ID: INTERVIEW · AUSTRIA

CATS.R.qL.

Von der Druckwerkstatt auf den Dancefloor.

Elli und Christoph über CATS.R.qL, den Weg zu DECIBELLES und eine gemeinsame Nacht mit IGNIX aus Bratislava.

Im Gespräch mit Elli & Christoph · CATS.R.qL
Elli and Christoph · CATS.R.qL
Foto: CATS.R.qL · SCENE:ID art direction

Erst kamen die selbst bedruckten Shirts, dann der Onlineshop und die Merchstände im Club. Mit DECIBELLES organisierten Elli und Christoph schließlich eigene Nächte. CATS.R.qL verbindet für die beiden Siebdruck, Musik und die direkte Unterstützung unabhängiger Artists.

Für RITUAL 404 am 24. Oktober 2026 arbeiten DECIBELLES mit IGNIX aus Bratislava zusammen. Im E-Mail-Gespräch erzählen Elli und Christoph, wie das Projekt gewachsen ist, warum künstlerische Identität beim Merch erhalten bleiben soll und was sie zwischen Wien und Bratislava noch bewegen möchten. Die Antworten wurden behutsam redigiert; die englische Fassung wurde aus dem Deutschen übersetzt.

01 / IM GESPRÄCH

Ein Shirt als Anfang.

Elli arbeitet in der Siebdruckwerkstatt an einem Druckrahmen.
Foto: CATS.R.qL · SCENE:ID art direction

Wie seid ihr beide zu CATS.R.qL gekommen, und wie hängt das Projekt heute mit DECIBELLES zusammen? Wer bringt welche Ideen ein – von einem Motiv für ein Shirt bis zu einer Clubnacht?

CATS.R.qL entstand aus der Motivation heraus, Künstler*innen aus der Freetekno-Szene mehr Unterstützung und Reichweite zu ermöglichen. Hinter dem Projekt stehen Elli als Gründerin und ihr Ehemann Christoph.

Christoph: Ich bin als Phat Otiz in der europäischen Tekno-Szene unterwegs und konnte dadurch gute Kontakte zu anderen Künstler*innen aufbauen. Elli hat mich nicht nur in die Szene eingeführt, sondern mich gerade am Anfang auch immer begleitet.

Auf vielen Partys und vor allem auf Teknivals im Sommer sieht man Soundsysteme, die Merch verkaufen, um die Kosten ihrer Veranstaltungen zu decken. Als Elli bei einem Freund das Siebdrucken entdeckte, war die Motivation groß. Die ersten Merch-Shirts entstanden zunächst für mich. Danach weiteten wir die Idee auf andere Künstler*innen aus. Nach einigen Tests und Experimenten waren die ersten T-Shirts bereits von sehr guter Qualität. Außerdem zeigte sich, dass es in der Szene einen großen Bedarf dafür gab. So entstand der Onlineshop.

Die Ideen für die Grafiken kommen meistens von den Künstler*innen selbst. Viele bringen bereits eigene Grafiken mit, die wir anschließend für das Merch verwenden. Elli passt diese bei Bedarf so an, dass sie sich im Siebdruckverfahren gut auf das jeweilige Kleidungsstück übertragen lassen.

Als der Onlineshop bereits angelaufen war, begannen wir auch, unseren Merch auf Events in Clubs zu verkaufen. Von dort aus war es nur noch ein kleiner Schritt bis zur Idee, selbst Veranstaltungen zu organisieren. Dadurch entstand DECIBELLES.

Da insbesondere weiblich gelesene Künstlerinnen in der Tekno-Szene häufig mit Hürden zu kämpfen haben, wollten wir ein Event ins Leben rufen, das genau diese Künstlerinnen in den Fokus rückt. Wir versuchen daher immer, den Großteil des Line-ups mit weiblich gelesenen Künstlerinnen zu besetzen.

02 / IM GESPRÄCH

Wien trifft Bratislava.

Merchstand von CATS.R.qL mit bedruckten Shirts, Taschen und Katzenbanner.
Foto: CATS.R.qL · SCENE:ID art direction

Für RITUAL 404 kommt DECIBELLES mit IGNIX aus Bratislava zusammen. Wie habt ihr euch kennengelernt, und wann wurde aus dem Kontakt die Idee für eine gemeinsame Nacht? Was hat für euch sofort zusammengepasst?

Ein Teil von IGNIX war vor einiger Zeit in Bratislava noch unter dem Namen Skarabeats bekannt, und Phat Otiz wurde einige Male für deren Events gebucht.

Da wir uns sehr gut mit ihnen verstanden und außerdem das Gefühl hatten, dass es zwischen den beiden geografisch nah beieinanderliegenden Städten oft zu wenig Austausch gibt, haben wir uns entschieden, diese Edition unseres Events gemeinsam mit IGNIX zu veranstalten.

Da die Mitglieder von IGNIX aus derselben oder einer ähnlichen Szene kommen, fällt es uns leicht, uns auf ein gemeinsames Konzept zu einigen. Das haben wir auch bei der Planung dieser Party gemerkt.

So verbinden wir Musik, Kunst und Kleidung miteinander.
03 / IM GESPRÄCH

Zwei Floors, zwei Stimmungen.

Rotes Licht und die Silhouetten von Tanzenden im Club, fotografiert von Matthias Feldmann.
Foto: Matthias Feldmann · SCENE:ID art direction

Auf dem Programm stehen Tekno, Techno und Acid. Wie entsteht daraus für euch ein stimmiger Ablauf? Welche unterschiedlichen Stimmungen möchtet ihr am 24. Oktober schaffen?

Da der Club Das Werk über zwei Floors verfügt, bietet es sich an, zwei unterschiedliche Stimmungen abzudecken. Wir versuchen deshalb, einen Floor funky und schnell zu halten und den anderen etwas düsterer und härter zu gestalten. Das bietet Raum für kreative Line-ups und verschiedene Techno-Subgenres.

Am 24. Oktober wollen wir genau diese Stärken zeigen. Auf dem Mainfloor wird es schnell, funky und verspielt, während es auf dem zweiten Floor etwas härter, dystopischer und dunkler zugeht.

04 / IM GESPRÄCH

Die eigene Ästhetik tragen.

Detail eines Siebdruckrahmens mit einem Motiv auf schwarzem Stoff.
Foto: CATS.R.qL · Artwork: Foatwenti3 · SCENE:ID art direction

Auf eurer Website bringt ihr Kunst, Musik und Merchandise zusammen. Wie wird aus einer musikalischen Zusammenarbeit ein Motiv, das jemand gern trägt? Wie viel kommt von den Artists, und was entwickelt ihr gemeinsam?

Die Ideen für unsere Designs kommen meistens direkt von den Artists selbst. Viele bringen bereits eigene Grafiken oder konkrete Vorstellungen mit, die wir gemeinsam für den Druck auf Textilien weiterentwickeln. Elli kümmert sich um die Anpassung der Grafiken, damit sie sich im Siebdruckverfahren gut auf das jeweilige Kleidungsstück übertragen lassen.

Uns ist wichtig, die künstlerische Identität der Artists zu erhalten und ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre eigene Ästhetik auch über Merchandise auszudrücken. Wir wollen ihnen nicht einfach ein fertiges Design vorgeben, sondern gemeinsam etwas schaffen, mit dem sie sich identifizieren können und das ihre Musik und ihren Stil widerspiegelt.

So verbinden wir Musik, Kunst und Kleidung miteinander und geben den Künstler*innen eine weitere Möglichkeit, ihre Arbeit sichtbar zu machen und Menschen auch abseits der Tanzfläche zu erreichen.

Außerdem wollen wir unabhängige Künstler*innen direkt unterstützen: Ein Teil der Einnahmen aus jedem verkauften Teil kommt den jeweiligen Künstler*innen zugute. Die komplette Neuentwicklung von Logos und Designs ist allerdings auch möglich. Die Grafiken für das Merch von Phat Otiz hat Christoph selbst entworfen.

05 / IM GESPRÄCH

Die Verbindung soll bleiben.

Was würdet ihr gern aus der Zusammenarbeit zwischen Wien und Bratislava mitnehmen, wenn RITUAL 404 vorbei ist? Was möchtet ihr künftig gemeinsam ausprobieren?

Wir hoffen, dass sowohl wir als auch die Gäste einen super lustigen und angenehmen Abend haben. Das ist immer das erste Ziel.

Wir würden uns auch darüber freuen, vielleicht in Zukunft ein Stück Wien nach Bratislava zu bringen. DECIBELLES gab es bisher immer nur in Wien, aber wir sind nicht abgeneigt, auch einmal in Bratislava oder anderen Städten Europas mit anderen Kollektiven Party zu machen.

Generell wäre es schön, wenn die Partyszenen beider Städte beziehungsweise Länder mehr zueinanderfinden würden. Wir sind uns sicher, dass daraus viel Gutes entstehen kann und wird.

WEITERENTDECKEN

CATS.R.qL

Interview per E-Mail · Redaktion und Bildgestaltung: SCENE:ID. CATS.R.qL · SCENE:ID art direction · CATS.R.qL · Artwork: Foatwenti3 · SCENE:ID art direction · Matthias Feldmann · SCENE:ID art direction