigen Trends oder Schubladendenken. 2025 war dann einfach der richtige Zeitpunkt, diesen Schritt zu machen.

AVIA soll nicht nur ein Label sein, das Tracks veröffentlicht, sondern eine eigene Identität entwickeln, Künstler fördern und Musik mit Leidenschaft nach außen tragen.

Kurz gesagt: weniger reden, mehr machen – und etwas aufbauen, hinter dem man wirklich steht.

02 / IM GESPRÄCH

Zwei Releases, zwei Seiten

Mit „Beat On“ von Elias Teichmann und dem angekündigten „Lost Inside“ von Calvin Sorel stehen gerade zwei Releases nah beieinander. Was hat dich jeweils überzeugt — und was verbindet die beiden aus deiner Sicht mit AVIA?

Bei beiden Releases hat mich vor allem der eigene Charakter überzeugt. „Beat On“ von Elias Teichmann hat einen besonderen Vibe, bringt Energie auf den Dancefloor und bleibt trotzdem musikalisch interessant.

Bei Calvin Sorel ist es tatsächlich eine kleine Ausnahme in unserem bisherigen Labelkonzept. Calvin ist normalerweise ein sehr solider Produzent im Tech-House-Bereich. Mit „Lost Inside“ hat er aber eine ganz andere Seite gezeigt und einen ausgesprochen kommerziellen, radiotauglichen Track im Afro-House-Stil produziert. Das hat mich überrascht und gleichzeitig überzeugt. Ich finde es spannend, wenn ein Künstler auch einmal aus seiner gewohnten musikalischen Komfortzone ausbricht.

Normalerweise bewegen wir uns bei AVIA hauptsächlich zwischen Techno, Tech House und Melodic Techno. Trotzdem möchte ich mich nicht in eine musikalische Schublade stecken lassen. Was beide Releases verbindet, ist genau das: eigenständige Produktionen, Qualität und Musik, hinter der wir zu 100 Prozent stehen.

Gute Musik allein reicht nicht.
03 / IM GESPRÄCH

Was nach dem ersten Release beginnt

Im Studio: Telespargel links, Olaf Sacher rechts. Aufnahme per Selbstauslöser.
Foto: AVIA music / Olaf Sacher (self-timer)

Mehrere Namen tauchen in eurem Katalog wiederholt auf. Wie entwickelt sich die Zusammenarbeit nach dem ersten Release? Erzähl gern an einem Beispiel, wie ihr mit einem Artist über neue Musik sprecht, bevor der nächste Track feststeht.

Für mich ist eine Zusammenarbeit nicht mit einem Release abgeschlossen. Wenn die Chemie stimmt und man merkt, dass ein Artist musikalisch und menschlich gut zu AVIA passt, entwickelt sich daraus oft etwas Langfristiges.

Der Austausch findet meistens ganz unkompliziert statt. Man bleibt in Kontakt, schickt sich Demos, spricht über neue Ideen und überlegt gemeinsam, in welche Richtung es musikalisch weitergehen könnte. Manchmal kommt ein Artist mit einer fertigen Produktion auf uns zu, manchmal entsteht eine Idee erst aus einem Gespräch heraus.

Ein gutes Beispiel ist die Zusammenarbeit mit Calvin Sorel. Man kennt inzwischen die musikalische Handschrift des Artists und weiß, was einen erwartet. Gleichzeitig ist es spannend zu sehen, wenn jemand neue Wege ausprobiert und sich weiterentwickelt – wie jetzt mit „Lost Inside“.

Mir ist wichtig, dass daraus keine reine Geschäftsbeziehung wird. Vertrauen, gegenseitiger Respekt und die gemeinsame Begeisterung für Musik sind für mich die Basis. Im Idealfall wächst man gemeinsam und hat auch nach mehreren Releases noch Lust aufeinander.

04 / IM GESPRÄCH

Was der Club anders hören lässt

Du arbeitest auch im A&R und Artist Booking. Was erfährst du im Austausch mit DJs oder bei einem Clubabend über einen Track, das beim Hören im Büro oder Studio nicht sofort auffällt? Gab es dadurch schon eine überraschende Entscheidung für das Label?

Im Studio hört man einen Track oft ganz anders als im Club. Dort achtet man auf Details, den Sound, den Aufbau und die Produktion. Im Club zeigt sich dann, ob die Musik wirklich funktioniert. Wie reagieren die Leute? Wann entsteht Energie? Funktioniert der Groove auch auf einer großen Anlage und vor allem: Bleibt der Track im Kopf?

Durch den Austausch mit DJs bekommt man außerdem ein ganz anderes Feedback. DJs hören Musik aus einer praktischen Perspektive. Sie merken oft sehr schnell, ob ein Track in ein Set passt, ob er Spannung aufbaut oder ob ihm vielleicht noch das gewisse Etwas fehlt.

Für mich ist das ein wichtiger Teil der A&R-Arbeit. Man darf sich nicht nur auf den eigenen Geschmack verlassen, sondern muss auch offen für andere Meinungen sein. Manchmal entwickelt sich dadurch eine Produktion ganz anders als ursprünglich gedacht.

Ich finde, genau diese Verbindung aus Bauchgefühl, Erfahrung und Feedback aus der Szene macht die Arbeit spannend. Am Ende soll ein Release nicht nur am Bildschirm gut aussehen und im Studio gut klingen, sondern draußen bei den Menschen funktionieren.

05 / IM GESPRÄCH

Die Arbeit hinter der Musik

Was hat im bisherigen Aufbau von AVIA mehr Zeit oder Aufmerksamkeit gebraucht, als du erwartet hattest? Und woran würdest du persönlich merken, dass ihr im nächsten Jahr einen guten Schritt weitergekommen seid?

Definitiv der ganze organisatorische und strategische Teil hinter einem Release. Am Anfang denkt man vielleicht hauptsächlich an die Musik, aber ein Label aufzubauen bedeutet natürlich viel mehr: Promotion, DJ-Pools, Kontakte zu Artists und Partnern, Social Media, Vertrieb und natürlich auch die wirtschaftliche Seite. Das alles braucht Zeit, Kontinuität und manchmal auch ziemlich viel Geduld.

Was ich gelernt habe: Gute Musik allein reicht nicht. Man muss sie auch richtig platzieren und dafür sorgen, dass sie die Menschen erreicht, für die sie gemacht ist.

Wenn ich auf das nächste Jahr blicke, wäre für mich ein großer Erfolg, wenn AVIA musikalisch und als Marke weiter an Profil gewinnt. Ich möchte ein stabiles Netzwerk aus Artists, DJs und Partnern aufbauen, unsere Releases international stärker platzieren und natürlich auch mehr Menschen erreichen.

Aber ganz ehrlich: Wenn wir in einem Jahr auf unseren Katalog schauen, stolz auf die veröffentlichten Tracks sind und Artists gerne wieder mit uns arbeiten möchten, dann haben wir schon sehr viel richtig gemacht.

Wachstum ist wichtig, aber die Qualität und die Freude an der Musik sollen dabei nie verloren gehen.

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