ID: INTERVIEW · SWITZERLAND

ØYA.

Kleine Tanzfläche. Eigene Geschichten.

Inhaber Marc über mutige Sets, Vertrauen in lokale Crews und die Zeit, die eine gute Klubnacht braucht.

Marc · Inhaber ØYA
Gemeinsam auf der Tanzfläche im ØYA · Foto: Schwarzmatt
Foto: Schwarzmatt

Drei gute Nächte sind noch keine Garantie für die vierte. Für Marc ist das kein Grund, einer neuen Idee den Raum zu nehmen. Der Inhaber des ØYA in St. Gallen möchte Formate wachsen lassen, auch wenn sie ihr Publikum erst finden müssen. Zwischen 150 und 200 Menschen passen nach seiner Einschätzung in den Klub: genug für gemeinsame Energie, klein genug, um musikalisch etwas zu wagen.

Das ØYA verbindet Kafé und Bar mit einem Klub an der Schwertgasse in der St. Galler Altstadt. Marc führt die Nächte gemeinsam mit Crews wie L.I.M.E. und Roilerboom durch. Im schriftlichen Interview spricht er über Klang aus vier Ecken, die Beziehung zwischen DJs und Publikum und seinen Wunsch, der Nacht wieder mehr Zeit zu geben.

01 / IM GESPRÄCH

Eine Nacht darf überraschen

Was macht für dich den Charakter einer Clubnacht im ØYA aus?

Für mich steht bei einer Clubnacht im ØYA das friedliche Miteinander und die gemeinsame Freude an der Musik im Zentrum. Es geht darum, zusammen zu feiern, offen für Neues zu sein und sich auf musikalische Entdeckungen einzulassen. Dabei möchten wir bewusst nicht dem Mainstream folgen, sondern Raum für gut kuratierte, vielseitige und auch mutige Sets schaffen.

Eine Clubnacht soll überraschen dürfen. Dank unserer kleinen Kapazität von 150 bis 200 Personen ist es ein idealer Ort, um genau solches auszuprobieren.

02 / IM GESPRÄCH

Gute Ideen brauchen Zeit

Marc, Inhaber des ØYA. Foto: Ladina Bischof.
Foto: Ladina Bischof

Wie findet ihr mit einer Crew wie L.I.M.E. oder Roilerboom heraus, was ihr gemeinsam für einen Abend machen möchtet?

Die Impulse kommen in erster Linie von den Soundsystems und den jeweiligen Crews selbst. Wir versuchen, im ØYA möglichst viele musikalische Facetten abzudecken und gleichzeitig genügend Raum für neue Ideen und Konzepte zu schaffen. Dabei ist es uns wichtig, solchen Projekten auch die nötige Zeit zu geben, um sich zu entwickeln und ein eigenes Publikum aufzubauen.

Nicht jede Idee funktioniert von Anfang an oder spricht sofort viele Leute an. Gerade neue Formate benötigen oft mehrere Durchführungen, bis sie sich herumgesprochen haben und ihren Platz in der Szene finden. Auch wenn es dreimal funktioniert, heisst dies leider nicht, dass es beim vierten Mal auch funktioniert. Das fünfte Mal könnte aber wieder funktionieren. Wir möchten diese Risiken und Entwicklungen ermöglichen und unterstützen.

Eine Clubnacht soll überraschen dürfen.
03 / IM GESPRÄCH

Mitten im Sound

Bei L.I.M.E. wird dem Soundsystem viel Aufmerksamkeit gegeben. Worauf kommt es beim Klang in eurem Raum besonders an?

Für uns ist nicht die Lautstärke entscheidend, sondern ein ausgewogenes und angenehmes Klangbild. Wichtig ist ein guter Ausgleich zwischen den hohen und tiefen Frequenzen, sodass der Sound druckvoll ist, aber trotzdem differenziert und klar bleibt.

Ausserdem achten wir darauf, dass der Raum möglichst gleichmässig aus allen vier Ecken beschallt wird. Im Idealfall entsteht dadurch ein räumliches Klangerlebnis, bei dem man sich mitten im Sound befindet und nicht das Gefühl hat, nur vor einer einzelnen Anlage zu stehen.

04 / IM GESPRÄCH

Vertrautheit, die offen bleibt

Blick vom DJ-Pult ins Publikum bei einer Klubnacht im ØYA. Foto: Schwarzmatt.
Foto: Schwarzmatt

Welche Rolle spielen DJs, die regelmässig bei euch auflegen, für das Publikum im ØYA?

Ich denke, dass DJs, die regelmässig bei uns spielen, eine wichtige Verbindung zum Publikum schaffen. Die Leute möchten sich mit den DJs und ihrer musikalischen Handschrift identifizieren können. Wenn man die Personen hinter der Musik kennt und weiss, wofür sie stehen, entsteht mit der Zeit eine gewisse Vertrautheit und Verbundenheit.

Gleichzeitig entwickeln sich dadurch auch musikalische Beziehungen: Das Publikum weiss, was es erwarten kann, wird aber idealerweise immer wieder überrascht. So tragen regelmässige DJs wesentlich zur Identität und zum Charakter des ØYA bei.

05 / IM GESPRÄCH

Der Nacht wieder Zeit geben

Was würdest du der elektronischen Szene in St. Gallen für die nächsten Jahre wünschen?

Ich wünsche mir, dass die Szene mutig bleibt, Dinge ausprobiert und sich nicht zu sehr von bestehenden Konzepten oder Erwartungen einschränken lässt. Es braucht neue Ideen, unterschiedliche musikalische Ansätze und vor allem auch den Mut, etwas zu wagen, ohne von Anfang an zu wissen, ob es funktioniert.

Gleichzeitig würde ich mir wünschen, dass sich das Leben wieder stärker in die Nächte verschiebt. Die elektronische Musik und Clubkultur leben auch von diesen besonderen Momenten, die erst spät entstehen, wenn man sich Zeit nimmt, gemeinsam in die Musik einzutauchen.

Interview per E-Mail · Redaktion und Bildgestaltung: SCENE:ID. Schwarzmatt · Ladina Bischof