ID: INTERVIEW · SWITZERLAND

Gil Glaze / GLZ.

Zwei Namen. Mehr Spielraum.

Gil Glaze über den Start von GLZ, das Loslassen eines vorbereiteten Sets und eine andere Verbindung zum Raum.

Gil Glaze
Gil Glaze / GLZ · @bjohnsonxar
Foto: © @bjohnsonxar · SCENE:ID Bildgestaltung

Ein neues Projekt kann eine Tür öffnen. Was auf dem Dancefloor passiert, steht damit noch nicht fest. Mit GLZ gibt der Schweizer DJ und Produzent Gil Glaze seinen Club-Ideen eine eigene Identität. In fünf Fragen führt er uns zurück zu Warm-up-Sets in Zürich, spricht über die Freiheit zweier Namen und erzählt, warum seine US-Shows eine andere Richtung nahmen als geplant.

Gil Glaze ist ein Schweizer DJ und Produzent aus Zürich. Neben seiner von Vocals und Melodien geprägten Arbeit als Gil Glaze erkundet er als GLZ eine stärker auf den Club ausgerichtete Produktion. Im Gespräch erklärt er, wie sich die beiden Projekte im Studio und hinter den Decks unterscheiden.

01 / IM GESPRÄCH

Ein eigener Name für neue Ideen

GLZ neben dem roten Bühnenscreen des Projekts
Foto: © @bjohnsonxar · SCENE:ID Farbgestaltung

Welches Musikstück hat dir zum ersten Mal das Gefühl gegeben, dass GLZ ein eigenes Projekt braucht? Nimm uns mit in diese Session: Was hast du anders gemacht, und wann hat es sich nach einer eigenständigen Richtung angefühlt?

Eigentlich habe ich diesen Sound schon vor ziemlich langer Zeit gespielt. Als ich viele Warm-up-Sets gespielt und eigene Events in Zürich veranstaltet habe, lief bei mir ziemlich viel Tech House und reduzierterer Sound. Gleichzeitig habe ich auch auf vielen Open-Format-Partys aufgelegt, bin also ständig zwischen verschiedenen Stilen gewechselt.

Wenn ich vor grösseren Namen gespielt habe, wollte ich immer einen eigenen Sound finden, ohne dem Headliner die Energie vorwegzunehmen. Ich mochte Artists wie Animal Trainer, Solomun und Eric Prydz sehr, fand aber auch vieles von dem experimentellen Zeug spannend, das die Dirty-Dutch-Jungs gemacht haben.

In letzter Zeit produziere ich mehr Musik als je zuvor. Dabei ist mir aufgefallen, dass vieles davon einfach nicht mehr nach dem typischen «Gil Glaze»-Sound klang. Als ich angefangen habe, mit Kapuchon und Miss Monique zu arbeiten, hat es wirklich Klick gemacht. Ich hatte das Gefühl, dass ich diese Tracks nicht als Gil Glaze angehen konnte. Sie brauchten eine eigene Identität. So ist GLZ eigentlich entstanden.

02 / IM GESPRÄCH

Groove, Bass und ein gutes Soundsystem

Gil Glaze backstage auf Flightcases im Mission Ballroom
Foto: © @bjohnsonxar · SCENE:ID Farbgestaltung

Du beschreibst GLZ als die dunklere Seite deines Sounds. Was bedeutet das ganz konkret beim Produzieren? Kannst du uns eine Entscheidung bei Drums, Bass oder Arrangement zeigen, die das für dich auf den Punkt bringt?

Für mich geht es bei GLZ vor allem darum, mich auf die Produktion zu konzentrieren und Grenzen etwas weiter zu verschieben. Ich möchte mit Sounds, Arrangements und Ideen experimentieren, die ich auf einem Gil-Glaze-Track vielleicht nicht verwenden würde.

Ich würde GLZ keinem einzelnen Genre zuordnen. Der Fokus liegt ganz auf Clubmusik. Dabei möchte ich die Freiheit haben, verschiedene Richtungen zu erkunden, ohne mich eingeschränkt zu fühlen.

Gil Glaze ist von Natur aus kommerzieller. Ich liebe es, mit Vocals und Melodien zu arbeiten und Tracks zu machen, zu denen Menschen auch ausserhalb des Clubs eine Verbindung finden. Bei GLZ geht es viel stärker um die Produktion selbst, den Groove, den Bass und darum, etwas zu schaffen, das auf einem richtigen Soundsystem funktioniert.

Ich glaube, beide Identitäten geben mir viel mehr kreative Freiheit.
03 / IM GESPRÄCH

Der Plan und der Raum

Gil Glaze mit erhobenen Armen vor dem Publikum
Foto: © @bjohnsonxar · SCENE:ID Farbgestaltung

Was sollten die Leute über GLZ entdecken, als du dich auf das US-Debüt vorbereitet hast? Gab es eine Reaktion im Raum, die dich dazu gebracht hat, die Präsentation deiner Musik zu überdenken?

Um ganz ehrlich zu sein: Das war ziemlich schwierig! Wir haben in Phoenix und Denver gespielt. Beides waren grosse Räume, die fast mehr Konzertatmosphäre hatten als die eines klassischen Clubs.

Ich hatte vorher ein Set vorbereitet, bin aber an beiden Abenden komplett davon abgewichen.

Ursprünglich wollte ich deutlich dunkler werden. Ich habe aber schnell gemerkt, dass das Publikum auch Momente wollte, in denen es mitsingen und etwas wiedererkennen konnte. Also habe ich mehr eigene Edits und Remixe gespielt und mich etwas stärker in Richtung Electro bewegt, ohne unbedingt diese riesigen Festival-Drops einzubauen.

Gegen Ende bin ich dann wieder bei etwas Techno gelandet.

Das war auf jeden Fall eine Lernerfahrung, denn du musst den Raum lesen können. Du kannst eine genaue Vorstellung davon haben, wie du ein Projekt präsentieren möchtest. Am Ende bist du aber immer noch DJ, und deine Aufgabe ist es, eine Verbindung zu den Menschen vor dir herzustellen.

04 / IM GESPRÄCH

Welche Idee gehört wohin?

Gil Glaze backstage unter dem Colorado-Schriftzug
Foto: © @bjohnsonxar · SCENE:ID Farbgestaltung

Jetzt gibt es sowohl Gil Glaze als auch GLZ. Wie entscheidest du, wohin eine neue Idee gehört? Hat ein Track schon einmal in der einen Welt angefangen und ist in der anderen gelandet?

Ich glaube, die Unterscheidung ist für mich inzwischen ziemlich klar.

Bei Gil Glaze geht es um Musik, zu der Menschen mitsingen und tanzen können – ob im Auto, im Club oder beim Hören ihrer Spotify-Playlist. Ich liebe diese Verbindung zwischen elektronischer Musik und etwas Zugänglicherem.

GLZ ist wirklich für die DJs gedacht. Hier möchte ich die Grenzen der Produktion ausloten und mit Sounds experimentieren, die als kommerzieller Release vielleicht nicht funktionieren würden, im Club aber sehr spannend sein können.

Manchmal fange ich an einer Idee an, ohne genau zu wissen, wohin sie gehört. Während sich die Produktion entwickelt, wird dann klar, zu welchem Projekt sie besser passt. Ich glaube, beide Identitäten geben mir viel mehr kreative Freiheit.

05 / IM GESPRÄCH

Wieder etwas Neues lernen

Gil Glaze auf der Bühne mit Mikrofon und Publikum
Foto: © @bjohnsonxar · SCENE:ID Farbgestaltung

Du gibst deine Erfahrung auch im Unterricht weiter. Wobei hast du dich durch den Start von GLZ wieder wie ein Anfänger gefühlt – was musstest du selbst neu herausfinden, statt auf Bewährtes zurückzugreifen?

Die DJ-Seite war für mich wahrscheinlich die grösste Herausforderung!

Ich musste wieder viel tiefer nach Musik graben, neue Artists entdecken und komplett neue Playlists aufbauen. Es ist fast so, als würde man eine neue Art des Auflegens lernen, weil man ein Set ganz anders strukturiert und die Energie anders aufbaut.

Vor ein paar Monaten habe ich im Nordstern in Basel gespielt und hatte ehrlich gesagt eine grossartige Zeit. Ich habe aber auch tagelang dafür vorbereitet, unglaublich viel Musik durchgehört und versucht herauszufinden, wie ich den Abend aufbauen möchte.

Es ist auch ein völlig anderes Publikum. Die Leute sind nicht unbedingt da, um ihre Lieblingssongs mitzusingen. Sie wollen die Musik, den Bass und die Energie spüren.

Und dann stehe ich da hinter den Decks, die Hände in der Luft, als würde ich ein Festival spielen. Haha! Daran musste ich mich definitiv erst gewöhnen.

Genau das macht es aber auch spannend. Wenn man das schon so viele Jahre macht, ist es erfrischend, sich wieder in eine Situation zu bringen, in der man etwas Neues lernt.

Interview per E-Mail · Redaktion und Bildgestaltung: SCENE:ID. © @bjohnsonxar · SCENE:ID Bildgestaltung · © @bjohnsonxar · SCENE:ID Farbgestaltung