ID: INTERVIEW · AUSTRIA

Sluta Leta.

Goldstücke aus dem Morast.

Sluta Leta über Operation Good Times, eine vielstufige Siebetechnik und Musik als endloses Work in Progress.

Sluta Leta · Ramon & Andi
Sluta Leta · Andi Pieper und Ramon Bauer · Foto: Heike Nehl
Foto: Heike Nehl · SCENE:ID colour treatment

Ein neues Album beginnt für Sluta Leta nicht mit einem besonderen Anlass. Andi Pieper und Ramon Bauer produzieren laufend, sortieren aus, werfen Material zurück in den Topf und holen manches später wieder hervor. Für Operation Good Times sprechen sie über diese gemeinsame Arbeit: über Luise Nehls Stimme auf «Corridor of Darkness», ein Intro mit einer Geschichte bis 1995 und die Dramaturgie eines Albums, das auch digital eine A- und B-Seite haben darf.

Sluta Leta ist ein Wiener/Berliner Elektronik-Projekt von Andi Pieper und Ramon Bauer. Operation Good Times erschien am 23. Oktober 2026 bei Schematic Music Company und umfasst 16 Stücke. Ihre gemeinsamen Antworten erhielten wir am 2. November 2026.

01 / IM GESPRÄCH

Produzieren, sieben, weiterarbeiten

Welche musikalische Idee hat «Operation Good Times» für euch ins Rollen gebracht?

Generell wird hier ohne Pause produziert, da braucht es keinen besonderen Anlass, um etwas “ins Rollen” zu bringen. Wir haben regelmäßige Studiotermine, wo wir laufend neues Material erzeugen und bearbeiten. Mit einer vielstufigen Siebetechnik werden dann die Goldstücke aus dem entstehenden Morast ausgefiltert, poliert und in Form gebracht. Der Rest wird wieder in den Topf zurückgeworfen und wird vielleicht beim nächsten Mal aufgearbeitet. Über die Zeit hinweg bleibt natürlich auch ein Bodensatz an komplett unbrauchbaren Teilen zurück, der dann ins Archiv verschoben und nie wieder angehört wird. Das Grundmaterial legt oft die Idee eines Stückes fest, das können aber sehr unterschiedliche Ansätze sein: ein gutes Sample (selten), schnelle Aufnahmen aus dem Gerätepark, ein gespieltes Bassriff, spezifische Genre-Arbeit (Jazz, Techno, Funk, Chanson etc.) oder was sonst auf dem Schreibtisch landet. Das Ganze steht immer auch in der Kontinuität der vorigen Releases.

02 / IM GESPRÄCH

Die Stimme gibt die Richtung

Operation Good Times · Foto: Joachim Brohm · Artwork: Heike Nehl
Foto: Joachim Brohm · Artwork: Heike Nehl

Auf «Corridor of Darkness» singt Luise Nehl. Wie hat sich das Stück in der Zusammenarbeit mit ihr entwickelt?

Das Stück war schon recht weit fortgeschritten, mit Platzhalter-Vocals, die noch auf weitere Bearbeitung warteten. Wir haben Luise Nehl (die ja auch auf dem letzten Album bei «Past in Reverse» Vocals beigesteuert hat) dann eingeladen, sich an den vorhandenen Vokal-Spuren mal zu versuchen und es hat auf Anhieb sehr gut funktioniert. Das hat dem Stück dann die Richtung gegeben, die noch gefehlt hat.

Es ist ein endloses “work in progress”, mit einer Momentaufnahme von Zeit zu Zeit.
03 / IM GESPRÄCH

Eine Geschichte seit 1995

Drift Dekoder · Foto: Heidi Specker · Artwork: Heike Nehl
Foto: Heidi Specker · Artwork: Heike Nehl

«Prélude Gas» eröffnet auch «Drift Dekoder» und ist jetzt als Version 2026 wieder dabei. Was hat euch gereizt, dieses Stück noch einmal anzufassen?

Auch hier tragen wir wieder die Kontinuität vor uns her, schon 1995 auf “Fan Club” haben wir eine Bearbeitung von Mason Williams’ “Classical Gas” als Intro eingebaut. Das wird hier über die folgenden Releases weitergetragen. Es ist ein endloses “work in progress”, mit einer Momentaufnahme von Zeit zu Zeit.

04 / IM GESPRÄCH

Zusammen, auch auf Distanz

Wie gebt ihr einander beim Arbeiten eine neue Idee weiter, damit der andere etwas Eigenes daraus machen kann?

Über das Internet. Wir haben Workflows entwickelt, die den nötigen Austausch auch ohne physische Präsenz möglich machen. Aber nichts daran ist außergewöhnlich, wir benutzen die üblichen Video- und Audiowerkzeuge von der Stange und halten die Technik dabei bewusst primitiv.

05 / IM GESPRÄCH

A-Seite, B-Seite, Intermezzo

Das Album umfasst 16 Stücke. Woran habt ihr die Reihenfolge festgemacht, damit man gern von Anfang bis Ende dabei bleibt?

Das wird, wie auch die endgültige Betitelung, erst gegen Ende der Produktion festgelegt. Generell zieht sich eine Dramaturgie durch die Reihenfolge, dazu kommt eine Teilung in A- und B-Seite, unabhängig vom Release-Medium. Aus dem Produktionsprozess bleiben auch oft kürzere, wenig ausformulierte Reste übrig, die werden dann als Intermezzos noch drübergestreut, wenn es die Dramaturgie verlangt.

Interview per E-Mail · Redaktion und Bildgestaltung: SCENE:ID. Heike Nehl · SCENE:ID colour treatment · Joachim Brohm · Artwork: Heike Nehl · Heidi Specker · Artwork: Heike Nehl