ID: INTERVIEW · AUSTRIA

Robert Stahl.

Techno, der bleibt.

Von einem zweiten Hördurchgang in Udine über alte Platten bis zu neuen Freiräumen in Kärnten.

Robert Stahl
Robert Stahl mit Brille und verschränkten Armen.
Foto: Robert Stahl · courtesy of the artist · SCENE:ID colour treatment

Ein geschlossener Plattenladen brachte Robert Stahl zu Zero Gravity in Udine. Die ersten Techno-Platten wollte er noch zurückgeben; beim zweiten Hören änderte sich alles. Für SCENE:ID spricht der Villacher DJ und Produzent über diesen Moment, den bleibenden Drive alter Vinyls und die Geduld, die eigene Tracks manchmal brauchen. Und er erzählt, was ihm an den Nächten in Villach und am Miteinander in der Kärntner Szene wichtig ist.

Robert Stahl ist Techno-DJ und Produzent aus Villach in Kärnten. Auf SoundCloud und Bandcamp veröffentlicht er eigene Tracks und Reworks. Seine Arbeit ist auch mit Southbeat und dem decibel in Velden verbunden.

01 / IM GESPRÄCH

Der zweite Durchgang bei Zero Gravity

Auf deinem SoundCloud-Profil erzählst du, wie du in Udine eher zufällig im Plattenladen Zero Gravity gelandet und dort auf Techno gestoßen bist. Was hat dich an dieser Musik damals so gepackt?

„Für alle, die die Herkunft meiner Leidenschaft für Techno nicht auf SoundCloud nachlesen möchten, hier die Geschichte dazu:

Mit 15 Jahren begann ich, mit Vinyl aufzulegen. Wie schon erwähnt, war ich damals fast jeden Monat in Udine, um neue Platten zu kaufen. Zu dieser Zeit spielte ich hauptsächlich Italo-Dance von Künstlern wie Gigi D'Agostino, Prezioso oder Robert Miles.

An dem besagten Tag hatte der Plattenladen, den wir eigentlich besuchen wollten, geschlossen. Ein Freund meinte daraufhin: „Wenn wir schon hier sind, schauen wir doch noch in einen anderen Laden.“ So landeten wir bei Zero Gravity. Dort gab es allerdings kaum Musik, die ich kannte. Auf den ersten Blick hatte nichts mit Italo-Dance zu tun. Also fragte ich den Verkäufer, ob er mir ein paar Platten aussuchen könne. Er stellte mir einen Stapel von etwa 30 bis 40 Scheiben zusammen. Nach den ersten Tracks dachte ich nur: „Was ist das für Musik? Das kenne ich nicht, das ist nichts für mich.“

Ich gab ihm die Platten zurück und sagte, dass das leider nicht das sei, wonach ich suche. Seine Antwort war nur: „Bitte hör sie dir nochmals an.“

Das tat ich. Und plötzlich war es um mich geschehen. Ich kann es bis heute kaum beschreiben. Es war, als würde ein Blitz die Gehirnzellen neu ordnen. Besonders erinnere ich mich an ein Promo-Whitelabel von Umek und DJ T-1000. Ab diesem Moment gab es für mich nur noch diesen Sound.“

Wenn ich beschreiben müsste, was Techno für mich so faszinierend macht, dann ist es die Möglichkeit, vollkommen in die Musik einzutauchen. Die einzelnen Elemente erschaffen zusammen eine eigene Welt, in der man für einen Moment alles andere vergessen kann.

02 / IM GESPRÄCH

Platten, die ihren Drive behalten

Robert Stahl mit Kabeln in den Händen, aus seinem bereitgestellten Presskit.
Foto: Robert Stahl · courtesy of the artist · SCENE:ID colour treatment

Wenn du heute durch deine Platten gehst: Gibt es eine, die schon lange dabei ist und für dich beim Auflegen immer noch etwas Neues hergibt?

Das ist eine schwierige Frage, denn ehrlich gesagt gibt es da nicht nur eine Platte. Was mich an vielen Vinyls von damals bis heute fasziniert, ist ihre Zeitlosigkeit. Viele Tracks könnte man problemlos auch heute noch spielen, ohne dass sie alt wirken.

Wenn man nach längerer Zeit wieder durch die alten Kisten stöbert, entdeckt man immer wieder Stücke, die einem ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Das liegt für mich oft daran, dass diese Tracks einen besonderen Drive besitzen und auch nach vielen Jahren nichts von ihrer Wirkung verloren haben.

Die einzelnen Elemente erschaffen zusammen eine eigene Welt, in der man für einen Moment alles andere vergessen kann.
03 / IM GESPRÄCH

Zwei Projekte, dann Abstand

Robert Stahl im schwarzen Hoodie und mit Brille.
Foto: Robert Stahl · courtesy of the artist · SCENE:ID colour treatment

Beim eigenen Produzieren kann man sich leicht in Details verlieren. Woran merkst du, dass eine Idee musikalisch trägt und du sie weiterverfolgen möchtest?

Sich in Details zu verlieren, passiert beim Produzieren sehr schnell. Gleichzeitig hat sich die Arbeitsweise über die Jahre stark verändert. Früher arbeitete man vielleicht drei oder vier Stunden an einem Track, und er war fertig. Heute wird deutlich detaillierter produziert. Oft wird an kleinsten Nuancen gefeilt, fast wie ein Chirurg mit dem Skalpell. Da kommen schnell 20 Stunden oder mehr für einen Track zusammen.

Ich arbeite grundsätzlich nie an mehr als zwei Projekten gleichzeitig. Alles andere bringt mich persönlich aus dem Konzept. Ich versuche immer, ein Projekt möglichst weit abzuschließen und danach nur noch kleinere Anpassungen vorzunehmen.

Wenn ein Track einmal nicht die gewünschte Richtung einschlägt, lasse ich ihn oft für einige Monate liegen. Höre ich ihn später erneut an und finde wieder einen Zugang dazu, wird weiter daran gearbeitet.

04 / IM GESPRÄCH

Villacher Nächte, die bleiben

Wenn du an deine eigenen Sets in Villach zurückdenkst: Welcher Abend ist dir besonders in Erinnerung geblieben?

Wie sagt man so schön: Wenn du am nächsten Tag noch etwas von der Party weißt, war sie nicht gut. Nein, Spaß beiseite.

Es gab schon viele Abende, die in Villach einen besonderen Eindruck hinterlassen haben. Besonders in Erinnerung bleibt mir jedes Jahr die Kirchtagswoche, vor allem der Freitag, an dem am Mainfloor wirFÖHNEN stattfindet. Dort können Momente entstehen, die eine ganz besondere Atmosphäre haben und lange in Erinnerung bleiben.

Ein Abend, der mir allerdings eher aus einem anderen Grund in Erinnerung geblieben ist, war ein Rohrbruch während einer Veranstaltung. Der Dancefloor stand rund fünf Zentimeter unter Wasser und trotzdem feierten die Leute weiter, als wäre nichts passiert. Aus hygienischen Gründen mussten wir den Abend jedoch frühzeitig beenden, da unter anderem die Toiletten nicht mehr ordnungsgemäß genutzt werden konnten.

Es gäbe noch viele weitere Geschichten zu erzählen. Aber grundsätzlich gilt: Wenn die Stimmung passt, kann man in Villach eine richtig gute Zeit haben.

05 / IM GESPRÄCH

Mehr Musik, mehr Respekt

Robert Stahl mit den Händen an den Ohren, aus seinem bereitgestellten Presskit.
Foto: Robert Stahl · courtesy of the artist · SCENE:ID colour treatment

Wovon würdest du in der Kärntner elektronischen Szene gern mehr hören oder sehen – ganz aus deiner persönlichen Sicht?

Ganz klar: von mehr elektronischer Musik und mehr Möglichkeiten, diese Kultur zu erleben. Allerdings hängt heutzutage vieles am Thema Geld.

Ein weiterer wichtiger Punkt für uns als Verein ist das Thema Safe Space. Wir möchten in Zukunft noch stärker darauf achten, ein Umfeld zu schaffen, in dem sich alle wohlfühlen und respektvoll miteinander umgehen können. Menschen, die andere belästigen oder die Stimmung negativ beeinflussen, haben auf solchen Veranstaltungen keinen Platz.

Wenn es gelingt, mehr musikalische Vielfalt mit einem respektvollen und offenen Miteinander zu verbinden, dann sehe ich für die Kärntner elektronische Szene noch viel Potenzial.

WEITERENTDECKEN

Robert Stahl

Interview per E-Mail · Redaktion und Bildgestaltung: SCENE:ID. Robert Stahl · courtesy of the artist · SCENE:ID colour treatment