Hannah mit Hut.
Die Energie verbindet.
Hannah mit Hut über ihren ersten eigenen Track, Spectrum und den Weg zum ersten Live-Set.
Hannah mit Hut
Ein Set muss für Hannah mit Hut keine Genregrenze einhalten. Entscheidend ist, welche Energie ein Track mitbringt und was zwischen den Menschen entsteht. In ihren Antworten geht es um die Freude am Ausprobieren, Unterstützung beim ersten eigenen Stück und Spectrum als Raum für FLINTA-Personen und neue Stimmen. Zugleich verändert sich ihr Rhythmus: Spectrum lebt heute als Plattform für Aufnahmen weiter, und Hannah arbeitet an ihrem ersten Live-Set.
Hannah mit Hut ist eine österreichische DJ. Ihre Antworten auf unsere fünf Fragen stammen vom 2. November 2026; die Bezeichnung „Live-Set“ hat sie am 3. November präzisiert.
Ohne feste Genregrenzen
Du hast schon vor dem DJing Instrumente gespielt und eine musikalische Ausbildung gemacht. Gibt es etwas aus dieser Zeit, das heute ganz selbstverständlich in deinen Sets auftaucht – vielleicht beim Hören, beim Rhythmus oder beim Aufbau?
Jaaa, genau, ich war in einer Musikhauptschule. Das waren für mich definitiv die besten vier Jahre Schulzeit und hat mir in Bezug aufs Musikverständnis beim Auflegen und Produzieren schon sehr viel geholfen. Was sich nach wie vor nicht geändert hat und auf jeden Fall auch meine Sets ausmacht, ist, dass es keine fixen Genres bei mir gibt. Es wird einfach alles bunt zamghaut, nach Lust und Laune. Ich hör einfach so viel verschiedene Musik und glaub, da bin ich nicht die Einzige. Also warum nicht? Es ist für jede*n immer was dabei und auch oft unerwartete Überraschungen, hahah.
Der erste eigene Track
Du hast gerade deinen ersten eigenen Track geteilt und dabei auch Phat Otiz und Pinklotion gedankt. Was war der Moment, in dem aus dem Ausprobieren etwas wurde, bei dem du dachtest: Das ist jetzt wirklich mein Track?
Voll, also ohne die zwei wär das so schnell nicht möglich gewesen. Der Phat Otiz ist ein super guter Freund von mir und hat sich da wirklich immer so viel Zeit genommen. Wir hatten immer saulustige Sessions, wir haben definitiv beide einen ähnlichen Vogel, haha.
Aber ja, so ganz realisiert hab ich’s noch immer nicht. Irgendwie war das immer so weit weg und natürlich ist es jetzt kein ultimatives Meisterwerk. I mean, den Anspruch hab ich auch gar nicht. Aber dass es jetzt trotzdem ein fertiger, eigener Track wurde, ist schon ein super Gefühl. Ich bin auch sehr stolz auf mich und natürlich dankbar für die Hilfe der beiden – und vieler anderer auch noch.
Wir alle lieben Musik, das sollte uns doch verbinden.
Spectrum verändert die Form

Mit Spectrum stehst du auch auf der anderen Seite der Clubnacht. Was wolltest du bei euren Abenden selbst gestalten können, und an welcher kleinen Situation hast du gemerkt, dass die Idee bei den Gästen ankommt?
Spectrum war auch ein riesiger Traum, den ich mir erfüllt hab. Mein eigenes Event, das NICHT von einem Cis-Dude geführt wird, haha. Ajajaj, ich sag’s dir, die Welt braucht echt mehr Sichtbarkeit für die FLINTA-Personen in der Szene. Man merkt das ganz stark an der Freunderlwirtschaft, die da stattfindet.
Ich wollte mit Spectrum einfach eine Party schmeißen, genau so, wie ich sie mir gewünscht hab. F*ck Genres, ein Safer Space für FLINTAs und Newcomer supporten. Für mich gibt’s nicht das eine „reale“ Genre. I mean, wir alle lieben Musik, das sollte uns doch verbinden.
Spectrum gibt’s jetzt allerdings so nicht mehr als Nachtclub-Event, sondern als Streaming-Plattform für Recordings auf YouTube.
Die Energie entscheidet
In deinen Sets treffen unter anderem Tekno, Hardtechno und Psytrance aufeinander. Wenn du musikalisch die Richtung wechselst: Was muss der nächste Track mitbringen, damit er sich für dich richtig anfühlt? Erzähl gern an einem konkreten Übergang.
Hmm, also das ist eigentlich genau das, was ich so lieb am Auflegen. Es ist immer so die Frage, ob das in der Umsetzung dann genauso funktioniert, wie ich mir das vorstelle. Oft ist es auch für mich dann eine Überraschung, haha. Aber ja, ich weiß jetzt kein konkretes Beispiel. Im Grunde achte ich eigentlich nur auf die Energie vom Track im Zusammenhang mit der Energie, die ich gerade im Set hab oder haben will.
Manchmal matchen die perfekt, weil sie sich ähneln, und manchmal, indem sie sich super ergänzen, zum Beispiel mit Vocals. Aber da kann ich nur sagen: Einfach ausprobieren und sehen, was passiert.
Gemeinsam lernen, Neues bauen
Rund um RITUAL 404 kommen mit DECIBELLES, IGNIX und den einzelnen Artists unterschiedliche Leute zusammen. Was hilft dir bei solchen Begegnungen, dass der Kontakt über den gemeinsamen Abend hinaus bestehen bleibt? Gibt es etwas, das du gerade gerne mit anderen ausprobieren würdest?
Ah, lustig, da greifst du eigentlich genau auf, was ich vorhin in Bezug auf Spectrum gesagt hab. Also am meisten verbindet uns da jedenfalls die Musik. Was schon mal ein super Gesprächsthema ist. Und da das auch ein großer Hyperfokus von mir ist, kann ich da stundenlang drüber reden, mich austauschen und von anderen lernen. Ich finde, es gibt nichts Schöneres, als wenn Menschen eine Leidenschaft teilen und gegenseitig davon profitieren. Am coolsten finde ich’s immer, wenn man sich dann auch so mal trifft und Tipps und Tricks austauscht.
Gerade eben hatte ich auch meinen vorerst letzten Gig als DJ. Ich hab aus gesundheitlichen Gründen beschlossen, es mal sein zu lassen, mitten in der Nacht in Clubs aufzulegen. Das ist mir auch sehr schwergefallen, aber momentan gibt’s einfach gerade andere Prioritäten. Was aber nicht heißt, dass ich’s ganz sein lasse. Ich bin gerade dabei, mir mein erstes Live-Set zu bauen, und mal schauen, was die Zukunft so bringt. Für Dayraves und Outdoor-Partys freue ich mich aber, wenn ich noch zum Spielen komme.
Hannah mit Hut
Interview per E-Mail · Redaktion und Bildgestaltung: SCENE:ID. Jana Lengyelova · Tim König