Mido.
Die Freude muss ankommen.
Von Kapstadt bis zum McDonald’s Rave: Mido über gemeinsame Ideen, Connected und die Freiheit, für jeden Raum neu zu denken.
Mido
Eine Mail an einen McDonald’s in Bruck an der Leitha, ein Studiotag in Kapstadt, ein Set am Flughafen: Mido sucht Situationen, in denen aus einer Idee etwas Gemeinsames wird. Auf Empfehlung von Dropstar sprechen wir mit dem österreichischen DJ und Produzenten über All In My Head, die Entstehung von Connected und die Frage, warum sich die Freude hinter dem Pult auf die Crowd übertragen muss.
Mido ist DJ und Produzent aus Österreich. In seinen Sets reicht sein Repertoire von House und RnB bis Hardstyle, Drum and Bass und Techno. Mit Connected führt er die gemeinsame Idee hinter dem McDonald’s Rave weiter.
48 Stunden in Kapstadt
Du bist über den Infinity Artist Award in einer Studiosession in Kapstadt gelandet. Nimm uns mal mit an den Anfang dieser 48 Stunden: Wie habt ihr euch musikalisch kennengelernt, und welche erste Idee hat euch zusammengebracht?
Ganz allein im fremden Land war es anfangs gar nicht so leicht, einen „Rhythmus“ zu finden. Als mich Jody vom Hotel abgeholt und zum Studio geführt hat, war die Aufregung auf jeden Fall da! Am Weg wurden wir stets von einer Kamera und Mikros begleitet und auf der Straße haben alle zugesehen – es wirkte ein bisschen wie Reality-TV.
Im Studio wurden mir dann die anderen Produzenten und das Team rund um OTB Studios vorgestellt und es ging eigentlich direkt los. Zuerst haben wir über mögliche Ideen gesprochen, ein paar Melodien und Sounds ausprobiert, dann ging es schon ans Arrangement. Am ersten Tag verbrachten wir rund acht Stunden am Mischpult – am Schluss war der Track zwar fast fertig, aber von allen Beteiligten totgehört. Jeder, der selber produziert, kennt das: Irgendwann kannst du den Song einfach nicht mehr hören und du bist dann fast so weit, dass du sagst: „Okay, starten wir von Neuem, er klingt nicht gut.“
Wir haben dann beschlossen, die Session zu beenden, um am nächsten Tag weiterzumachen. Gesagt, getan – nach ein paar Feinheiten ging es ans Mastering und der Song war fertig. Die restliche Zeit haben wir dann genutzt, um uns über Projekte auszutauschen, zu fachsimpeln und diversen Content aufzunehmen.
Was vom Studio bleibt
Aus der Session ist All In My Head geworden. Welche Entscheidung an dem Track wäre ohne die Leute vor Ort anders ausgefallen? Vielleicht gibt es einen Rhythmus, einen Sound oder eine Arbeitsweise, die du danach mit nach Hause genommen hast.
Ich glaube, dass der Track ohne die Leute vor Ort niemals den Vibe bekommen hätte, den er ausstrahlt. Das geballte Know-how war wie ein Feuerwerk, das die Ideen nur so explodieren ließ. Wäre mehr Zeit gewesen, dann wären sich easy noch zwei, drei weitere Tracks ausgegangen.
Was anders war als sonst, ist, dass die Kommunikation ausschließlich auf Englisch stattfand – was grundsätzlich ja kein Problem ist, jedoch, wenn es dann in die Materie geht, ziemlich an die Grenzen stößt. Auch der typische südafrikanische Slang machte es mit der Verständigung anfangs nicht allzu leicht – wurde aber schnell nebensächlich.
Jedenfalls konnte ich einiges an Tricks rund ums Arrangieren mitnehmen. Auch diverse Plug-ins, die ich noch nicht kannte, helfen mir nun extrem weiter.
Nur wenn man selbst Spaß hat, hat auch die Crowd ihren Spaß.
Eine Mail. Ein Rave.

Für den McDonald’s Rave habt ihr laut deinem Rückblick rund neun Monate geplant. Wie hat das erste Gespräch ausgesehen, bei dem aus der ungewöhnlichen Idee ein konkretes Vorhaben wurde? Und was war am Ende ganz anders, als du es dir ausgemalt hattest?
Ich habe auf TikTok ein Video gesehen, dass das jemand gemacht hat, und dachte mir nur: „Fuck, ich will das auch!“ Daraufhin habe ich mir die Mailadresse vom McD Bruck an der Leitha rausgesucht, dieses Video angehängt und geschrieben: „Habt ihr Bock, so was gemeinsam zu machen?“ Zwei Tage später kam die Antwort: „Ja, lass uns zusammensetzen.“
Das erste Meeting verlief super. Wir konnten schon grob einen Rahmen zusammenstellen beziehungsweise auch eine Kostenaufstellung machen. Eigentlich lief alles ganz gut und unproblematisch, bis wir von McDonald’s Österreich einen Dämpfer bekommen haben. Es wurden Vorgaben gemacht, welche unsere Pläne etwas umgeworfen haben, wie zum Beispiel: kein Alkohol, keine Eintrittskarten und so weiter.
Wir mussten dann umstrukturieren und das setzte auch die Kostenkalkulation unter Druck. Schlussendlich war es dann aber möglich, trotzdem alles erfolgreich umzusetzen. Uns war irgendwie klar, dass es ein tolles Event wird, aber dass am Ende des Tages SO VIEL los sein wird und danach wochenlang noch darüber gesprochen würde – damit haben wir nicht gerechnet.
Wir haben dann lange über ein 2.0 gesprochen – nachdem jedoch McD selbst seine „Summer Beats“-Reihe angekündigt hat, war das Thema vorerst erledigt. ABER wir sind nach wie vor im Austausch und werden sehen, was die Zukunft bringt. 😉
Was Connected verbindet
Was möchtest du mit Connected musikalisch zusammenbringen? Erzähl gern von einem Abend oder einem Booking, an dem man versteht, was euch als Veranstalter wichtig ist und was du selbst daraus fürs Auflegen gelernt hast.
„Connected“ ist sozusagen das Ergebnis des McDonald’s Raves. Das Konzept lief so gut und lässt sich im Prinzip auf sämtliche andere Locations übertragen. Wer mich kennt, der weiß, dass ich keinen Wert auf Genres lege. Jeder DJ soll das spielen, was ihm Spaß macht, denn nur wenn man selbst Spaß hat, hat auch die Crowd ihren Spaß. Nichts ist schlimmer, als ein Genre aufgedrückt zu bekommen, welches man selbst nicht feiert und gezwungenermaßen runterspielt – da kommt dann auch keine Stimmung auf.
Persönlich ist mir am wichtigsten, dass jeder mit einem guten Gefühl nach Hause geht, ins Bett fällt und sich denkt: „Bitte, wie geil war das heute!“ Name ist Programm. „Connected“ steht für Kennenlernen, Austauschen, gemeinsam eine coole Zeit verbringen. Dafür braucht es keine großartige Deko, aufwendige Technikaufbauten oder ein teures Line-up – es braucht einfach ein Team, das vor allem Spaß an der Sache hat und dies auch so vermittelt. Vor allem die Besucher merken und spüren das sofort, wenn die Stimmung nur erzwungen ist.
Für jeden Raum neu denken

Du spielst in Clubs, auf Festivals und auch an Orten wie einem Flughafen. Woran machst du bei einem ungewohnten Raum fest, wie du dein Set beginnen möchtest? Gibt es einen Auftritt, bei dem du deinen vorbereiteten Einstieg vor Ort komplett geändert hast?
Ganz am Anfang waren es vor allem die Resident-Jobs, die den Großteil der Bookings ausmachten. Man war einfach der Erste, der kommt, und der Letzte, der geht. Diese Nächte gehen einfach nur, wenn du jung bist – meiner Meinung nach. Du spielst sechs bis acht Stunden quer durch und darauf kannst du dich eigentlich nicht vorbereiten. Man hat einfach sein Repertoire aus allen diversen Richtungen, von House über RnB bis hin zu Hardstyle, und kämpft sich durch die Nacht.
Bei Bookings von ein bis zwei Stunden sieht das dann schon anders aus. Hier macht es Sinn, einfach vorzuplanen. Du weißt, welches Event du spielst, weißt ungefähr auch, in welche Richtung es gehen soll, beziehungsweise kannst du dein Set selbst komprimieren und mit Höhepunkten und Calm-downs gestalten.
Wenn nicht mehrere Bookings nah beieinander sind, dann ändere ich mein Set eigentlich vor jedem Event. Es ist ja immer ein bisschen anders und da ich beim Musikgeschmack sehr open-minded bin, sind die Bookings eben auch nicht immer aus derselben musikalischen Ecke. Du spielst halt bei einem Auftritt in Ibiza eine ganz andere Schiene als zum Beispiel bei einem Verum-Gaudium-Event. Genauso habe ich auch schon ein Drum-and-Bass-Event in der Slowakei gespielt, durfte aber auch schon bei einem Techno-Event die Maintime übernehmen.
Für mich macht genau diese Abwechslung den Spaß aus, beziehungsweise ist es auch eine kleine Challenge, sich immer neu vorbereiten zu können. Ich liebe Herausforderungen und wenn es keine mehr wäre, würde ich das, glaube ich, auch nicht mehr machen!
Mido
Interview per E-Mail · Redaktion und Bildgestaltung: SCENE:ID. Flo Schöny · Gregor Kampl