ID: INTERVIEW · AUSTRIA

Techflex.

Der Loop muss tragen.

Techflex über Groove ohne Ablenkung, seine Version von Mechanium und das persönliche Gespür hinter Shadow State.

Techflex
Techflex wearing a black hoodie against a dark background.
Foto: Courtesy of Techflex

Bevor die Effekte dazukommen, muss der Track schon funktionieren. Techflex hört genau hin: Trägt der Groove, stimmt das Sounddesign, fühlt sich die Musik nach ihm an? Im Gespräch erzählt er, warum jede Veröffentlichung nur eine Momentaufnahme ist, wie er Mikes Mechanium seine eigene Handschrift gegeben hat und weshalb der Club nicht vorgibt, was im Studio entsteht.

Techflex ist ein in Wien ansässiger Techno-Produzent und DJ und betreibt das Label Shadow State. Seine Musik bewegt sich im rohen, hypnotischen und dunklen Techno. Die Antworten auf unsere fünf Fragen erhielten wir am 29. Oktober 2026.

01 / IM GESPRÄCH

Ein Sound wächst mit jeder Veröffentlichung

Techflex im Porträt.
Foto: Courtesy of Techflex

Wie bist du beim eigenen Produzieren zu deinem rohen, dunklen Techno-Sound gekommen? Erinnerst du dich an einen frühen Track, bei dem du zum ersten Mal dachtest: Das klingt wirklich nach mir?

Die Richtung, in die meine Musik gehen soll, hatte ich schon immer klar vor Augen. Die technische Umsetzung hat allerdings etwas länger gedauert. Gerade am Anfang musste ich oft feststellen, dass die (bis heute unveröffentlichten) Tracks nicht das transportierten, was ich eigentlich ausdrücken wollte. Deshalb musste ich erst lernen, wie man genau diesen Vibe erzeugt, und mich auch beim Produzieren immer wieder selbst hinterfragen, ob es diesen Style trifft, was damals dann doch öfters zum Verwerfen des Tracks geführt hat.

Mit den veröffentlichten Tracks habe ich mich von Tag eins an identifiziert, aber ich habe mich auch stetig weiterentwickelt oder im Laufe der Zeit verschiedene Dinge ausprobiert. Von daher würde ich es nicht an einem bestimmten Track festmachen, sondern sehe jede Veröffentlichung als Momentaufnahme einer Reise, die erst in Summe meinen Sound definiert.

02 / IM GESPRÄCH

Wenn der Loop allein trägt

In deinem Katalog tauchen immer wieder reduzierte, hypnotische Stücke auf. Woran merkst du beim Arbeiten, dass ein Loop genug Leben hat, um einen ganzen Track zu tragen? Was veränderst du dann eher im Kleinen?

Ich muss sowohl vom Groove als auch vom Sounddesign her komplett überzeugt sein. Wenn es dann so weit ist, arbeite ich am Hauptarrangement, und hier ist es für mich wichtig, dass der Track auch ohne weitere Effektvariationen nicht langweilig klingt. Die kommen dann (meistens) schon obendrauf, um das Arrangement zu untermauern.

Aber prinzipiell gilt: Wenn ich das Gefühl habe, den Lead andauernd mit Effekten variieren zu müssen, damit er spannend bleibt, dann war der Loop nicht stark genug und gehört noch einmal überarbeitet. Meistens können dann Anpassungen an der Rhythmik bzw. am Timing viel rausholen.

Ich muss sowohl vom Groove als auch vom Sounddesign her komplett überzeugt sein.
03 / IM GESPRÄCH

Die eigene Handschrift im Remix

Techflex im Freien vor einer Stadtlandschaft.
Foto: Courtesy of Techflex

Du hast Mikes „Mechanium“ geremixt. Welches Element des Originals war für dich der Einstieg – und was musstest du verändern oder weglassen, damit deine eigene Version daraus werden konnte?

Das Original war bereits sehr stark, deshalb wollte ich den Lead nicht grundlegend verändern. Stattdessen habe ich mich entschieden, ihn mit einem Raw/Hypnotic-Stab zu erweitern und den Groove stärker in den Vordergrund zu rücken.

Da ich auch wusste, dass es mehrere Remixe geben wird, war es mir umso wichtiger, neue eigene Elemente einzubauen, die auch die Techflex-Signatur in sich tragen, um so einen Kontrast zum Original zu schaffen und eine abwechslungsreiche EP entstehen zu lassen. An dieser Stelle auch Props an die anderen Remixer für ihre starke Arbeit!

04 / IM GESPRÄCH

Shadow State: mit einem klaren Ja

Welche Rolle übernimmst du bei Shadow State, und wie hat sich das über die Zeit entwickelt? Was muss eine Demo bei dir auslösen, damit du Lust bekommst, dich länger damit zu beschäftigen?

Die Frage, welche Rollen ich bei Shadow State übernehme, kann ich mit einem klaren Ja beantworten! Das war schon immer so, und es gibt keine Pläne, das zu ändern. Es ist ein Projekt aus Leidenschaft, bei dem Techno im Vordergrund steht.

Bei Demos ist es wie mit den Loops beim Produzieren: Sie müssen mich einfach catchen. Ich versuche bei den Releases dabei auch immer den Anspruch zu haben, dass mindestens ein Track dabei ist, den ich auch selber spielen würde.

05 / IM GESPRÄCH

Musik, mit der man selbst in Resonanz ist

Wie beeinflussen sich bei dir Auflegen und Produzieren? Erzähl gern von einem eigenen Track, den du nach dem ersten Test im Club noch einmal angefasst hast, weil du dort etwas ganz anderes gehört oder gefühlt hast.

Unveröffentlichte Tracks spiele ich in der Regel erst öffentlich, wenn es zu spät ist, daran etwas zu ändern. Ob das der beste Weg ist, kann man natürlich infrage stellen, aber generell produziere ich nicht mit dem Gedanken, was im Club gut ankommen könnte.

Ich versuche vielmehr, Musik zu machen, mit der ich selbst in Resonanz bin, die ich fühle und feiern kann. Wenn der Track dann im Club gut funktioniert, freut mich das natürlich umso mehr.

Interview per E-Mail · Redaktion und Bildgestaltung: SCENE:ID. Courtesy of Techflex