ID: INTERVIEW · AUSTRIA

BLAGOJESCHILLING.

Auf einer Welle des Basses.

Blagoje Schilling über eigene Tracks im Weberknecht, Ideen aus zwei Platten und den Klang, der schon vor dem Studio im Kopf ist.

Producer / DJ · Sunshine696
Blagoje Schilling
Blagoje Schilling / persönliches Archiv

Zwei Uhr früh, ein ausverkaufter Club, ausschließlich eigene Musik. Wenn Blagoje Schilling an die Nächte im Weberknecht zurückdenkt, erinnert er sich an eine Verbindung: Publikum und DJ bewegen sich auf derselben Welle. Dieser Moment führt durch das Gespräch — vom ersten Beat einer Produktion bis zur Vorstellung eines Abends, der erst am nächsten Mittag endet.

Blagoje erzählt als Produzent und DJ, den viele auch als Sunshine696 kennen. Im Studio setzt er zuerst Beat und Bassline, sucht am Virus B nach dem nächsten Impuls und hält an einer inneren Klangvorstellung fest. Auf dem Dancefloor entstehen neue Ideen wieder dort, wo sich zwei Stücke begegnen.

01 / IM GESPRÄCH

Zwei Uhr früh. Eigene Musik.

Blagoje Schilling hinter den Decks
Blagoje Schilling / persönliches Archiv

Du erzählst von BFP und deiner Zeit als Martins696 in der Wiener Underground-Szene. An welche Nacht denkst du besonders gern zurück — und was davon steckt heute noch in deiner Musik?

Zu den besten Partys haben damals die Nächte im Weberknecht gehört. Eine dieser Partys war ausverkauft. Ich habe damals um zwei in der Früh gespielt und nur Musik aufgelegt, die wir selbst produziert hatten. Keine gekauften Sounds aus dem Laden – das war schon etwas Geniales zu der damaligen Zeit.

Die Menschen haben getanzt und geschrien. Das motiviert natürlich, und es wurde immer genialer. Es war, als ob das Publikum mit dir auf einer Welle des Basses surft – einfach perfekt. Dieser treibende Beat und der Einfluss von Trance sind bis heute bei jedem meiner Werke zu hören.

02 / IM GESPRÄCH

Ein Track beginnt im Kopf.

Blagoje Schilling hinter den Decks
Blagoje Schilling / persönliches Archiv

Bei „Echoes of Tomorrow“ bringst du Techno und klassische Trance-Sounds zusammen. Womit hat der Track angefangen? Gab es einen Moment, in dem er eine andere Richtung genommen hat als ursprünglich geplant?

Alles, was man je in seinem Leben hört, kommt immer wieder – auch wenn es manchmal in einem ganz anderen Stil ist. Man kennt eigentlich bereits jeden Sound.

Der Aufbau der Songs ist eigentlich immer gleich: Ich habe einen Sound im Kopf und versuche, diesen zu produzieren. Als Erstes werden der Beat und die Bassline produziert, da sich bei mir alles darauf ausrichtet. Dann baue ich den Hintergrund ein, meistens etwas Trance, gefolgt von Melodie und Sprache. Zum Schluss kommt das Mastering mit WaveLab.

Ja, es hätte natürlich auch andere Möglichkeiten gegeben, wie es hätte klingen können. Andere Synths für die Melodie können sofort etwas ganz anderes daraus machen. Ich schreibe mir das dann für ein anderes Werk heraus, bleibe aber bei meiner Idee für das aktuelle Werk. Ich höre das Werk in meinem Kopf, bevor ich es produzieren kann, und versuche, bei dieser Idee zu bleiben.

Ich höre das Werk in meinem Kopf, bevor ich es produzieren kann.
03 / IM GESPRÄCH

Maschinen als Ideengeber.

In deinem Studio stehen unter anderem ein Access Virus B und eine Roland MC-808, daneben arbeitest du mit Cubase. Für welche Sounds oder Arbeitsweisen kehrst du immer wieder zu diesen Maschinen zurück?

Der Access Virus B verfügt über selbst gestaltete Synth-Sounds für Melodien und Hintergründe. Nur ein wenig in die verschiedenen Sounds hineinzuhören, genügt, um die nächsten Ideen zu bekommen. Die Roland MC-808 verwende ich für Sounds aus den 90ern und für die Bassline.

Die Hardware ist vom Sound her einfach satter im Klangbild als Plugins, auch wenn Serum 2 klanglich zu meinen Favoriten gehört.

04 / IM GESPRÄCH

Zwischen zwei Platten.

Blagoje Schilling hinter den Decks
Blagoje Schilling / persönliches Archiv

In deinen DJ-Sets arbeitest du auch mit eigenen Loops und One-Shots. Gibt es Ideen, die erst beim Auflegen entstehen und später in einem eigenen Track landen?

Ja, natürlich kommt man übers Auflegen immer wieder auf neue Ideen, wie man etwas verbessern kann, oder auf Ideen für neue Beats. Wenn man gerade zwei Platten mixt und nur bestimmte Teile der einen und der anderen Nummer spielt, bekommt man immer etwas Neues heraus, das vorher noch nicht da war. Es entsteht durch dein Mixing. Solche Ideen greife ich dann auch gerne auf.

05 / IM GESPRÄCH

Bis zum nächsten Tag.

Blagoje Schilling hinter den Decks
Blagoje Schilling / persönliches Archiv

Wenn du heute einen eigenen Abend in Österreich auf die Beine stellen könntest: Welche Musik und welche Menschen würdest du zusammenbringen? Wann hätte sich der Aufwand für dich gelohnt?

Ein Abend im Freien mit Neondeko, die aussieht, als wäre man in einem Wald voller großer, mystischer Wesen. Beginn um 20 Uhr mit gemütlichem House und Tech House bis etwa 23 Uhr, dann treibender Techno bis sechs in der Früh. Danach geht es gleich mit der Afterhour bis Mittag weiter.

Jeder ist willkommen, der gerne zu Techno tanzt. Ein gelungener Abend ist es immer, wenn die DJs und das Publikum auf einer Welle bis zum nächsten Tag tanzen, Spaß haben und für einige Zeit ihren Alltag vergessen. Gute Gespräche gehören genauso dazu. Nichts ist schöner, als wenn nachher ein Gast zu dir kommt und sagt: „Das war geil, was du gespielt hast.“ Ja, dafür lohnt es sich für mich.

WEITERENTDECKEN

Blagoje Schilling

Interview per E-Mail · Redaktion und Bildgestaltung: SCENE:ID. Ausgangsfotografien: Blagoje Schilling / persönliches Archiv.