FM4 Soundpark nimmt sein 25-jähriges Bestehen zum Anlass für eine Debatte über Österreichs Musikinfrastruktur
Ein neues Branchen-Roundtable und ein Essay von Affine Records machen aus dem Jubiläum eine Debatte über Geld, Sichtbarkeit und unabhängige Strukturen.
FM4 Soundpark begeht sein 25-jähriges Bestehen mit mehr als einem Rückblick. Am 1. Oktober veröffentlichte der österreichische öffentlich-rechtliche Sender eine neue Ausgabe des *Musikmaschin*-Roundtables. Musikerin Resi Reiner diskutiert darin mit Paulina Parvanov vom Österreichischen Musikfonds und von Austrian Music Export sowie mit Ink-Music-Gründer Hannes Tschürtz. Ausgangspunkt ist ein Widerspruch, der in der heimischen Szene häufig spürbar ist: Österreich bringt immer mehr sichtbare Acts und ausverkaufte Konzerte hervor, während viele Musiker:innen und die Organisationen rund um sie weiterhin mit kleinen Budgets und geringer langfristiger Absicherung arbeiten. Die Diskussion ist Teil des herbstlichen Jubiläumsprogramms „Musik von hier“. FM4 zufolge stellt Soundpark seit einem Vierteljahrhundert Musik aus Österreich vor; derzeit stammen rund 40 Prozent der im Sender gespielten Musik von heimischen Acts. Zum Schwerpunkt gehören Radiosendungen, eigens aufgenommene Coverversionen und Konzerte in mehreren österreichischen Städten. Elektronische Musik ist durch Acts wie HVOB direkt vertreten. Zugleich bleibt Soundpark ein möglicher Einstiegspunkt für Produzent:innen, die im kommerziellen Radio kaum Platz finden. Die deutlichste lokale Analyse liefert Jamal Hachem, der seit 2008 das Wiener Affine Records betreibt. In einem für das Jubiläum veröffentlichten Essay zeichnet er die Entwicklung des Labels von Dorian Concept und Cid Rim über Ogris Debris, Zanshin, Wandl und Mieux bis zu Noayama und Kenji Araki nach. Ein Label erscheint in seiner Darstellung nicht bloß als Stelle für Signings und Vermarktung, sondern als Struktur, in der Projekte und Beziehungen entwickelt werden. Hachem beschreibt auch die oft unsichtbare Arbeit dahinter: Vertrieb, Medienkontakte, Radio, Förderstellen, Booking und laufende Kommunikation. Diese praktische Belastung verbindet er mit Streamingökonomie, dem Rückgang spezialisierter Medien und dem Druck auf Künstler:innen, ständig neue Inhalte zu produzieren. Die Position knüpft an ein ausführliches mica-Interview an, in dem Hachem gemeinsame Standards und Alternativen zur Abhängigkeit von Plattformen forderte. Der neue Soundpark-Beitrag kündigt kein solches System an. Er bringt die strukturelle Kritik jedoch in ein aktuelles öffentlich-rechtliches Jubiläum ein, statt die Feier auf Nostalgie zu beschränken. Für Österreichs elektronische Szene liegt die Bedeutung des Jubiläums genau in diesem Spannungsverhältnis zwischen Sichtbarkeit und Infrastruktur. Soundpark hat experimentelle elektronische Musiker:innen über kleine Szenekreise hinaus hörbar gemacht. Labels wie Affine leisten zugleich die langsamere Arbeit an Entwicklung, Einordnung und internationalen Verbindungen. Roundtable und Essay zeigen, dass Aufmerksamkeit allein Fragen nach Einkommen, verfügbarer Zeit und nachhaltigen Laufbahnen nicht löst. Aus Sicht von SCENE:ID ist das Jubiläum deshalb ein sinnvoller Zwischenstand: Eine Plattform kann die von ihr unterstützten Künstler:innen feiern und zugleich fragen, welche Strukturen die nächste Generation benötigt. Entscheidend wird sein, ob aus den angesprochenen Problemen nach dem Jubiläumsherbst konkrete Schritte bei Förderung, Rundfunk oder unabhängigem Vertrieb entstehen.