Neoteric.
Eine gute Nacht braucht mehr als einen Headliner.
Martin und Markus über Pink Noise, gelebte Awareness und die Idee, den Wiener Underground gemeinsam zu stärken.
Martin (Ridgie) & Markus (M41RH) · Neoteric
Ein passender Verlauf auf dem Dancefloor, ein Tisch mit kleinen Hilfsmitteln und Platz für ein Gespräch: Für Neoteric steckt Clubkultur auch in den Details. Martin (Ridgie) und Markus (M41RH) erzählen, wie aus einer Idee in Zagreb ein Wiener Kollektiv wurde und was sie mit ihren Nächten ermöglichen wollen.
Bei Pink Noise verbindet die Crew Musik mit Sichtbarkeit für queere und FLINTA* Artists. Am 8. August organisierte Neoteric das gesamte Free Spaces Event inklusive Afterparty mit. Unsere fünf Fragen beantworteten Martin und Markus gemeinsam im November 2026.
Mit der richtigen Musik zusammenfinden
Wie habt ihr als Neoteric zusammengefunden – und was wolltet ihr bei euren eigenen Nächten so machen, wie ihr es als Gäste selbst gern erlebt?
Neoteric begann mit Martins Idee in Zagreb, Kroatien, mit der richtigen Musik die richtigen Menschen zusammenzubringen. Als Martin kurz danach nach Wien zog, fand er nach und nach Freunde mit einer ähnlichen Vision. Nachdem das Kollektiv eine Zeit lang mit Markus fortgeführt wurde, sind wir mit Tizian (LTO), Sarah (Voltmarie) und Andrej (Anthrax) zu einer Gruppe gewachsen, die denselben Fokus weiterverfolgt.
Wir wollen weiterhin Partys, bei denen sich alle wohlfühlen, einfach zugänglich machen. Bei uns spielt es keine Rolle, wer du bist. Hier soll man die Sorgen des Alltags hinter sich lassen können, ohne von jemandem verurteilt zu werden.
Ein Verlauf, der Sinn ergibt

Bei der ersten Pink Noise in der Lucia standen Anthrax, M41RH und VOLTMARIE an den Decks. Wie findet ihr aus den unterschiedlichen musikalischen Vorlieben in der Crew einen gemeinsamen Verlauf für die Nacht?
Uns alle verbindet die Liebe zu einer ähnlichen Musik. Der Sound unserer DJs unterscheidet sich trotzdem etwas in Intensität und Richtung. Wenn wir einen Timetable planen, achten wir darauf, dass sich ein guter Verlauf ergibt, der am Ende einfach Sinn macht. Genau das haben uns unsere Gäste auch oft gesagt. Die DJs können sich an den Slot anpassen, müssen sich aber nie verstellen.
Die DJs können sich an den Slot anpassen, müssen sich aber nie verstellen.
Sichtbarkeit, die etwas bewegt
Pink Noise sollte queeren und FLINTA* DJs Raum geben; für die erste Ausgabe habt ihr angekündigt, die Einnahmen an die Aids Hilfe Wien und den Queer Vienna Mutual Aid Fund zu spenden. Was hat euch dieser Abend darüber gezeigt, was eine kleine Crew vor Ort bewirken kann?
Bei Pink Noise wollen wir queeren und FLINTA* Artists Sichtbarkeit bieten. Für unsere erste Edition, die am Tag vor der Regenbogenparade in Wien stattfand, haben wir ein Bild von Mishu Mishu für unser Poster verwendet und einige ausgewählte Werke ausgestellt. Zusätzlich standen queere und FLINTA* DJs im Line-up. Das möchten wir bei unseren weiteren Ausgaben fortführen. Alle Einnahmen dieser speziellen Ausgabe wurden gespendet.
Diese Party hat uns gezeigt, wie sehr unsere Gäste diesen Zugang schätzen und bereit waren, mehr zu spenden.
Awareness in den kleinen Dingen

Bei Vienna Club Commissions Free Spaces am 8. August habt ihr das gesamte Event inklusive Afterparty mit vier anderen Kollektiven mitorganisiert. Welche Idee einer anderen Crew würdet ihr seitdem auch bei euren eigenen Veranstaltungen ausprobieren?
Bei Free Spaces haben wir viel von Yannicks Ideen zu Awareness gelernt – bluest vom Kollektiv innig. Mit seiner Hilfe wurde ein Tisch zusammengestellt, an dem man sich kostenlos verschiedene Goodies und Utensilien holen konnte: Traubenzucker, Tampons, kleine Snacks, Säfte und mehr. Dieser Tisch war auch eine Möglichkeit, einfach nur Ruhe oder jemanden zum Reden zu finden.
Solche Kleinigkeiten können nach einer langen Nacht einen richtigen Unterschied machen.
Eine Szene, die von innen wächst

Wenn ihr auf die nächsten Monate schaut: Was würdet ihr mit Neoteric gern ausprobieren, das bisher noch keinen Platz gefunden hat – musikalisch oder als Veranstaltungsformat?
Wir möchten im nächsten Jahr versuchen, eine Panel-Diskussion über unsere lokale Clubkultur zu organisieren. Dazu wollen wir die Kollektive einladen, die Bewegung in die Szene bringen.
Die Idee dahinter: Wenn wir darüber sprechen, wird das Thema greifbar – anstatt nur vage im Raum zu schweben und allzu leichtfertig verwendet zu werden.
Wir sind der Ansicht, dass es heute wichtiger denn je ist, die lokale Underground-Kultur zu unterstützen. Wir sehen immer mehr, wie viele Events sich nur um einen gebuchten Headliner drehen und wie die Ticketpreise dadurch in die Höhe getrieben werden. Wir sind überzeugt, dass das für eine gute Party nicht nötig ist. Oft wird für ein teures mehrtägiges Festival gespart, wodurch es für kleinere Partys immer schwerer wird, sich finanziell zu lohnen.
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Interview per E-Mail · Redaktion und Bildgestaltung: SCENE:ID. Neoteric