ID: INTERVIEW · AUSTRIA

MIKE MYSTIK.

Der Moment, in dem es funkt.

Mike Mystik über Vinyl, seinen Neustart und das Gespür für die Tanzfläche.

Im Gespräch mit Mike Mystik
Mike Mystik im Porträt.
Foto: Mike Mystik (courtesy)

Auf der Burg Plankenstein steht Mike Mystik nach seinem früheren Idol Mike Vinyl hinter den Decks. Er ist nervös – bis der erste Track läuft und die Tanzfläche antwortet. Von diesem Moment führt unser Gespräch zu seinem Neustart 2021, einer spontanen Kursänderung im Wiener Kramladen und der Frage, was eine Nacht im Underground ausmacht.

Mike Mystik hat Ende der 90er mit Vinyl begonnen. Nach einer längeren Pause fand er 2021 zurück ans Pult und begann, eigene Musik zu produzieren. Im Interview erzählt er von seinem Track «Mechanium» auf Shadow State und davon, wie er mit dem Dunkelton Kollektiv Räume für rohen, treibenden und hypnotischen Techno schaffen möchte.

01 / IM GESPRÄCH

Der erste Track, der bleibt

Mike Mystik im Club.
Foto: Mike Mystik (courtesy)

Du hast Ende der 90er mit Vinyl angefangen. Wenn du uns für einen Moment in eine deiner ersten Nächte hinter den Plattenspielern mitnehmen könntest: Wo wären wir, und was ist dir von dieser Nacht bis heute geblieben?

Ein besonderer Moment, der mir bis heute in Erinnerung geblieben ist, war mein Auftritt auf der Burg Plankenstein. Dort aufzulegen, noch dazu nach meinem früheren Idol Mike Vinyl, war für mich etwas ganz Besonderes. Ich war ehrlich gesagt ziemlich nervös. Aber dann habe ich meinen ersten Track gespielt, „Paranoid Dancer“ von Johannes Heil, und hatte die Crowd vom ersten Moment an voll in meinem Bann.

Dieses Gefühl ist schwer zu beschreiben. Du stehst hinter den Decks, die Musik läuft und du siehst, wie die Leute darauf reagieren, tanzen und einfach Spaß haben. Genau das ist es, was mich antreibt. Wenn ich merke, dass ich mit meiner Musikauswahl Menschen erreichen und ihnen eine gute Zeit schenken kann, gibt mir das unglaublich viel zurück. Dieses Gefühl begleitet mich seit meinen Anfängen mit Vinyl Ende der 90er bis heute.

02 / IM GESPRÄCH

Zurück ans Pult, auf eigenem Weg

Mike Mystik vor einer Backsteinwand.
Foto: Mike Mystik (courtesy)

Nach einer längeren Pause bist du wieder eingestiegen. Was hat dich zurück ans Pult gezogen und was hat dich beim Wiederkommen an der Szene überrascht?

Nach einer längeren Pause bin ich 2021 wieder eingestiegen. Die Lockdown-Zeit hat bei mir einiges ausgelöst und mir gezeigt, wie sehr mir die Musik und das Auflegen fehlen. Ich wollte nicht einfach dort weitermachen, wo ich früher aufgehört hatte, sondern meinen eigenen Weg finden. Seitdem habe ich mich als DJ weiterentwickelt, angefangen, selbst Musik zu produzieren, und mit MIKE MYSTIK meinen eigenen Sound aufgebaut.

Überrascht hat mich, wie viele neue Möglichkeiten es heute gibt, als Künstler selbst Musik zu veröffentlichen und Menschen zu erreichen. Gleichzeitig ist für mich eines gleich geblieben: Nichts ersetzt den Moment, wenn du im Club stehst und spürst, dass die Musik bei den Leuten ankommt. Genau dafür mache ich das.

Du kannst noch so viel vorbereiten, aber du darfst nicht stur deinen Plan verfolgen.
03 / IM GESPRÄCH

Wenn der Plan nicht mehr passt

Mike Mystik hinter den Decks.
Foto: Mike Mystik (courtesy)

Gibt es einen Abend, an dem du musikalisch etwas riskiert hast und das Publikum anders reagiert hat, als du erwartet hattest? Mich interessiert, wie du mit so einem Moment umgehst.

Ein Abend, der mir besonders in Erinnerung geblieben ist, war im Jänner 2025 im Kramladen in Wien. Es war mein erster größerer Auftritt in Wien, ich war bei „We Love Techno“ gebucht und entsprechend motiviert. Vor mir wurde guter Peak-Time-Techno gespielt, die Crowd war voll dabei und die Stimmung richtig gut. Ich hatte allerdings ein Underground-Set vorbereitet, und das wollte anfangs überhaupt nicht funktionieren.

Nach zwei Tracks habe ich gemerkt, dass ich etwas ändern muss. Also habe ich spontan einen alten Ordner mit Techno-Klassikern hervorgeholt und angefangen, andere Tracks zu spielen. Und plötzlich ist der Funke übergesprungen. Die Leute sind komplett abgegangen und die Stimmung ist richtig eskaliert.

Das war für mich eine wichtige Erfahrung. Du kannst noch so viel vorbereiten, aber du darfst nicht stur deinen Plan verfolgen. Du musst die Crowd lesen, spüren, was gerade funktioniert, und auch den Mut haben, spontan eine andere Richtung einzuschlagen. Genau das macht für mich einen guten DJ aus.

04 / IM GESPRÄCH

Druck, der körperlich wird

Bei „Mechanium“ auf Shadow State stehst du selbst als Produzent hinter der Musik. Was war zuerst da: ein Klang, ein Rhythmus oder eine Vorstellung davon, wie sich der Track im Club anfühlen soll? Nimm uns gern ein Stück in die Entstehung mit.

Bei „Mechanium“ war mir wichtig, einen Track zu machen, der Druck entwickelt und im Club funktioniert, ohne sich auf Effekte oder unnötigen Schnickschnack verlassen zu müssen. Mich reizen treibende Rhythmen, rohe Sounds und eine dunkle, hypnotische Atmosphäre. Ich möchte, dass sich ein Track nicht nur gut anhört, sondern körperlich spürbar wird.

Bei der Produktion probiere ich viel aus, verändere Details und arbeite so lange daran, bis sich das Gesamtbild richtig anfühlt. Als DJ weiß ich, was ein Track auf einer Anlage und auf der Tanzfläche auslösen kann. Diese Erfahrung fließt natürlich in meine Produktionen ein. Dass „Mechanium“ auf Shadow State erschienen ist und sich auch in den Beatport-Charts gut entwickelt hat, freut mich besonders. Es ist schön zu sehen, wenn Musik, an der man selbst gearbeitet hat, ihren Weg in die Clubs findet.

05 / IM GESPRÄCH

Eine Nacht für den Underground

Wenn du jemandem mit einer einzigen Nacht zeigen könntest, was dir an der Wiener Techno-Szene wichtig ist: Welche würdest du wählen und was müsste diese Person dort erleben?

Ich würde eine Nacht im Innercircle Club wählen. Für mich geht es bei Techno nicht nur um große Namen oder darum, möglichst viele Menschen in einen Club zu bringen. Es geht um die Atmosphäre, die Musik und die Menschen, die gemeinsam diese Nacht erleben.

Ich mag die rohe, treibende und hypnotische Seite von Techno, bei der man sich auf den Sound einlassen und für ein paar Stunden alles rundherum vergessen kann. Wichtig ist mir auch der Underground-Gedanke: Menschen, die Veranstaltungen aus Leidenschaft organisieren, DJs, die ihre eigene musikalische Linie verfolgen, und ein Publikum, das sich wirklich auf die Musik einlässt.

Genau solche Nächte machen für mich die Szene aus. Mit unserem Dunkelton Kollektiv möchte ich dazu beitragen, diese Kultur weiterzutragen und eigene Räume für diese Art von Techno zu schaffen.

WEITERENTDECKEN

MIKE MYSTIK

Interview per E-Mail · Redaktion und Bildgestaltung: SCENE:ID. Mike Mystik (courtesy)