ID: INTERVIEW · AUSTRIA

Thomas Huber.

Nächte, die im Kopf bleiben.

Über Psytrance, Raumgestaltung und ein langfristiges Miteinander.

Thomas Huber
Thomas Huber — Foto Warda
Foto: Warda

Aus ersten Waldpartys wurden Clubnächte und Festivalarbeit. Thomas Huber spricht über seinen Weg in der Wiener Psytrance-Szene, die Planung von Psytrance Universe und Paradise und darüber, warum offene Kommunikation für ihn genauso dazugehört wie Musik und Dekoration.

Thomas Huber ist Geschäftsführer und Gesellschafter der Sun & Moon Event GmbH. Er organisiert Psytrance Universe und führt das Paradise Winter Festival seit mehreren Jahren weiter.

01 / IM GESPRÄCH

Vom Wald in die Grelle Forelle

Wie hat deine Verbindung zur Wiener Psytrance-Szene angefangen? Erinnerst du dich an die erste Nacht, bei der du selbst mitorganisiert hast – und daran, was du damals unbedingt anders oder besonders machen wolltest?

Ich bin mit Psytrance ca. 2006/2007 das erste Mal in Berührung gekommen. Freunde haben mir Tracks von Infected Mushroom, Skazi und dann auch Neelix gezeigt. Ein, zwei Jahre später haben wir dann begonnen, die ersten Psytrance-Partys zu besuchen. Damals zum Beispiel die Cosmic Space Disco, die ich zuerst als Gast besuchte und später übernommen habe, oder das Paradise Winter Festival, das ebenfalls von mir seit ein paar Jahren weitergeführt wird.

Irgendwann in den frühen 2010er-Jahren habe ich dann mit Freunden begonnen, bei uns im nahe gelegenen Wald eigene, nicht ganz legale Psytrance-Partys zu veranstalten. Da der Zuspruch riesig war zu der Zeit, hat sich die Idee in mir gebildet, das eventuell zu meinem Beruf zu machen oder es zumindest größer und öfter zu machen.

Ich habe dann im Hyrtl Haus in Perchtoldsdorf begonnen, die ersten Indoor-Partys zu veranstalten, und konnte dann dank ein paar Connections relativ schnell in die Grelle Forelle wechseln, wo wir dann 2014 unser erstes Psytrance-Event hatten.

Meine Inspiration war relativ von Anfang an, den Leuten etwas zu bieten, das sie sonst nirgendwo in Wien erleben konnten. Ich wollte immer die besten Acts, Clubs und Dekorationsteams buchen, um wirklich etwas zu erzeugen, wo die Leute danach nach Hause gehen und sich denken: Wow, was war das denn …

02 / IM GESPRÄCH

Ideen werden gemeinsam weitergedacht

Tanzfläche und psychedelische Dekoration – Foto Christopher Kropat
Foto: Christopher Kropat

Welche Aufgaben übernimmst du heute bei Psytrance Universe und Paradise? Wie entstehen im Team die Ideen für einen Abend, und wo bringst du selbst am liebsten etwas ein?

Ich bin seit einigen Jahren Geschäftsführer und Gesellschafter der Sun & Moon Event GmbH. Die Planung der Events von Psytrance Universe und dem Paradise Festival beginnt also meistens bei mir und geht dann in unserer Resident-DJ-Gruppe weiter. Da werden dann auch Ideen und Bookings oft besprochen oder finalisiert.

Ab dem Start des neuen Jahres kommt dann noch ein neues monatliches Format im Werk dazu. Da sind wir gerade in der Kreativphase mit Bookings und Ideen.

In unserer Szene versuchen wir immer, Lösungen im Vorfeld zu finden und ein langfristiges Miteinander zu schaffen.
03 / IM GESPRÄCH

Mehr als ein Sound

Bei Psytrance Universe im Werk kamen im September Psytrance und ein zweiter Floor mit härteren Sounds zusammen. Was hat euch an dieser Verbindung gereizt, und was habt ihr an dem Abend darüber gelernt, wie sich die Gäste zwischen den Floors bewegen?

Da ich früher auch Tekno-/Harder-Sounds-Events veranstaltet habe, liegt die Versuchung nahe, des Öfteren auch so einen Sound bei unseren Psytrance-Events mit einfließen zu lassen. Mir gefällt die Idee prinzipiell gut, mehrere verschiedene Sounds in einer Nacht unterzubringen, um dem Publikum einfach mehr bieten zu können.

04 / IM GESPRÄCH

Wenn der Raum mitspielt

Licht und Raumgestaltung einer Psytrance-Nacht – Foto Christopher Kropat
Foto: Christopher Kropat

Bei Psytrance prägen auch Dekoration und Raumgefühl die Nacht. Wie sprecht ihr mit den Leuten, die das gestalten? Gibt es eine Idee, bei der du erlebt hast, wie stark sie verändert hat, wie die Musik im Raum ankommt?

Dekorationen und Raumgestaltung sind wirklich eines der Markenzeichen von Psytrance-Partys und machen auch meiner Meinung nach den größten Unterschied zu anderen elektronischen Musik-Events. Wir versuchen immer wieder, Neues zu kreieren und dem Publikum Sachen zu zeigen, die sie bis jetzt eventuell noch nie erleben durften.

Gerade sind wir mit einem renommierten Bühnengestalter dabei, eine Holzinstallation mit LED-Lichtern zu entwerfen, die dann ab Jänner im Werk bei unseren Partys zum Einsatz kommen soll.

05 / IM GESPRÄCH

Miteinander statt gegeneinander

Was hat sich für dich im Miteinander der Szene über die Jahre verändert? Und was möchtest du bei euren kommenden Veranstaltungen unbedingt bewahren oder neu ausprobieren?

Es ist mir generell ein sehr großes Anliegen, die offene Kommunikation in der Psytrance-Szene zu bewahren. Ich habe das so von meinen „Mentoren“ gelernt und versuche, das auch in die Zukunft mitzutragen. Sei es Terminabsprachen, Besprechungen über Bookings oder Dekoteams und so weiter: In unserer Szene versuchen wir immer, Lösungen im Vorfeld zu finden und ein langfristiges Miteinander zu schaffen. Gegeneinander bringt nur Verlierer …

2027 wird für uns ein wirklich spannendes Jahr! Es beginnt wie immer im Jänner mit dem Paradise Winter Festival. Danach gibt’s aber so gut wie keine Ruhepause bis tief in den Sommer hinein. Die Ideen haben einfach kein Ende. :)

Interview per E-Mail · Redaktion und Bildgestaltung: SCENE:ID. Warda · Christopher Kropat