ID: INTERVIEW · AUSTRIA

REVAX.

Vom Motiv zum Dancefloor.

Revax über Cello-Wurzeln, Finite Curve auf MORBIT EXILE und den Blick auf eine ganze Nacht mit River Resonance.

Im Gespräch mit Xaver · REVAX
Revax vor einer dunklen Wand, fotografiert von Manuel Vlasic und gestaltet für SCENE:ID.
Foto: Manuel Vlasic · Bildgestaltung: SCENE:ID

Ein kleines Motiv im Buildup wird zur Melodie einer Bridge. Ein Gespräch hinter der Theaterbühne führt zum ersten Label-Release. Und ein leerer Floor bedeutet nicht immer, dass ein Set nicht funktioniert. Xaver, der als Revax produziert und auflegt, erzählt von den Verbindungen zwischen Instrument, Studio und Veranstalten – und davon, wann weniger Layer mehr Raum schaffen.

Revax ist ein in Wien ansässiger Drum-&-Bass-Produzent, DJ und Cellist. Mit River Resonance veranstaltet er eigene Nächte. Seine EP Finite Curve erschien 2025 auf MORBIT EXILE. Für dieses schriftliche Gespräch im Oktober 2026 spricht Xaver über musikalische Entscheidungen und Erfahrungen auf beiden Seiten des DJ-Pults.

01 / IM GESPRÄCH

Was vom Cello bleibt

Du kommst vom Cello und spielst auch Klavier. Welche Erfahrung aus dem Instrumentalspiel taucht heute noch in deinen Produktionen auf?

Ich weiß nicht, ob ich es wirklich Gewohnheit nennen kann, aber etwas, das ich auf jeden Fall vom Cellospielen mitnehme, ist das Arbeiten mit Melodien. Eigentlich ist so gut wie jeder meiner Tracks stark von Melodien, Motiven und deren Variationen geprägt.

Beispiele könnte ich wahrscheinlich in jedem meiner Tracks finden. Wenn wir auf diese EP schauen, könnte ich gleich beim Titeltrack „Finite Curve“ bleiben. Im ersten Buildup hört man einen Pluck, der auch in der Bridge vorkommt. Erst hatte ich nur dieses sehr kleine Motiv für den Buildup, das Spannung erzeugt. Damit die Bridge aber nicht zu repetitiv klingt, habe ich dieses kleine Motiv ausgebaut und es noch durch eine Bassline unterstützt.

Dieses Entwickeln von Melodiefragmenten hin zu vollständig eigenständigen Melodien – oder auch das Gegenteil – macht mir im Allgemeinen viel Freude.

02 / IM GESPRÄCH

Ein Kennenlernen hinter der Bühne

Mit Finite Curve kam dein erster Label-Release auf MORBIT EXILE. Wie hat sich die Zusammenarbeit mit Georg ergeben, und was hat sich im Austausch verändert?

Damals arbeitete ich als Lichttechniker bei einem fahrenden Theater, das Kindermusicals aufführt. An einer der Locations, an denen wir regelmäßig gespielt haben, arbeitete Georg als Tontechniker. Wir haben uns eigentlich auf Anhieb verstanden. Es hat aber ein bisschen gedauert, bis wir auf das Thema Musik gekommen sind und ich erwähnt habe, dass ich selbst Musik produziere.

Georg war dann sofort interessiert und bat mich, ihm Tracks für sein Label zu schicken, um zu sehen, ob sie dazu passen. Ich hatte damals ein paar Tracks auf der Seite und ließ sie ihm zukommen.

Im folgenden Austausch optimierten wir noch den Mixdown. Ich kann mich gut an Georgs Verwunderung erinnern, warum ich die Tracks schon so laut gemixt hatte. In weiteren Gesprächen fiel uns auf, dass es gerade im Drum & Bass beziehungsweise fast generell in der EDM-Szene viel um Lautheit geht – und wie anders das in vielen anderen Genres gehandhabt und gesehen wird. Wir haben uns sehr amüsiert, als uns dann ein Licht aufgegangen ist, warum wir anfangs so aneinander vorbeigesprochen hatten.

Die Lösung war dann, wie es mir oft passiert, das Reduzieren von Layern und das gezieltere Platzieren von Instrumenten und Synths.
03 / IM GESPRÄCH

Fertig wird es durch Weglassen

Revax sitzt im Inneren eines Fahrzeugs; Porträt von Manuel Vlasic.
Foto: Manuel Vlasic · Bildgestaltung: SCENE:ID

Kannst du uns durch die Entstehung des Titeltracks Finite Curve mitnehmen? Was war zuerst da, und was hat den Track für dich abgeschlossen?

Soweit ich mich erinnern kann, begann die Idee des Tracks mit den Chords im Intro. Recht schnell führte das dann zum ersten Drop. Das Grundgerüst und das Arrangement waren sehr flott erledigt, aber ich hatte einige Probleme, den Track abzuschließen. Es ist einer der wenigen Tracks, für die ich mehrere Project Files gebraucht habe.

Die Lösung war dann, wie es mir oft passiert, das Reduzieren von Layern und das gezieltere Platzieren von Instrumenten und Synths.

04 / IM GESPRÄCH

Den ganzen Abend im Blick

Mit River Resonance gestaltest du selbst Veranstaltungen. Was hast du als Veranstalter über einen Dancefloor gelernt, das dir als DJ vorher entgangen war?

Ich kann mich jetzt nicht explizit an ein Erlebnis erinnern, aber man lernt auf jeden Fall einiges! Zum Beispiel, wie volatil Dancefloors sind. Sie können innerhalb von Momenten leer oder voll werden: manchmal aus einem offensichtlichen Grund, manchmal zufällig und ohne ersichtliches Muster – und das auch mehrfach an einem Abend, haha.

So etwas bekommt man, denke ich, als Gast oder auch als DJ nicht so wirklich mit. Zum einen, weil man selbst so ins Geschehen involviert ist, zum anderen, weil man nicht den ganzen Abend im Blick hat.

Ein gutes Beispiel wäre das kollektive Rauchengehen kurz vor oder nach einem DJ-Wechsel. In solchen Momenten gehen einfach viele Gäste nach draußen, um kurz frische Luft zu schnappen oder eine zu rauchen. Es dauert aber selten lange, bis sich wieder alle auf dem Dancefloor treffen, haha.

Das als DJ zu wissen und viele Erfahrungen und Beobachtungen als Veranstalter gemacht zu haben, hilft mir auf jeden Fall, sicherer zu sein.

05 / IM GESPRÄCH

Druck trifft auf Schwerelosigkeit

Welche zwei Stücke würdest du gerade gern miteinander verbinden, und was reizt dich an diesem Übergang?

Eine Kombination, die ich vor Kurzem gefunden habe, ist „Short Stop“ von Misanthrop – meinem absoluten Lieblingsproduzenten – und der Signal-Remix von „Step by Step“ von DROELOE. Signal ist ein altes Alias von IMANU, iykyk.

Diese starke rhythmische Bassline von „Short Stop“ und der ruhige, fast schon auf Wolken getragene Vibe von „Step by Step“ ergänzen sich wunderbar. Eignet sich auch als nicer Double ;)

Interview per E-Mail · Redaktion und Bildgestaltung: SCENE:ID. Manuel Vlasic · Bildgestaltung: SCENE:ID