Eternate.
Mehr als ein Wow-Moment.
Eternate über Harddance-Wurzeln, Hard Techno, eigene musikalische DNA und das Gefühl, sich im Tanzen zu verlieren.
Florian Pleger · Eternate
Eine Gabber-909, Reverse Bass, eine Melodie, die bleibt: Für Florian Pleger alias Eternate beginnt der Weg in den Hard Techno mit seiner eigenen Harddance-Geschichte. Doch wie bewahrt man einen persönlichen Sound in einer Szene, die ständig neue Reize verlangt? Wir sprechen über SPKRS VBRTE, den Unterschied zwischen einem starken Moment und einem guten Clip, über hartnäckige Studioideen und die Underground-Communities in Tirol, die seinen Blick auf Musik geprägt haben.
Eternate ist das Harddance-Projekt von Florian Pleger aus Innsbruck. Heute verbindet er seine melodischen Hardstyle-Wurzeln mit Hard Techno. Was er aus früheren Produktionen und seiner Arbeit als Veranstalter und Booker mitnimmt, erzählt er hier selbst.
Harddance neu interpretieren
Bei „SPKRS VBRTE“ beschreibst du selbst die Mischung aus Gabber-909s, Trance und Reverse Bass. Welche dieser Ideen hat den Track ins Rollen gebracht?
Ich glaube, der Ausgangspunkt war vor allem die Energy, die ich schon immer mit Hard Dance verbunden habe. Reverse Bass oder typische Gabber 909s bringen für mich diesen direkten Oldschool Charakter, während die trancigen Elemente das ganze schön verpacken. Ich habe früher viel melodischen Hardstyle gemacht und probiere genau diesen Vibe auch in HardTechno mit einfließen zu lassen. Genau das finde ich halt spannend, es soll irgendwo neu interpretierter Oldschool Harddance sein. Hart und mit Drive, dennoch melodisch und catchy.
Zwischen Zeitgeist und eigener DNA

Was hat sich an deiner Arbeit im Studio verändert, seit du dich stärker mit Hard Techno beschäftigst?
Ich glaube, dass sich generell die Herangehensweise verändert hat. Die Szene ist deutlich schnelllebiger geworden, ständig kommen neue Sounds, Trends und Subgenres auf. Es ist dadurch schwieriger geworden, am Ball zu bleiben und gleichzeitig eine eigene musikalische Identität aufzubauen und diese zu bewahren.
Oft geht es stärker um den unmittelbaren Wow-Effekt eines Tracks, vor allem, wenn man den Track live spielt. Den härtesten Drop, super überraschende Sounds (Fake Drops etc). Ich finde das grundsätzlich nicht schlecht, aber für mich war es immer mehr als nur ein schneller WOW Moment.
Meine Wurzeln prägen deshalb nach wie vor die Musik. Die Tracks sollen auf dem Dancefloor funktionieren und etwas auslösen. Gleichzeitig ist wichtig, dass sie auch nach dem ersten Hören noch etwas haben. Ich möchte nicht einfach nur einen schnellen Wow Effekt erzeugen, sondern Musik machen, die einen eigenen Charakter hat und im besten Fall langfristig funktionieren kann. Genau diese Balance zwischen Zeitgeist und eigener musikalischen DNA finde ich aber auch sehr spannend.
Ich finde besonders wichtig, dass Leute tanzen.
Wenn die Leute wirklich tanzen
Wenn du einen eigenen neuen Track zum ersten Mal spielst, worauf achtest du bei der Reaktion der Leute besonders?
Ich finde besonders wichtig, dass Leute tanzen. Gerade die Entwicklungen der letzten Jahre rund um Hardstyle/Rawstyle, aber auch Hard Techno haben gezeigt, dass bestimmte Momente vermehrt mit dem Handy festgehalten werden. Ich bekomme das ja selber mit und natürlich ist es schön, wenn der Track so viel Begeisterung auslöst, dass die Leute diesen Moment festhalten wollen. Gleichzeitig frage ich mich manchmal, wie viel von der Energie tatsächlich im Moment erlebt wird und wie viel davon darauf ausgerichtet ist, einen möglichst spektakulären Clip zu bekommen.
Für mich war Hard Dance immer stark mit diesem Gefühl verbunden, sich komplett in der Musik zu verlieren und einfach zu tanzen. Genau das möchte ich auch transportieren.
Eine Kick, sechs oder sieben Anläufe

Kannst du dich an eine Produktion erinnern, die erst funktioniert hat, nachdem du eine Idee wieder rausgenommen hast, an der du lange festgehalten hattest?
Ja natürlich... das passiert laufend. Vor allem meine Anfänge mit Hardstyle waren durchaus durchwachsen. Viele der releasten Tracks wurden mehrere Male neu produziert. Mal ist es eine Kick an die man festhält, mal die Melodie. Explizit erinnere ich mich da an meinen ersten offiziellen Remix für Clockartz und Envine - We Are One. Die Ursprungsidee hat mir persönlich sehr gut gefallen. Ich glaube, die MidIntro Kick wurde nach diversen Feedbacks sechs oder sieben Mal getauscht.
Was von Tirol bleibt
Welcher Ort in Tirol hat dich musikalisch besonders geprägt?
Das ist sehr schwer zu beantworten, denn es gibt viele Orte die ihren Einfluss auf mich als Künstler hatten.
Ich war früher selbst viel in Innsbruck und Kufstein aktiv, nicht nur als Künstler, sondern auch auf der Veranstalter- und Booker Seite.
Gerade die Underground-Communities hatten für mich immer einen besonderen Charme. Sie sind oft kleiner und überschaubarer, dafür aber sehr persönlich und von Menschen geprägt, die wirklich für die Musik brennen. Ich glaube, diese Erfahrungen haben vor allem meinen Zugang zu elektronischer Musik und diversen Genres beeinflusst.
Eternate
Interview per E-Mail · Redaktion und Bildgestaltung: SCENE:ID. Dominik Zwerger