ID: INTERVIEW · AUSTRIA

TOMAGAN.

Oida, gehma RAM!

Tomagan über Rave Am Mittwoch, eine Community im Werk und die Chance auf das erste Closing.

Im Gespräch mit Thomas · Tomagan / Rave Am Mittwoch
Tomagan hält beide Hände im Haar; Porträt aus seinen bereitgestellten Materialien.
Foto: Tomagan / Rave Am Mittwoch (bereitgestellt)

Links ein Rave-Ehepaar über sechzig, daneben Studierende, rechts eine Reisegruppe aus Japan: So beschreibt Tomagan einen vollen Mittwoch im Werk. Mit Rave Am Mittwoch will er einen Abend schaffen, der ohne großes Brimborium auskommt – mit Platz zum Tanzen, einer guten Anlage und einem offenen Zugang zur Wiener Szene. Im Gespräch geht es um den Weg von der Pratersauna ins Werk, eigene musikalische Ideen und darum, warum für DJs auch die Nächte zählen, an denen sie selbst nicht gebucht sind.

Thomas, als DJ Tomagan bekannt, beantwortete die fünf Fragen per E-Mail am 22. Oktober 2026. Das Gespräch entstand vor der RAM-Special-Edition am 24. Oktober 2026 in der Grellen Forelle; die Angaben dazu beziehen sich auf diesen Termin. Antworten behutsam redigiert und ins Englische übersetzt.

01 / IM GESPRÄCH

Oida, gehma RAM!

Publikum und Licht auf dem RAM-Tanzflur.
Foto: Tomagan / Rave Am Mittwoch (bereitgestellt)

Bei RAM kommen die Leute mitten in der Woche zusammen. Was passiert an einem Mittwochabend anders als am Wochenende? Gibt es eine Begegnung oder eine Geschichte, die für dich besonders gut zeigt, was diese Reihe ausmacht?

Die Leute sind unter der Woche grundsätzlich entspannter drauf als am Wochenende – also ungezwungener, denn am Wochenende ist fast immer etwas "Besonderes" im Club, ein internationaler Mainact, ein bestimmtes Motto, ein vorgegebener Dresscode usw. Rave Am Mittwoch hingegen ist da eher etwas "back to the roots", also eine Anlaufstelle für Publikum, welches einfach locker, ungezwungen und ohne großen Firlefanz tanzen und Spaß haben möchte, dabei jedoch nicht auf einen tollen, großen Floor und vor allem auf eine fette Anlage verzichten möchte, was Bars & Co. schlichtweg nicht liefern können.

Besonders auffällig ist das vielschichtige Publikum, welches sich großteils zusammensetzt aus Student*innen, der typischen Werk-Crowd und den eben beschriebenen Personen, die einfach auf easy raven gehen möchten.

Zudem bin ich selbst überrascht, wie viele Touris aus allen Ländern und Kontinenten dieser Erde es zu RAM schaffen. Oft sind Party-Tourist*innen eher verrufen, aber unsere internationalen Gäste am Mittwoch sind eben keine klassischen "Sauf- & Radau-Touristen", sondern wirklich richtige Raver, die wegen der Musik kommen, sich benehmen und keinen Stress machen. Die kommen, geben ihre Jacke ab, holen sich einen Drink und tanzen sich dann bis früh morgens die Füße wund, alle zusammen, unabhängig von Religion, Herkunft, Hautfarbe usw. – Liebe geht raus!

Manchmal bin ich selbst verdutzt, wenn ich so über den vollen Dancefloor blicke, links das 60+-Rave-Ehepaar, daneben die WU-Student*innen-Clique, rechts dann die japanische Reisegruppe usw.

Trotz der unterschiedlichen Backgrounds hat sich sehr bald eine liebevolle Community gebildet. Das ist sehr schön zu beobachten, denn genau diese Vielschichtigkeit und eben dieses Miteinander statt Gegeneinander waren und sollten doch stets ein wichtiger Aspekt unserer Subkultur/Szene sein und bleiben.

02 / IM GESPRÄCH

Ein Mittwoch wird zum Fixpunkt.

Ein mit Stickern und Graffiti bedeckter Gang im Werk.
Foto: Tomagan / Rave Am Mittwoch (bereitgestellt) · SCENE:ID art direction

RAM ist von der Pratersauna ins Werk umgezogen. Was habt ihr aus der alten Location mitgenommen, und was hat sich am neuen Ort entwickelt, womit du vorher gar nicht gerechnet hattest?

RAM ist nur dadurch entstanden, weil die Vorgängerparty, damals bekannt als "Nachtschwimmer", veranstaltet von Crazy Sonic aka Rudi Wrany in der Pratersauna aufgelöst wurde und der Club auf der Suche nach einer Nachfolge für die Mittwoche war. Namentlich inspiriert durch das Format "Rap Am Mittwoch", das ich in meiner Jugend viel verfolgt habe, sowie meinen guten Draht zu Rudi und dessen Unterstützung bei der Übernahme, ist die Idee des jetzigen Konzepts entstanden.

Der Grundgedanke ist gleich geblieben: Es war uns immer schon wichtig, Clubbing und Raves für die Leute leichter zugänglich zu machen. Da das Leben wie wir alle wissen nicht billiger, sondern ganz im Gegenteil – stetig teurer wird, wollten wir eine Plattform bieten, die eben genau dieser Entwicklung entgegenwirkt, Stichwort #RavePreisBremse ;-)

Im Werk hat sich dann zügig herauskristallisiert, dass sich aus diesem Grundkonzept rasch ein Stammpublikum und die bereits zuvor erwähnte Community gebildet hat. Der Mittwoch hat sich dann also innerhalb weniger Monate für viele Partygänger*innen als Fixtermin etabliert. Aus "Hey Leute, es ist Mittwoch, hab Bock was zu machen, Ideen?" wurde schlichtweg "Oida gehma RAM!" – und das Woche für Woche. Seit dem Umzug ins Werk ist RAM nicht mehr nur eine simple Mittwochsparty, sondern ein etablierter Szene-Treffpunkt und noch dazu bekannt für seinen Fokus auf Newcomer-DJs und Diversität im Lineup. Ich sehe das Ganze auch als eine aktive Anlaufstelle für DJ-/Rave-Neulinge, die erste Berührungspunkte zur lokalen Szene suchen.

Aus „Hey Leute, es ist Mittwoch, hab Bock was zu machen, Ideen?“ wurde schlichtweg „Oida gehma RAM!“
03 / IM GESPRÄCH

Eine eigene musikalische Idee.

Blick über die Schulter eines DJs auf Pult und Tanzfläche.
Foto: Tomagan / Rave Am Mittwoch (bereitgestellt) · SCENE:ID art direction

Bei eurem DJ-Contest entscheidet zuerst die Community, wer einen Mix einreichen darf; danach hört ihr auf Auswahl, Technik und Kreativität. Wie findest du in so einem Mix heraus, ob jemand eine eigene musikalische Idee mitbringt? Was kann dich dabei überraschen?

Ich persönlich bin immer ein Fan davon, wenn man sich nicht zu sehr auf ein bestimmtes Genre oder Tempo fixiert, sondern probiert, mithilfe mehrerer Subgenres oder auch Musikstile, seinen eigenen Vibe zu kreieren. Wenn die Person es schafft, innerhalb eines Mixtapes einen konsekutiven Vibe zu erschaffen, ohne dabei starr in einem Genre oder einer BPM-Range zu verharren, eventuell noch zusätzliche Samples, Vocals oder crazy Effekte einbaut und zudem sowohl mit dem Zocken von Records als auch CDJs vertraut ist, haut mich das wesentlich mehr vom Hocker als der typische Pingpong-Stil, aka das "0815 von Track zu Track mischen".

04 / IM GESPRÄCH

Nach dem Closing geht es weiter.

DJ-Pult und tanzendes Publikum bei RAM.
Foto: Tomagan / Rave Am Mittwoch (bereitgestellt) · SCENE:ID art direction

Der Gewinn ist ein bezahlter zweistündiger Closing-Slot in der Kitchen. Was möchtest du jemandem mitgeben, der zum ersten Mal so eine Gelegenheit bekommt? Und wie kann der Kontakt nach diesem einen Auftritt weitergehen?

Die Person sollte sich sowohl mit RAM an sich als auch mit dem Line-up, sprich der Musik, die dort gespielt wird, vertraut machen und auseinandersetzen, um das eigene Set bestmöglich an die Party anpassen zu können, ohne dabei die eigene Handschrift zu verlieren. RAM hat bereits unzähligen DJs eine Brücke in die Szene gelegt. Bestimmt spielt Nervosität eine Rolle am Anfang, aber das ist nichts Schlechtes, ganz im Gegenteil, es ist etwas Gutes, denn das zeigt, dass die Sache auch wirklich ernst genommen wird. Spätestens nach dem zweiten oder dritten Übergang verfliegt die Aufregung sowieso und man kann sich der Crowd und Mukke vollends hingeben. Abgesehen davon wurde er/sie ja bewusst ausgewählt und daher sollte man in sich und sein vorbereitetes Set Vertrauen haben.

Wie der Kontakt danach weitergehen kann? Nach einem gelungenen Gig besteht natürlich die Möglichkeit, das bei uns zu wiederholen oder wie viele es bereits gemacht haben, RAM als generelles Sprungbrett zu nutzen, denn aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass sich stets andere Veranstalter*innen und Booker unter die Crowd mischen, um Artists für ihre eigenen Events zu scouten. So habe nicht nur ich zahlreiche DJs ins RAM Line-up befördert, welche mich bei anderen Events mit ihrem Sound überzeugt haben, sondern konnte auch für mich selber unzählige Gigs klären, indem ich eben andere Booker mit meinem Set abholen konnte – Netzwerken lautet die Devise! Egal ob privat oder als DJ unterwegs, ich bin stets dahinter, alte Kontakte zu pflegen und neue zu knüpfen, denn von nichts kommt nichts. Es gibt genug DJs, die abseits ihrer Gigs quasi keinen Fuß in den Club setzen und sich dann wundern, warum die Bookings ausbleiben. Regelmäßig Events von anderen Kollektiven zu besuchen, wo teils auch ganz andere Mukke gespielt wird, erweitert zudem den eigenen musikalischen Horizont und liefert die entsprechende Inspo, sich soundtechnisch weiterzuentwickeln. Ich wäre also nie da, wo ich heute bin, hätte ich nicht tausende Stunden auf allen möglichen Dancefloors und Partys anderer Veranstalter*innen verbracht.

05 / IM GESPRÄCH

Zwei Floors, derselbe Zusammenhalt.

Menschen vor dem DJ-Pult bei einer RAM-Party.
Foto: Tomagan / Rave Am Mittwoch (bereitgestellt) · SCENE:ID art direction

Am 24. Oktober 2026 bringt ihr RAM wieder als Special Edition in die Grelle Forelle. Was soll sich dort genauso anfühlen wie bei euren Mittwochen im Werk – und was möchtest du auf den beiden Floors anders ausprobieren?

Die Ungezwungenheit, Lockerheit und der übliche RAM-Vibe sollen natürlich trotz der größeren Location erhalten bleiben. Der typische Rave-am-Mittwoch-Sound ist immer schnell und hart und das wird sich auch nicht ändern, nur weil wir in einer anderen Location auftreten. Ausprobieren möchten wir, ob unser familiäres Konzept auch in größeren Clubs, in dem Fall sogar mit zwei Floors, funktionieren kann. Musikalisch wird es in der Kitchen etwas tranciger und grooviger zugehen, während wir uns am Mainfloor vor allem ab der Maintime eher in Richtung Dark Bounce und schlussendlich sogar Tek bewegen werden.

Aufgrund anderer Dimensionen und des erhöhten organisatorischen Aufwands, ist es uns leider nicht möglich, diese Special Editions in der Grellen Forelle ebenfalls auf Spendenbasis wie im WERK am Eingang durchzuziehen. Mit einem Eintrittspreis von 12 € vor Mitternacht und 15 € danach traue ich mich jedoch zu behaupten, dass wir uns in einem absolut adäquaten Preisrahmen befinden, wenn man sich anschaut, was andere, vergleichbare lokale Events dort so an Eintritt verlangen, no front natürlich.

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TOMAGAN

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