ID: INTERVIEW · AUSTRIA

Drahthaus.

Jedes Mal ein bisschen anders.

Drahthaus über Elephant In The Room, getauschte Laptops und die Freiheit, einen Song live weiterzudenken.

Ludwig · Hans · Simon · Vali / Drahthaus
Drahthaus live under a bridge, surrounded by the crowd; photograph by georgeye.
Foto: georgeye

Eine Skizze beginnt auf einem Laptop und landet auf dem nächsten. Aus einem Gitarrenriff wird ein Song mit eigener Stimme. Und wenn die Albumversion fertig ist, geht die Arbeit auf der Bühne weiter. Für Elephant In The Room haben Drahthaus ihre Ideen durch vier Perspektiven geschickt. Ludwig, Hans, Simon und Vali erzählen uns, wie daraus gemeinsame Stücke werden – und warum ein Konzert nie ganz dieselbe Form behalten muss.

Drahthaus sind Simon Öggl, Valentin Martins, Ludwig Ascher und Hans Zoderer. Das Wiener Quartett verbindet elektronische Tanzmusik mit Instrumenten, Alltagsklängen und Improvisation. Die Antworten auf unsere fünf Fragen stammen vom 28. Oktober 2026.

01 / IM GESPRÄCH

Vier Laptops, ein gemeinsamer Song

Drahthaus – Gruppenfoto mit VR-Brillen.
Foto: Mateusz Wiglinzki

Wenn ihr an die Arbeit an „Elephant In The Room“ zurückdenkt: Bei welchem Stück hat jemand eine Idee eingebracht, die dann von den anderen völlig anders weitergedacht wurde? Nehmt uns gern vom ersten Einfall bis zum gemeinsamen Ergebnis mit.

Ludwig: Einen Teil der Songs haben wir so begonnen, dass wir alle unabhängig voneinander Skizzen auf unseren jeweiligen Laptops begonnen haben und dann die Laptops getauscht haben. So haben wir im Grunde alle an allen Ideen auch alleine gearbeitet. In einem späteren Prozess sind wir zu viert über die Songs gegangen.

Besonders spannend war die Arbeit an Where Did You Sleep Last Night, da haben Hans und ich zu zweit eine Skizze begonnen, die dann eine ganz andere Richtung eingenommen hat als Vali dazugekommen ist und zu dem geworden ist, was der Song am Ende war, als Simon dazu gekommen ist.

02 / IM GESPRÄCH

Ein Gitarrenriff und die eigene Stimme

Hans, bei „Alle gegen alle“ bist du erstmals selbst ans Mikro gegangen. Was hat dir geholfen, diesen Schritt zu machen? Hat dein Text auch verändert, wie ihr die Musik rundherum gebaut habt?

Hans: Ich hab schon immer gern mit Sprache gearbeitet. Bei „Alle gegen alle“ hatte ich den Wunsch, einen Track mit dem Fokus auf Vocals zu schreiben, und bin mit einem Gitarrenriff ins Studio gekommen. Der Approach beeinflusst natürlich gleich von Anfang an den Schaffensprozess.

Es wird also jedes Mal bissi anders und das is gut so!
03 / IM GESPRÄCH

Wenn der Refrain zurückkommt

Drahthaus live vor Publikum, fotografiert von Christian Neitzel.
Foto: Christian Neitzel

Ihr erzählt, dass beim Rave unter der Donaustadtbrücke viele Leute den Refrain von „Alle gegen alle“ schon mitsingen konnten. Wie war dieser Moment für euch? Hat er verändert, wie ihr den Song danach gespielt oder wahrgenommen habt?

Hans: Der Gig am ersten Mai war schon ganz was Besonderes. Open Air vor so vielen Leuten zu spielen und dann noch so eine Resonanz zu bekommen, ist genau der Grund, warum wir nach fast 12 Jahren Bandgeschichte immer noch Spaß an der ganzen Sache haben. Ein Song mit Vocals ist in der Performance natürlich noch interaktiver als Instrumentalmusik und ist deshalb schon ein spezieller Moment im Konzert.

04 / IM GESPRÄCH

Raus aus dem vertrauten Studio

Das Album ist in euren Wiener Studios und in der BASIS im Vinschgau entstanden. Was war beim gemeinsamen Arbeiten dort anders als zu Hause? Gibt es eine Idee auf der Platte, die ihr mit diesem Ort verbindet?

Simon: Unsere Studios in Wien haben wir über viele Jahre hinweg gemeinsam geplant und aufgebaut. Dadurch kennen wir natürlich jeden Quadratzentimeter Raum und jeden Meter Kabel wie unsere Westentasche – das macht es möglich sehr effizient und zielgerichtet zu arbeiten.

Beim Schreiben eines neuen Albums kann es aber durchaus Sinn ergeben, aus dem alltäglichen Umfeld auszubrechen und Inspiration im Neuen und Ungewohnten zu suchen. Dafür war die BASIS genau der richtige Ort: Die Mischung aus der der Architektur und Geschichte des Gebäudes, der weltoffenen Community, in der kreativer Austausch ganz von selbst entsteht und der großartigen technischen Ausstattung hat bei uns genau den richtigen Mindset ausgelöst. Man bricht viel leichter aus gewohnten Mustern aus, und das Ausprobieren und Einfach-Machen steht wieder im Vordergrund.

05 / IM GESPRÄCH

Ein Liveset, das weiterwächst

Am 30. Oktober feiert ihr im Flucc mit Tanz oder gar nicht. Was entsteht durch diese Freundschaft, das ihr als Band allein nicht auf die Beine stellen würdet? Und was verändert ihr an euren Stücken, wenn das Konzert Teil einer ganzen Clubnacht wird?

Vali: Unser Liveset lässt mittlerweile sehr viel Raum für Improvisation. Es ist uns in den letzten Jahren einfach wichtiger geworden, auf das Publikum reagieren zu können und den Spaß am Performen in den Mittelpunkt zu stellen. Die Tracks sind live oft länger und haben Parts und Elemente, die erst nach der abgeschlossenen Albumproduktion im Proberaum oder auf der Bühne entstanden sind. Es wird also jedes Mal bissi anders und das is gut so!

Tanz oder gar nicht ist ein Freund*innenkreis, der sich seit Jahren sehr mit Drahthaus überschneidet. Die Releaseparty am 30.10. ist nicht unser erstes gemeinsames Projekt. Bei so einem Event sind viele Leute involviert. Vom Awarenessteam über die Deko, die Lichtshow, die Kassa, den Merch bis zur Musik sind überall Leute von Toga involviert. Und alles mit dem gemeinsamen Gedanken, einen Abend zu veranstalten, den wir nicht so schnell vergessen werden.

WEITERENTDECKEN

Drahthaus

Interview per E-Mail · Redaktion und Bildgestaltung: SCENE:ID. georgeye · Mateusz Wiglinzki · Christian Neitzel