ID: INTERVIEW · AUSTRIA

Danny Murano.

Zwölf Stunden. Eine gemeinsame Idee.

Danny Murano über Solera mit Mashter, die Stimmung im Studio und das, was er hinter einem Auftritt sucht.

Danny Murano
Danny Murano · artist-supplied portrait.
Foto: Courtesy of Danny Murano

Zwölf Stunden Stau auf dem Weg zu einem gemeinsamen Gig: Für Danny Murano und Mashter wurde daraus die Idee zu Solera. Im Gespräch geht es um Freundschaft und die Stimmung, die einen Track formt. Als Booker fragt Danny nach der eigenen Handschrift eines Künstlers. Und bei Goa dreht er unsere Frage erst einmal um: Beide Länder geben ihm Inspiration, haben aber ihre eigenen Bedingungen.

Danny Murano ist DJ, Produzent und Gründer von Subforce mit Sitz in Salzburg. Sein musikalisches Spektrum reicht von Deep und Progressive House bis zu rohem Techno. Die Antworten auf unsere fünf Fragen erhielten wir am 29. Oktober 2026.

01 / IM GESPRÄCH

Zwölf Stunden im Taxi

Danny Murano vor einer alten Steintreppe.
Foto: Courtesy of Danny Murano

Du hast erzählt, dass «Solera» mit Mashter aus eurer Freundschaft zwischen Goa und Himalaya entstanden ist. Welche gemeinsame Idee hat aus dieser Verbindung einen Track gemacht?

Mashter und ich kennen uns schon seit einigen Jahren durch gemeinsame Gigs beim Bootcamp Goa. Als wir für einen gemeinsamen Auftritt im Himalaya unterwegs waren, standen wir mit dem Taxi ganze zwölf Stunden im Stau. Genau dabei entstand die Idee, zusammen einen Track zu machen. «Solera» bewegt sich musikalisch zwischen Indie Dance und Deep House.

Ursprünglich war der Track für ein anderes Label gedacht, aber dort passte der Stil nicht so gut ins Konzept. Also haben wir ihn auf Mashters Label veröffentlicht, und ich bin mit dem Ergebnis wirklich sehr happy. Danach hatten wir auch noch zwei tolle gemeinsame Auftritte im Himalaya. Das Schöne an der Geschichte ist für mich: Manchmal entsteht etwas Besonderes ganz ungeplant – einfach aus einer Freundschaft und zwölf Stunden im Taxi.

02 / IM GESPRÄCH

Die Stimmung entscheidet

Bei dir stehen melodische Produktionen neben deutlich roherem Techno. Woran entscheidest du im Studio, wie viel Härte eine Idee verträgt?

Die Härte eines Tracks entsteht bei mir im Studio – und hängt ganz stark von meiner Stimmung ab. Manchmal mag ich es hart, manchmal zart, manchmal melancholisch, manchmal raw. Ich folge da keinen festen Parametern. Es ist einfach meine jeweilige Gefühlslage, die bestimmt, in welche Richtung die Musik geht.

Manchmal mag ich es hart, manchmal zart, manchmal melancholisch, manchmal raw.
03 / IM GESPRÄCH

Musik für den richtigen Moment

Danny Murano am DJ-Pult; originales Happytechno-Wasserzeichen und fotografische Bewegungsunschärfe erhalten.
Foto: Happytechno · courtesy of Danny Murano

Du spielst regelmässig bei der Vienna Fashion Week. Was hörst du dort in einem Track anders als bei der Auswahl für eine Clubnacht?

Bei rund 95 Prozent meiner Gigs richtet sich die Musikauswahl nach dem Publikum, der Location und dem jeweiligen Konzept – immer gepaart mit meinen eigenen musikalischen Vorstellungen. Bei der Vienna Fashion Week geht es in erster Linie darum, im Hintergrund einen guten Vibe zu erzeugen.

Natürlich ist die Funktion der Musik dort etwas anders als in einer Clubnacht. Aber bei der Auswahl selbst mache ich ehrlich gesagt keinen riesigen Unterschied: Für mich muss die Musik zur Situation passen und gleichzeitig meinem eigenen Geschmack entsprechen.

04 / IM GESPRÄCH

Eine eigene Handschrift

Du arbeitest auch als Booker und Promoter. Was möchtest du bei einem Künstler erleben, bevor du ihn selbst für einen Abend einlädst?

Ich achte vor allem darauf, ob ein Künstler eine eigene Handschrift hat. Individualität und Einzigartigkeit sind mir sehr wichtig. Ich möchte spüren, ob hinter dem Auftritt echtes Können und Liebe zur Musik stehen oder ob es hauptsächlich um Selbstdarstellung geht.

Ich habe schon viele junge Künstler gefördert und dabei auch erlebt, dass unter dem Strich manchmal die Selbstdarstellung wichtiger war als die Musik. Diese Erfahrungen haben meinen Blick geschärft. Bevor ich jemanden buche, frage ich mich deshalb auch, ob es wirklich Sinn macht, diesen Künstler zu fördern.

05 / IM GESPRÄCH

Zwei Länder, eigene Herausforderungen

Danny Murano bei einem Open-Air-DJ-Set am Wasser.
Foto: Courtesy of Danny Murano

Goa beschreibst du als zweites Zuhause im Winter. Welche Erfahrung von dort hat verändert, wie du heute in Österreich einen Abend gestaltest?

Ich würde die Frage ein bisschen umdrehen: Goa hat nicht grundsätzlich verändert, wie ich in Österreich einen Abend gestalte. Die beiden Länder sind in Bezug auf Crowd und Organisation einfach sehr unterschiedlich. In Österreich läuft vieles bürokratischer und detaillierter ab. In Indien erlebe ich die Szene als offener und «open-minded», gleichzeitig kann es dort schwieriger sein, Veranstaltungen auf die Beine zu stellen.

Beide Länder geben mir gleich viel Inspiration und bringen ihre eigenen Herausforderungen mit. Was Goa für mich besonders macht, ist die musikalische Breite: Die Szene dort empfinde ich als offener und vielseitiger als vieles, was ich in Europa erlebe.

Interview per E-Mail · Redaktion und Bildgestaltung: SCENE:ID. Courtesy of Danny Murano · Happytechno · courtesy of Danny Murano