
ID: Interview · Pitti Herzfeld
BIOSPHERE
Nicht zurück. Zusammen weiter.
Pitti Herzfeld über das Gefühl von BIOSPHERE, eine lange Rückkehr und die Frage, wie aus gemeinsamer Erinnerung eine neue Nacht wird.
06.11.2026 · EXIL / VÖSENDORFTHE TECHNO SPIRIT
Fremde wurden zu Freunden. Für Pitti Herzfeld steckt darin der Kern von BIOSPHERE. Ende der 1990er-Jahre war er Teil der Wiener Ravekultur; heute plant er mit einem neuen Team ein weiteres Kapitel. Am 6. November 2026 soll es im EXIL in Vösendorf beginnen. Im Gespräch geht es um das, was eine Nacht überdauert – und darum, was man neu entstehen lassen muss.
Was bleibt, ist ein Gefühl.
Wer eine alte Nacht zurückholen will, muss zuerst wissen, was an ihr wichtig war. Pitti beginnt nicht bei einem Namen auf dem Flyer, sondern bei den Menschen auf dem Floor. Die Erinnerung an BIOSPHERE ist für ihn eine Erinnerung an Nähe.
Welche Erinnerung an die damaligen BIOSPHERE-Nächte lässt sich auf keinem Foto festhalten?
Was mir besonders in Erinnerung geblieben ist – und wie ich jetzt merke, auch vielen anderen Menschen, seit BIOSPHERE durch Werbung und Berichterstattung wieder ins Bewusstsein gerückt ist –, war diese ganz besondere Atmosphäre und das Gefühl, das dabei entstanden ist. Man hat Freunde getroffen, Fremde wurden durch die gemeinsame Begeisterung für die Musik zu Freunden. Es gab noch keine Smartphones, vieles war gewissermaßen spoilerfrei, man wusste nicht immer, was einen erwartet, und war einfach im Moment. Durch das gemeinsame Tanzen ist eine starke Community entstanden. Und genau dieses Lebensgefühl, diesen Zeitgeist, kann man auf Fotos kaum festhalten.

Erfahrung trifft Aufbruch.
Sam Paganini · The Advent · Joro & Joabo · Elex Red · Tolaris
Eine Idee lässt sich nicht abschalten.
Mitte der 1990er-Jahre arbeitete Herzfeld im Umfeld von XXX Productions an Promotion und Organisation von Technoveranstaltungen. Später kamen Familie, andere berufliche Wege und Werbung. Der Wunsch, selbst wieder einen Abend zu gestalten, blieb. Die Pandemie gab ihm Zeit, diesen Gedanken weiterzuverfolgen.
Wann wurde aus dem Gedanken an eine Rückkehr die Entscheidung: Wir machen das wieder?
Nachdem ich mich aus der Clubszene zurückgezogen hatte, standen erst einmal andere Dinge im Mittelpunkt meines Lebens. Familie, mein Sohn und beruflich habe ich auch andere Wege eingeschlagen. Was mir aber immer gefehlt hat, war die kreative Arbeit rund um die Organisation von Events. Wenn ich heute auf die Jahre zwischen 1995 und 2003 zurückblicke, durfte ich bei einigen großartigen Projekten mitwirken, darunter Veranstaltungen im Gasometer, BIOSPHERE und die Casanova Line, um nur ein paar zu nennen. Einen Teil dieser Kreativität konnte ich später in der Werbung ausleben, aber die besondere Verbindung zu den Ursprüngen von BIOSPHERE ist eigentlich nie verschwunden.
Während der Pandemie hatte ich, wie viele andere Menschen auch, viel Zeit zum Nachdenken. Irgendwann begann ich mir vorzustellen, wie ein BIOSPHERE im 21. Jahrhundert aussehen könnte. Daraus wurde immer ein stärkerer Wunsch, BIOSPHERE wieder aufleben zu lassen. Was danach kam, war eine ziemlich lange Reise, stellenweise auch eine richtige Odyssee. Am 6. November 2026 ist es endlich so weit. Für mich beginnt damit ein neues Kapitel.

1997 ist der Ausgangspunkt.
Der angekündigte Abend setzt auf drei Floors. Sam Paganini und The Advent stehen neben österreichischen Artists; den Maschinenraum gestaltet FLUFFIG mit Anna Ullrich, MARØ, WHO IS ELA¿ und Dorah. Pitti beschreibt das Programm als Verbindung von Erfahrung und neuen Perspektiven.
Was vom Techno Spirit of 1997 bleibt – und was soll heute anders sein?
Das ist eine sehr gute Frage. Mir ist vor allem wichtig, dass BIOSPHERE keine reine Retro-Party wird. Für manche ist das vielleicht schwer vorstellbar, weil sie BIOSPHERE mit den 90ern verbinden und deshalb erwarten, dass auch die neue Veranstaltung ganz im Zeichen dieser Zeit steht.
BIOSPHERE war schon damals eine innovative Plattform, und genau an diesen Gedanken möchten wir mit unserem neuen Team, in dem die Ravehearts von damals schlagen, anknüpfen. Mit den technischen Möglichkeiten, die uns heute zur Verfügung stehen, wollen wir auch neue Wege gehen und einiges ausprobieren, ohne dabei auf den Charme der 90er und die musikalischen Classics zu verzichten.
Gleichzeitig wollen wir eine Brücke zur jüngeren Generation schlagen. Das spiegelt sich in unserem musikalischen Programm, den Visuals und der gesamten Inszenierung wider, aber auch in Projekten wie dem CYBERSPACE Artist Lab, mit dem wir neuen Talenten und DJs von damals eine Bühne geben möchten.
Ein neuer Raum.
Ein vertrauter Impuls.
Drei Floors. Ein Abend, der Erinnerung und Gegenwart auf derselben Tanzfläche zusammenbringen soll.
Club EXIL · SCENE:IDEine Bühne ist auch eine Einladung.
Im CYBERSPACE Artist Lab gibt es Platz für neue Talente und für Artists, die zurückkehren möchten. DJ SDRICCI begleitet das Projekt als Mentor; Jury und Community entscheiden über die Slots. Auf die Frage nach einem überzeugenden Set antwortet Pitti mit den Worten von Contest-Leiter Engine Eric.
CYBERSPACE Artist LabWas muss ein Set mitbringen, damit ein neuer Name auf eure Bühne gehört?
Engine Eric · CYBERSPACE DJ ContestEs ist eine Frage der guten Mischung aus vielen Faktoren. Wenn ein DJ die größten Skills am Deck zeigt, aber damit keine Geschichte erzählen kann, die das Publikum mitreißt und in Ekstase die Reise miterleben lässt, dann fehlt dort definitiv der Link, um zu sagen: das ist es. Man erkennt sehr wohl als erfahrener Musiker, ob jemand all das mitbringt, und das wollen wir fördern, ausbauen und dann unserem Publikum präsentieren. One Love, one crowd, giving back to the Community!

Die nächste Perspektive.
Anna Ullrich · MARØ · WHO IS ELA¿ · Dorah
Ein eigener Floor für die Handschriften einer neuen Generation.
Am Ende gehört die Nacht allen.
Zwischen dem ersten Plan und der tatsächlichen Begegnung liegt viel Arbeit. Aber ob ein gemeinsamer Moment entsteht, lässt sich nicht vorab festlegen. Pitti beschreibt seinen Maßstab für den Neustart: Menschen verschiedener Generationen sollen miteinander feiern, ohne dass der Altersunterschied den Abend bestimmt.
Was müsste mitten in der Nacht passieren, damit du denkst: Hier wächst etwas Neues zusammen?
Da muss ich an einen meiner Lieblingsclassics denken, „Music Is the Answer“ von Danny Tenaglia. Der Titel sagt eigentlich schon sehr viel aus.
Man kann im Vorfeld noch so viel planen, organisieren und vorbereiten, aber irgendwann muss man auch dem Prozess vertrauen und die Dinge einfach ihren Lauf nehmen lassen. Wenn die Musik passt, die Leute miteinander tanzen, sich wohlfühlen und gemeinsam eine gute Zeit haben, dann entsteht vieles ganz von selbst.
Und wenn ich mitten in der Nacht durch den Club gehe und sehe, dass die Menschen von damals gemeinsam mit einer neuen Generation feiern, ohne dass es überhaupt eine Rolle spielt, wer wie alt ist, dann haben wir unsere Mission eigentlich erfüllt!
An dieser Stelle möchte ich mich auch bei den unzähligen Menschen bedanken, die den Techno-Spirit der 90er immer im Herzen getragen haben und sich bis heute gerne an die damaligen BIOSPHERE-Nächte erinnern. Ein großes Dankeschön geht auch an die vielen Helferinnen und Helfer, die dieses Projekt mit so viel Engagement unterstützen. Und natürlich auch an euch und SCENE:ID, denn mit eurer Berichterstattung helft ihr mit, diesen Gedanken weiterzutragen.