Elektro Guzzi.
Flow lässt sich nicht planen.
Elektro Guzzi über intuitives Zusammenspiel, die Freiheit des eigenen Labels und die Kunst, einen ganzen Abend zu gestalten.
Im Gespräch mit Elektro Guzzi
Bei Elektro Guzzi entstehen die Entscheidungen manchmal genau dann, wenn niemand mehr bewusst entscheidet. Gitarre, Bass und Schlagzeug greifen ineinander; ob daraus ein Flow wird, hängt ebenso vom Publikum und vom Raum ab. Mit Palazzo überträgt das Wiener Trio diese Aufmerksamkeit auf Veröffentlichungen und eigene Nächte. Vor dem Palazzo Festival am 5. Dezember im WUK sprechen Elektro Guzzi darüber, was sie selbst bestimmen möchten und warum gute Gastgeber mehr als einen einzelnen Auftritt im Blick haben.
Elektro Guzzi spielen Techno als Trio mit Gitarre, Bass und Schlagzeug. Neben ihrer Live-Arbeit betreiben sie das Label Palazzo und gestalten eigene Veranstaltungen in Wien. Fünf Fragen per E-Mail; Antworten vom 20. Oktober 2026, behutsam redigiert und ins Englische übersetzt.
Konzentration und Loslassen.
Bei euch entsteht Techno im Zusammenspiel von Gitarre, Bass und Schlagzeug. Woran merkt ihr während eines Sets, dass aus einem kleinen musikalischen Einfall gerade etwas wird, dem ihr länger folgen wollt? Wer gibt dann die Richtung vor?
Gerade dieses Zusammenspiel ermöglicht uns, sehr schnell und intuitiv zu reagieren. Im besten Fall sind wir live in einem Flow, das heißt: Keiner von uns trifft bewusst Entscheidungen, alles passiert wie von selbst. Dafür muss aber ziemlich viel zusammenpassen: einerseits die Stimmung unter uns dreien, die Energie mit dem Publikum und der Sound im Raum.
Wenn sich alle diese Faktoren treffen, entsteht dieser Flow, und es spielt sich alles von selbst. Das entsteht einerseits durch Konzentration und gleichzeitig durch Loslassen. Klingt unlogisch, ist aber so. Deshalb ist es auch nicht bewusst herbeizuführen.
Es ist schon oft vorgekommen, dass wir dachten: Es ist der perfekte Moment, heute wird’s besonders gut. Dann war es aber nicht wirklich prickelnd – und genauso auch umgekehrt.
Der eigene Rahmen.
Mit Palazzo habt ihr einen eigenen Ort für Veröffentlichungen geschaffen. Welche musikalische Idee konntet ihr dort umsetzen, für die ihr diesen eigenen Rahmen gebraucht habt?
Wir waren mit unserem ersten Label Macro in Berlin sehr zufrieden, weil es uns Türen geöffnet und uns als neue Band großartig unterstützt hat. Die Qualität der Releases von Macro ist großartig, und wir waren sehr gern Teil davon.
Allerdings haben wir danach ein paar schlechte Erfahrungen mit anderen Labels gemacht und wollten uns generell schon länger selbstständig machen. Das heißt: alle Prozesse eines Albums, von Mix und Mastering über das Artwork bis zur Promo, selbst in die Hand nehmen. Das war ein großer Lernprozess und natürlich wesentlich mehr Arbeit, aber es hat sich definitiv gelohnt.
Die Strukturen im Musikmarkt haben sich in den letzten 15 Jahren wesentlich geändert. Mit Palazzo können wir darauf viel schneller reagieren und sehr schnell ein Album fertig machen und releasen, ohne die üblichen Vorlaufzeiten von größeren Labels. Und das Wesentliche: Wir müssen keine Kompromisse mehr eingehen und können alles selbst entscheiden.
Wir müssen keine Kompromisse mehr eingehen und können alles selbst entscheiden.
Neugier statt Hype.

Am 5. Dezember bringt ihr Palazzo mit Live-Acts und DJs auf zwei Floors ins WUK. Was muss ein Gast musikalisch mitbringen, damit ihr denkt: Mit dieser Person möchten wir einen Abend teilen?
Grundsätzlich haben wir bei unseren eigenen Veranstaltungen immer Musiker:innen, die uns selbst gerade interessieren. Wir schauen also nicht darauf, wie bekannt oder gehypt jemand gerade ist.
Im WUK haben wir die großartigen WaqWaq Kingdom mit einer ihrer Audio/Visual-Liveshows und zwei DJs. Catu Diosis haben wir 2023 kennengelernt und konnten sie jetzt endlich einmal einladen. Sie ist bei Nyege Nyege dabei, von denen wir schon lange große Fans sind.
Fingers of God wird vor den Live-Acts ein DJ-Set spielen. Mit ihm haben wir zum ersten Mal zu tun, finden seine Musik aber sehr spannend.
Einflüsse kommen ständig.
Wenn ihr selbst spielt und gleichzeitig den Abend mitgestaltet, hört ihr die anderen Auftritte vermutlich auch aus einer zweiten Perspektive. Gab es bei einer Palazzo-Nacht eine Begegnung oder ein Set, das euch für eure eigene Musik auf eine neue Idee gebracht hat?
Im Moment ist es so, dass wir seit ein paar Jahren eine ziemlich konkrete Soundvorstellung davon haben, was wir machen wollen, und diese von Album zu Album weiterentwickeln.
Dazu kommen natürlich immer aktuelle Einflüsse von außen. Die passieren aber ständig, da wir sehr viel neue Musik hören und auch viel auf Konzerten unterwegs sind. Das heißt, es passiert nicht nur auf unseren Veranstaltungen.
Mehr als ein gebuchter Live-Act.
Ihr habt in sehr unterschiedlichen Clubs und auf Festivals gespielt. Welche Erfahrung von unterwegs hat eure Vorstellung davon verändert, was ihr zu Hause in Wien mit Palazzo möglich machen möchtet?
Wir sind seit circa 2009 unterwegs und haben dabei ein Gefühl dafür entwickelt, was einen gelungenen Abend ausmacht. Da ist es relativ egal, ob das ein Sommerfestival oder ein Clubabend ist.
Teil eines gut kuratierten Abends zu sein, ist immer das Beste für uns. Wenn wir das Gefühl haben, die Veranstaltenden haben sich Gedanken zum Verlauf des ganzen Abends gemacht und nicht nur uns als Live-Act gebucht, dann sind das immer die besten Abende für uns.
Diese Erfahrungen nehmen wir natürlich auch für unsere Veranstaltungen mit und verbringen sehr viel Zeit damit, das Programm und den Ablauf auszuwählen. Weiters ist es uns sehr wichtig, dass sich die beteiligten Künstler:innen von Anfang an wohlfühlen und sich als Teil des Abends sehen.
Elektro Guzzi
Interview per E-Mail · Redaktion und Bildgestaltung: SCENE:ID. Elektro Guzzi · SCENE:ID art direction · Edin Suljic · SCENE:ID art direction