ID: INTERVIEW · AUSTRIA

DARKPRESSURE.

Freiheit braucht keinen Druck.

Dario über das erste Jahr von Dark Pressure, überraschende Remixe und ein Label, das im eigenen Tempo wachsen darf.

Dario · Dcascallana
Dario · Dcascallana
@walkandphotograph

Ein Label beginnt mit einer Entscheidung: diese Musik, zu diesen Bedingungen. Für Dario ist Dark Pressure ein Ort, an dem sich eigener Geschmack und die Unterstützung anderer Künstler treffen. Sein erstes Jahr führt von den eigenen Tracks zu vier neuen Perspektiven auf sie — und weiter zur Frage, wie eine kleine Struktur langfristig tragen kann.

Im Gespräch verbindet der Wiener DJ und Produzent hinter Dcascallana seine Labelarbeit mit dem Veranstalten, dem Vinyl-Kollektiv VVAX und dem gemeinsamen Hardware-Projekt AURA mit Pezel. Die Geschichten handeln von kreativer Freiheit, Freundschaft und einer Nacht, deren Energie sich erst im Raum entscheidet.

01 / IM GESPRÄCH

Nach eigenen Bedingungen.

Du legst schon lange auf und produzierst selbst. Was hat dich dazu gebracht, mit Dark Pressure ein eigenes Label zu starten? Was wolltest du dort musikalisch ausprobieren oder selbst gestalten?

Die Idee, ein eigenes Label zu gründen, hatte ich schon lange im Kopf. Mittlerweile ist vieles einfacher und zugänglicher geworden, deshalb habe ich mich entschieden, es endlich umzusetzen. Ein wichtiger Punkt war für mich die Freiheit, genau die Musik zu veröffentlichen, die mir gefällt, und das zu meinen eigenen Bedingungen. Gleichzeitig wollte ich auch etwas zur Wiener Techno-Szene beitragen. Im Vergleich zu anderen Großstädten gibt es hier eher wenige Labels. Natürlich gibt es in Wien Labels mit einem ähnlichen Sound, aber ich finde, Dark Pressure geht musikalisch noch etwas in eine andere Richtung. Außerdem ist es mir wichtig, lokale Künstler zu unterstützen, deren Sound zu Dark Pressure passt, und ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre Musik über das Label zu veröffentlichen.

02 / IM GESPRÄCH

Vier Tracks, neue Perspektiven.

Dario auf einer Treppe
@walkandphotograph

Für „Year One“ haben Cristian Glitch, Pezel, Neoom und nonℒinearsystem deine Tracks neu interpretiert. Wie hast du die vier für die jeweiligen Stücke ausgewählt — und bei welchem Remix hat dich eine Idee besonders überrascht?

Anfangs hatte ich noch keine konkrete Idee für das vierte Release, das gleichzeitig zum ersten Jubiläum von Dark Pressure erscheinen sollte. Dann haben mich zwei der Künstler gefragt, ob sie einen meiner Tracks remixen könnten. So entstand die Idee für ein Remix-Release. Cristian Glitch habe ich „Cobra Effect“ vorgeschlagen, weil es der bisher am besten bewertete Track des Labels war und stilistisch gut zu ihm passt. Die anderen drei durften sich selbst einen meiner Tracks aussuchen. Zum Glück hat sich jeder für einen anderen entschieden. Am meisten überrascht hat mich der Remix von Neoom.

Während die anderen drei noch deutlich erkennbare Elemente der Originale enthalten, hat er aus den ursprünglichen Sounds praktisch einen komplett neuen Track gemacht. Ich bin mit allen vier Remixen sehr zufrieden und freue mich besonders, dass ich diese vier Künstler, die ich sehr schätze, für das Release gewinnen konnte.

Entweder die Musik gefällt mir so, wie sie ist, oder eben nicht.
03 / IM GESPRÄCH

Eine Nacht wächst im Raum.

Du hast bisher zwei Dark Pressure-Nächte veranstaltet. Was hast du beim ersten Abend gelernt, das du beim zweiten anders gemacht hast? Was ist dir bei der Auswahl der DJs und dem Verlauf der Nacht wichtig?

Ich organisiere bereits seit dem Jahr 2000 Partys, also seit ich als DJ angefangen habe, in Clubs aufzulegen. Schon damals in Spanien, später auch während meiner Zeit in Irland und natürlich hier in Wien. Es gab Phasen, in denen ich aktiver war, und andere, in denen ich weniger veranstaltet habe. Natürlich lernt man immer wieder etwas dazu, aber zwischen den beiden Dark-Pressure-Nächten gab es nichts, was ich besonders hervorheben würde. Bei der Auswahl der DJs möchte ich vor allem Künstlern den Vorzug geben, die bereits auf Dark Pressure veröffentlicht haben.

Da das Label bei den ersten Events noch sehr jung war, habe ich auch andere DJs eingeladen, deren Sound gut zum Label passt. Musikalisch versuche ich, die Nacht so aufzubauen, dass sie mit weniger Energie beginnt und sich im Laufe der Zeit steigert. Der letzte DJ kann dann den Höhepunkt setzen oder die Energie wieder etwas herunterfahren. Das hängt aber immer von der Stimmung, dem Publikum und den jeweiligen DJs ab.

04 / IM GESPRÄCH

Projekte, die sich verbinden.

Dario im Studio
@walkandphotograph

Beim fünften Geburtstag des Exil wart ihr mit anderen Crews dabei. Du organisierst auch in anderen Projekten Events. Welche sind das, und wie ergeben sich daraus gemeinsame Ideen für die Wiener Szene?

Neben Dark Pressure bin ich Teil des kleinen Kollektivs VVAX, mit dem wir ausschließlich Vinyl-Only-Techno-Events veranstalten. Im Dezember feiern wir unser einjähriges Bestehen und bisher war das Interesse groß. Außerdem arbeite ich eng mit meinem Freund Pezel von Deep Cut zusammen, mit dem ich zwei Jahre lang ein Studio geteilt habe. Auch nachdem wir das gemeinsame Studio aufgegeben haben, arbeiten wir weiterhin eng zusammen. Gemeinsam haben wir auch das neue Live-Projekt AURA gegründet, bei dem wir Deep Techno mit einem DAWless-Setup auf reiner Hardware-Basis spielen.

Am 13. November veranstalten Dark Pressure und Deep Cut eine gemeinsame Nacht im Flucc Wanne mit Oxygeno als Gast, bei der wir auch unser Clubdebüt mit AURA geben werden. Ein weiteres Projekt, das zwar nicht direkt musikalisch ist, aber eng mit der Musikszene zusammenhängt, ist Vienna Techno Culture. Über Instagram und Telegram stelle ich ausgewählte Events vor, die musikalisch zu meiner Vorstellung von Techno passen. Damit möchte ich Veranstalter unterstützen, deren Hauptziel es ist, die Techno-Kultur zu fördern und auch experimentelleren, nicht kommerziellen Sounds eine Plattform zu bieten.

Darüber hinaus unterstütze ich auch andere Kollektive, DJs und Clubs und arbeite regelmäßig mit ihnen zusammen. Und neben all diesen Projekten habe ich schon länger noch einige weitere Ideen im Kopf, die ich vielleicht irgendwann in Zukunft umsetzen kann.

05 / IM GESPRÄCH

Schritt für Schritt.

Nach diesem ersten Jahr: Was möchtest du mit Dark Pressure als Nächstes ausprobieren? Gibt es einen Sound, eine Zusammenarbeit oder eine Idee für einen Abend, auf die du gerade besonders Lust hast?

Das erste Jahr war für mich vor allem eine Test- und Lernphase. Die Erfahrungen, die ich dabei gesammelt habe, werden mir helfen, das Label weiterzuentwickeln. An dieser Stelle möchte ich mich auch ganz besonders bei Cristian Glitch und Pezel bedanken. Mir fehlen wirklich die Worte, um auszudrücken, wie dankbar ich für ihre Unterstützung bin. Beide helfen mir bei der Arbeit mit dem Label. Ein großes Dankeschön geht natürlich auch an alle anderen Künstler, die bisher zu Dark Pressure beigetragen haben, sowie an diejenigen, die beim kommenden Charity-Release im Dezember mitwirken werden.

Musikalisch möchte ich meiner Linie treu bleiben: Raw, Deep, Hypnotic und Experimental Techno, sowohl in langsameren als auch in schnelleren Varianten. Dabei ist mir besonders wichtig, den Künstlern volle kreative Freiheit zu lassen. Ich würde niemals jemanden bitten, etwas an seinen Tracks zu ändern. Entweder die Musik gefällt mir so, wie sie ist, oder eben nicht. Langfristig würde ich gerne auch Vinyl veröffentlichen und bekanntere internationale Künstler für das Label gewinnen. Das muss aber wirtschaftlich nachhaltig sein. Bis dahin möchte ich Schritt für Schritt weitermachen, ohne Druck, möglichst viel Musik veröffentlichen zu müssen.

Für das zweite Jahr plane ich etwa vier bis sechs Releases. Was Events betrifft, möchte ich versuchen, weitere Dark-Pressure-Showcases zu organisieren. Das ist allerdings nicht ganz einfach, da viele Clubs bereits weit ins nächste Jahr ausgebucht sind. Aber ich werde schauen, was sich machen lässt.

WEITERENTDECKEN

Dark Pressure

Interview per E-Mail · Redaktionelle Aufbereitung: SCENE:ID. Fotografien aus dem bereitgestellten Material, farblich für diese Ausgabe bearbeitet.