Tiefdruck.
Der Sound einer gemeinsamen Nacht.
Chris von Tiefdruck über den ersten Abend mit Ash Roy, das Gespür für einen Floor und die Verbindungen, die Salzburg braucht.
Im Gespräch mit Chris · Tiefdruck
Knapp 70 Gäste, ein gebuchter DJ und der Wunsch, in Salzburg einen anderen Sound zu hören: So beginnt die Geschichte, die Chris von Tiefdruck erzählt. Aus der ersten Nacht wurde eine gemeinsame Praxis – mit sorgfältig gewählter Anlage, wechselndem Licht und einem musikalischen Gefühl, das über einzelne Sets hinausgeht.
Seit 2018 organisiert das Salzburger Kollektiv Tiefdruck Nächte zwischen Minimal, Techno und Psytech. Im Gespräch geht es um die Anfänge im MARK, die Jahre in der Rockhouse Bar, die Podcast-Reihe und die Zusammenarbeit mit anderen Crews. Chris antwortet für das Team. Fünf Fragen per E-Mail, behutsam redigiert und für die englische Fassung übersetzt.
Der erste eigene Abend.
Tiefdruck gibt es seit 2018. Welchen Abend wolltet ihr damals in Salzburg erleben, den ihr euch schließlich selbst organisiert habt? Welche Entscheidung aus dieser Zeit prägt euch noch heute?
Zu der Zeit gab es in Salzburg tatsächlich relativ wenige Veranstaltungen. Als wir uns damals zufällig beim Auflegen im Soda Club über den Weg gelaufen sind, war ziemlich schnell klar: Wir haben ein ähnliches Mindset. Vom Sound her waren wir anfangs noch etwas breiter aufgestellt. Psy- und Minimal-Techno haben uns aber direkt zu dem Punkt gebracht: Das ist neu hier, das gab es so noch nicht.
Tanja und Gorgo hatten über ein Festival Kontakt zu Ash Roy, einem DJ mit indischen Wurzeln, der in Berlin lebt. Nach einer etwas schwierigen Locationsuche hat sich das MARK in Salzburg-Sam angeboten. Das haben wir kurzerhand gemietet und Ash Roy gebucht.
Es war kein voller Erfolg, aber das Feedback der knapp 70 Gäste war klar: Mehr davon! Von da an ging die Reise aus Leidenschaft los. Über ein befreundetes Kollektiv landeten wir Anfang 2019 in der Rockhouse Bar – unserer Homebase bis Ende 2025.
Eine Nacht hat ihren eigenen Verlauf.

Bei Tiefdruck kommen Minimal, Techno und Psytech zusammen. Wie plant ihr, wer wann spielt und wie die Sets zusammenpassen?
Wir haben über die Jahre ein recht feines Gespür dafür entwickelt, eine Tiefdruck-Nacht zu etwas ganz Besonderem zu machen. Jeder von uns kann das Warm-up genauso spielen wie das Closing. Das macht es uns leicht, die Nacht organisch entstehen zu lassen und auch zu experimentieren.
Meist ergänzen wir das Programm um einen externen Main-Act, den wir gemeinsam auswählen. Dadurch ergeben sich frische Einflüsse, bei denen es nie bloß darum geht, unbedingt mehr Publikum anzuziehen. Oft hören wir: Es ist eigentlich egal, wer gerade spielt – der spezielle Tiefdruck-Vibe ist immer zu spüren.
Außerdem legen wir enorm großen Wert auf den Klang. Selten kam das vorhandene Haus-Soundsystem zum Einsatz. Meist haben wir mit unseren externen Partnern und Anlagen von Lambda Labs und Funktion-One noch einen draufgelegt. Dazu kommen immer auch das wechselnde, dezente Lichtdesign und die Deko, die uns zu Tiefdruck machen.
Salzburg braucht jeden von uns.
Ein Mix wird zur Begegnung.
Wie findet ihr die Menschen, denen ihr einen Mix für eure Podcast-Reihe anvertraut? Entsteht aus diesen Kontakten auch abseits von SoundCloud etwas?
Anfangs kamen die Beiträge vor allem von uns selbst, den gebuchten Acts und befreundeten DJs. Wir kannten uns über die Musikproduktion oder von Veranstaltungen. Inzwischen bekommen wir sehr viele Anfragen. Unseren SoundCloud-Kanal kennt man quasi rund um den Globus.
Dieser spezifische Sound hat keine enorm große, dafür aber eine sehr familiäre Szene. Man kennt und respektiert sich. Dabei wählen wir sehr genau aus, wer zu uns passt. Über die Podcasts entstehen immer wieder tolle Begegnungen: Man tauscht sich aus und wird im Gegenzug auch für Gastmixe eingeladen.
Zwischen zwei Floors.

Beim Enter-The-Lab-Karneval habt ihr den Techno-Floor neben dem Drum-and-Bass-Programm von P LAB gestaltet. Was macht diese Zusammenarbeit für euch aus?
Mit der P-LAB-Crew sind wir seit vielen Jahren befreundet. Markus hat uns damals auch die Brücke zur Rockhouse Bar gebaut. Deshalb sind wir immer gerne am Start und hosten meistens das Basement mit unserem Sound.
Dadurch ergibt sich eine bewegende Welle durch die ARGE: Die Menschen wollen oft beide Bereiche nicht verpassen. Das ist lustig anzusehen.
Salzburg braucht jeden von uns.
Welche Zusammenarbeit in Salzburg hat euch als Crew konkret weitergeholfen? Und was würdet ihr als Nächstes gerne gemeinsam mit anderen möglich machen?
Die Salzburg Club Commission hat sich in vielen Bereichen für uns als Veranstalter und Kulturschaffende eingesetzt. Dafür sind wir enorm dankbar. Gerade in einer kleineren Stadt wie Salzburg ist so etwas sehr wichtig. Allein der Wegfall der Vergnügungssteuer war ein großer Meilenstein der letzten Zeit.
Wir haben uns immer bemüht, uns mit anderen Kollektiven zu vernetzen und gemeinsam Projekte auf die Beine zu stellen. Das ist uns auch relativ häufig gut gelungen, etwa mit Tiefdruck-Geburtstagspartys mit einem zweiten Floor oder einer kollektiven Weihnachtsfeier.
Wir träumen immer von gemeinsamen Events, sehr gerne auch draußen – was in Salzburg wegen des Wetters natürlich riskant sein kann. Aber wir sind stets offen für den Austausch in alle Richtungen. Salzburg braucht jeden von uns.
Tiefdruck
Interview per E-Mail · Redaktion und Bildgestaltung: SCENE:ID. Felix Weinberger · SCENE:ID art direction · Tiefdruck (bereitgestellt) · SCENE:ID art direction