Barely Human.
Gefühl vor Perfektion.
Paul und Pascal über „Don’t Talk“, Stimmen mit Charakter und die Freundschaften hinter ihrem Sound.
Im Gespräch mit Paul und Pascal · Barely Human
Eine Beobachtung auf dem Dancefloor wird zum Track. Zwei unterschiedliche Ideen werden zu einer gemeinsamen Richtung. Für Barely Human beginnt Musik dort, wo etwas ein Gefühl auslöst. Paul und Pascal erzählen, warum Vocals ihre Produktionen vervollständigen, wie sie im Set einen roten Faden finden und weshalb die Salzburger Szene für sie weit über gemeinsame Veranstaltungen hinausgeht.
Barely Human ist das österreichische DJ- und Produzentenduo von Paul und Pascal. In ihren Sets verbinden sie Indie Dance und Tech House mit Einflüssen aus Peak-Time-Techno. Das schriftliche Gespräch entstand im Oktober 2026. Alle Antworten stammen gemeinsam von beiden.
Eine Ansage mit Augenzwinkern

Mit „Don’t Talk“ kommt euer erster Release auf Buden Musik. Welche Idee stand ganz am Anfang dieses Tracks?
Die Grundidee zu „Don’t Talk“ kam tatsächlich direkt vom Dancefloor. Wir haben immer wieder Leute erlebt, die gefühlt den ganzen Abend auf der Tanzfläche stehen und mehr mit ihren Freunden quatschen, als sich wirklich zur Musik zu bewegen. Klar, jeder soll Spaß haben und machen, worauf er Lust hat, aber manchmal geht uns das dann doch ein bisschen auf den Sack.
Irgendwann kam deshalb die Idee auf, genau daraus einen Track zu machen. Da wir bei unseren Produktionen ohnehin gerne mit Vocals arbeiten, lag es für uns nahe, diesen Gedanken aufzugreifen und musikalisch umzusetzen. Aus einem anfänglichen Augenzwinkern und einer kleinen Frustration heraus hat sich dann Schritt für Schritt ein konkretes Konzept entwickelt: ein Track, der nicht nur musikalisch nach vorne geht, sondern auch eine klare Message mitbringt.
„Don’t Talk“ soll dabei natürlich nicht zu ernst genommen werden. Vielmehr ist der Titel ein kleiner, bewusst provokanter Seitenhieb an alle, die auf dem Dancefloor lieber endlose Gespräche führen, anstatt sich von der Musik mitreißen zu lassen. Für uns gehört zur Clubkultur eben auch, sich fallen zu lassen, den Moment zu genießen und gemeinsam zur Musik abzutauchen.
Am Ende ist „Don’t Talk“ also genau das geworden, was wir uns vorgestellt haben: eine direkte Ansage mit einem Augenzwinkern, die hoffentlich den einen oder anderen zum Schmunzeln bringt und vielleicht auch dazu, das nächste Gespräch kurz zu unterbrechen und stattdessen einfach mal wieder zu tanzen.
Die Stimme muss catchen

Für euren ersten gemeinsamen Gig habt ihr ein eigenes Intro mit einem Spoken-Word-Sample gebaut. Was muss eine Stimme mitbringen, damit ihr Lust bekommt, daraus einen Track zu machen?
Eigentlich ist die Frage recht einfach zu beantworten: Die Vocals müssen uns einfach catchen. Dabei ist es ziemlich egal, ob es sich um ein Spoken-Word-Sample, einen markanten Satz oder etwas ganz anderes handelt. Wenn uns eine Stimme oder ein bestimmter Vibe packt, wollen wir damit arbeiten und schauen, was musikalisch daraus entstehen kann.
Vocals gehören bei unseren Produktionen auf jeden Fall dazu. Sie geben einem Track Charakter, transportieren Emotionen und können ihm etwas ganz Eigenes verleihen. In unseren Augen vervollständigen sie einen Barely Human Track erst richtig und machen ihn zu dem, was er am Ende sein soll.
Vielleicht auch ein kleiner Aufruf an die Leser: Wenn ihr Lust habt mit uns ein uniques Vocalsample aufzunehmen, dann meldet euch doch.
Unser Leitspruch beim Produzieren ist nicht umsonst: „Gefühl vor Perfektion“.
Gefühl vor Perfektion

Wenn ihr bei einer musikalischen Idee unterschiedlicher Meinung seid: Wie findet ihr heraus, welche Richtung für euch beide passt?
Ich glaube, das Wichtigste ist, dass wir uns gegenseitig Raum für unsere Ideen geben und nicht von Anfang an versuchen, alles perfekt zu machen. Gerade wenn man zu zweit an Musik arbeitet, bringt jeder seine eigenen Vorstellungen und seinen eigenen Zugang mit. Manchmal sind wir uns sofort einig, manchmal gehen die Meinungen auch auseinander. Dann probieren wir einfach verschiedene Ansätze aus und schauen, was musikalisch am besten funktioniert. Oft entwickelt sich aus zwei unterschiedlichen Vorstellungen sogar etwas, auf das keiner von uns alleine gekommen wäre. Wir wollen uns bei der Musik nicht zu sehr einschränken oder an einer bestimmten Vorstellung festklammern. Am Ende zählt, dass wir beide hinter dem Ergebnis stehen und es sich für uns als Barely Human richtig anfühlt. Unser Leitspruch beim Produzieren ist nicht umsonst: „Gefühl vor Perfektion“.
Ein roter Faden statt Genregrenzen

Ihr bewegt euch zwischen Indie Dance und Tech House. Was macht für euch im DJ-Set einen guten Übergang zwischen diesen beiden Welten aus?
Für uns geht es dabei vor allem um das Gefühl und die Energie, die ein Track mitbringt. Wir legen uns ungern auf ein bestimmtes Genre fest, sondern lassen uns gerne von unterschiedlichen Einflüssen inspirieren. Indie Dance bringt oft eine gewisse Atmosphäre und einen eigenen Charakter mit, während Tech House für uns viel über Groove und Druck funktioniert. Gerade zu späteren Stunden dürfen dann auch gerne Peaktime-Techno Einflüsse dazukommen, wenn es darum geht, die Energie noch einmal auf ein anderes Level zu bringen.
Das Spannende ist für uns, diese unterschiedlichen Elemente so miteinander zu verbinden, dass ein natürlicher roter Faden entsteht. Dabei muss ein Übergang nicht immer technisch möglichst kompliziert sein. Viel wichtiger ist, dass die Tracks im richtigen Moment zusammenkommen und die Stimmung auf dem Dancefloor aufgreifen oder weiter vorantreiben. Wir entscheiden dabei viel aus dem Bauch heraus und versuchen, auf die Energie der Leute zu reagieren. Am Ende soll es sich nicht nach verschiedenen Genres anfühlen, sondern nach unserem eigenen Sound.
Freundschaften als gemeinsame Basis

Welche Begegnung in der Salzburger Szene hat euch als Duo besonders weitergebracht?
Wir bewegen uns viel im Dunstkreis von Tiefdruck und Green Tea Techno in Salzburg sowie der Kulturleinwand im Innergebirg. Das sind für uns wichtige Anlaufstellen innerhalb der Szene, mit denen wir musikalisch und persönlich viel verbinden. Dabei geht es längst nicht nur um gemeinsame Veranstaltungen oder die Liebe zur elektronischen Musik, sondern auch um die Freundschaften, die sich über die Zeit entwickelt haben und mittlerweile einen wichtigen Teil unserer gemeinsamen Basis ausmachen.
Wir finden, dass genau das eine Szene ausmacht: Man tauscht sich aus, inspiriert sich gegenseitig, unterstützt die Projekte der anderen und verbringt auch abseits von Club und Dancefloor Zeit miteinander. Durch diese Verbindungen entstehen neue Ideen, Möglichkeiten und oft auch Freundschaften, die weit über die Musik hinausgehen. Für uns ist dieser persönliche Austausch mindestens genauso wichtig wie die Musik selbst. Wir sind froh, von so vielen inspirierenden Menschen umgeben zu sein, mit denen wir nicht nur dieselbe Leidenschaft teilen, sondern gemeinsam auch etwas bewegen und die lokale Szene mitgestalten können.
Barely Human
Interview per E-Mail · Redaktion und Bildgestaltung: SCENE:ID. © patrickbliem.com · SCENE:ID Farbgestaltung