ID: INTERVIEW · SWITZERLAND

KIKI.

Neue Räume. Vertraute Gesichter.

Carlos und Alessandro über Zürcher Nächte, den Kiki Squad und eine Community, die mitzieht.

Im Gespräch mit Carlos & Alessandro · Kiki Zürich
Carlos und Alessandro von Kiki vor dem Samigo in Zürich.
Foto: Kiki (courtesy)

Eine Kiki kann am See beginnen oder tief im Club. Was die Orte verbindet, sind Menschen, die wiederkommen: aus Gästen werden Freunde, und aus einer Party wird ein Wiedersehen. Carlos und Alessandro erzählen, wie sie elektronische Musik, Drag und das Vertrauen ihrer Community zusammenbringen.

Im Gespräch führt der Weg vom Start in der Pfingstweide 2012 über Nachmittage im Samigo bis ins Hive. Vor dem nächsten Hive-Abend mit The Villbergs am 23. Oktober 2026 und einer letzten Kiki-Nacht in Frieda’s Büxe im November blicken die beiden zurück – und auf neue Räume für 2027.

01 / IM GESPRÄCH

Wenn eine Nacht zum Wiedersehen wird

Der Kiki Squad im Samigo.
Foto: Kiki (courtesy)

Wie hat Kiki für euch angefangen? Erzählt gern von einer der ersten Nächte: Was wolltet ihr damals in Zürich selbst erleben, und wann habt ihr gemerkt, dass auch andere genau danach gesucht haben?

Alessandro: Alles begann 2012 im damaligen Club Pfingstweide. Unsere Vision war und ist bis heute, der queeren Community und weltoffenen Menschen eine Plattform jenseits des Mainstreams zu bieten. Eine Talentschmiede für zeitgemässe elektronische Musik, gepaart mit freakigen Drag-Performances und einer guten Portion Augenzwinkern. Die elektrisierende Energie der Premiere und der Dreh unseres ersten Teaser-Videos unter der Hardbrücke bleiben unvergesslich.

Carlos: Was uns rückblickend am meisten berührt, sind die Menschen, die uns über all die Jahre begleitet haben. Mit jeder neuen Location kamen neue Gesichter dazu. Aus Gästen wurden Freunde, und mittlerweile fühlt sich eine Kiki oft wie ein grosses Wiedersehen an. Ob queer oder nicht, spielt dabei längst keine Rolle mehr. Genau so hatten wir es uns damals erträumt.

02 / IM GESPRÄCH

Ideen entstehen selten am Sitzungstisch

Backstage im Samigo.
Foto: Kiki (courtesy)

Bei euren Ankündigungen stehen neben den DJs immer auch die Leute aus dem Kiki Squad. Wie entstehen zwischen euch die Ideen für einen Abend? Nehmt uns gern an einer konkreten Nacht mit: Was kam zuerst, und was haben die anderen daraus gemacht?

Carlos: Die besten Ideen entstehen selten am Sitzungstisch. Viel eher beim Ausgehen, auf Reisen, beim Musikhören oder in einer spontanen Unterhaltung. Manchmal beginnt alles mit einer ziemlich absurden Vorstellung, die unser Kiki Squad dann auf seine ganz eigene Weise interpretiert. Während sich die Tanzfläche füllt, treffen backstage die Persönlichkeit und Kreativität unserer Performer auf eine gewisse Portion Wahnsinn. Was in solchen Momenten entsteht, überrascht sogar uns selbst.

Auch musikalisch geniessen wir eine grosse Freiheit. Unsere Community vertraut uns beim Booking. Viele kommen nicht wegen eines bestimmten DJs, sondern weil sie wissen, dass sie bei Kiki gute Musik und vertraute Gesichter erwarten. Das ist ein schönes Privileg und gleichzeitig unser Ansporn, musikalisch immer wieder neue Wege einzuschlagen.

«Kiki hat sich schon mehrmals gehäutet, ohne dabei seine Seele zu verlieren.»
03 / IM GESPRÄCH

Das Hive als Spielwiese

Kiki im Hive. Foto: Jason Hagmann.
Foto: Jason Hagmann

Am 23. Oktober seid ihr zum zweiten Mal im Hive, diesmal mit The Villbergs und zwei Dancefloors. Was habt ihr vom ersten Abend mitgenommen, und worauf seid ihr bei dieser Begegnung besonders neugierig? Eure Überraschungen müsst ihr natürlich nicht vorwegnehmen.

Alessandro: Das Hive ist ein unglaublich wandelbarer Club, der sich immer wieder neu erfindet. Für uns ist das eine wunderbare Spielwiese. Wir möchten schliesslich nicht nur unsere Stammgäste überraschen, sondern auch die regelmässigen Hive-Gänger aus ihrer Komfortzone locken.

Carlos: Das Feedback nach unserer Hive-Premiere im Frühling war grossartig und hat uns Lust auf mehr gemacht. Mit The Villbergs erwartet uns nun ein ganz besonderes Spektakel. Von den eigens kreierten Kostümen bis zu ihren Interaktionen mit dem Publikum stehen sie für Drag-Kunst auf Steroiden. Und wer sie kennt, weiss: Mit Zurückhaltung haben die beiden wenig am Hut.

04 / IM GESPRÄCH

Vom See in die Nacht

Kiki im Palais Mascotte.
Foto: Palais Mascotte

Ihr feiert im Club, am See und auch schon am Nachmittag. Was verändert sich dadurch an eurer Musikauswahl und am Ablauf? Gab es einen Track oder einen Moment, der an einem dieser Orte ganz anders funktioniert hat, als ihr es aus dem Club kanntet?

Carlos: Eine Kiki an einem sonnigen Nachmittag am See ist natürlich eine andere Geschichte als eine Nacht um vier Uhr morgens in einem dunklen Club. Am See darf die Musik etwas verspielter beginnen und sich mit der Stimmung und dem Sonnenuntergang steigern. Im Club können wir dagegen von Anfang an ganz andere Energien freisetzen.

Wir würden deshalb nie einfach dasselbe Konzept an einen anderen Ort kopieren. Jede Location hat ihren eigenen Charakter, mit dem wir gerne spielen. Was wir aber garantieren: Egal ob unter freiem Himmel oder im dunklen Keller, musikalisch bleibt Kiki unverkennbar. Wir lieben elektronische Musik, die überrascht, mitreisst und Menschen zusammenbringt.

05 / IM GESPRÄCH

Neue Wege, dieselbe Seele

Backstage im 25hours Hotel Langstrasse.
Foto: Kiki (courtesy)

Für November kündigt ihr einen letzten Kiki-Abend in Frieda’s Büxe an und sprecht von neuen Wegen für 2027. Was nehmt ihr aus den vielen Jahren dort mit? Und was möchtet ihr künftig ausprobieren, für das bisher noch nicht der richtige Raum oder Zeitpunkt da war?

Alessandro: 2026 war für uns ein Jahr des Experimentierens. Im kommenden Jahr möchten wir uns wieder stärker auf ausgewählte Veranstaltungen konzentrieren. Schliesslich gehörte eine gewisse Exklusivität schon immer zur DNA von Kiki. Getreu dem Motto: «Wenn, dann richtig.»

Mit Frieda’s Büxe bleiben wir eng verbunden. Das Tantchen hat unsere Werte über all die Jahre geteilt und uns viel Vertrauen entgegengebracht. Diese Verbundenheit ist nicht selbstverständlich und hat die Messlatte für künftige Kollaborationen hochgelegt.

Umso mehr freuen uns die Anfragen von Venues, die mit uns gemeinsame Sache machen möchten. Das eröffnet neue Perspektiven. Wohin die Reise führt, werden wir sehen. Fest steht: Kiki hat sich schon mehrmals gehäutet, ohne dabei seine Seele zu verlieren.

WEITERENTDECKEN

KIKI

Interview per E-Mail · Redaktion und Bildgestaltung: SCENE:ID. Kiki (courtesy) · Palais Mascotte · Jason Hagmann