ID: INTERVIEW · SWITZERLAND

Lady Tom.

Zurück. Und ganz sie selbst.

Lady Tom über ihre Rückkehr zu Sonic 35, intuitive Sets und die musikalische Neugier, die bleibt.

Simone Kromer · Lady Tom
Lady Tom im schwarzen Outfit, mit vollständig sichtbarem Kopf und Oberkörper.
Foto: © www.chris-iseli.ch · via Sector Management

Fast zehn Jahre im Ausland, jetzt wieder in der Schweiz: Für Lady Tom ist Sonic 35 ein Wiedersehen mit Fans, DJ-Kollegen und einem Veranstalter, mit dem sie viel verbindet. Im Gespräch geht es um diesen neuen Anfang, aber auch um das, was ihn trägt: eigene Entscheidungen, ihre frühen Erfahrungen mit der Geige und die Freude daran, musikalisch offen zu bleiben.

Sie erzählt von der Geige in ihrer Kindheit, frühen Erfahrungen in einer männergeprägten DJ-Szene und der Lust, im Studio andere Klangwelten zu erkunden.

01 / IM GESPRÄCH

Zurück auf der Bühne

Am 7. November spielst du bei Sonic 35. Was möchtest du den Leuten mit deinem Set an diesem Abend zeigen?

The Queen’s Return: Fast zehn Jahre habe ich im Ausland gelebt – und nun bin ich zurück in meiner Heimat, der Schweiz. Immer wieder wurde ich gefragt: «Wann können wir dich endlich wieder live erleben?» Jetzt ist dieser grosse Moment ganz nah.

Ich freue mich riesig darauf, meine Fans und DJ-Kollegen wiederzusehen. Zu Sonic hatte ich schon immer eine enge Beziehung. Seit Jahrzehnten ist Sonic einer der führenden Veranstalter der Szene. Deshalb war für mich klar: Wenn ich auf die Bühne zurückkehre, dann bei Sonic.

Sonic hat mich immer grossartig unterstützt – ebenso wie mein Management, Sector Management / Sector Beatz. Dafür möchte ich mich von Herzen bedanken. Ein besonderer Dank geht auch an die Berner Crew: Philippe Rochard, Nu-Pulse und Hardstyle Rockerz.

02 / IM GESPRÄCH

Intuition vor Momentaufnahme

Offizielles Lady-Tom-Logo mit gebürsteter Metalloberfläche auf dunklem Aubergine-Hintergrund.
Foto: Lady Tom / Sector Management · SCENE:ID graphic treatment

Auf deinem SoundCloud steht noch dein Mix zu Sonic 18. Was würdest du beim Zusammenstellen eines Sonic-Sets heute anders entscheiden?

Eigentlich nichts Grundsätzliches. Ich entscheide sehr intuitiv und spiele die Musik, die mir persönlich gefällt. Was heute gerade angesagt ist, kann morgen schon wieder vorbei sein. Aber für diesen einen Moment, im Hier und Jetzt, ist es genau richtig.

Ich entscheide sehr intuitiv und spiele die Musik, die mir persönlich gefällt.
03 / IM GESPRÄCH

Sich selbst treu bleiben

Lady Tom — Porträt mit blondem Haar und schwarzem Oberteil.
Foto: Lady Tom / Sector Management

Wenn du heute auf ein eigenes Stück wie «Darkness of Mind» zurückblickst: Welche damalige Idee darin gefällt dir immer noch besonders?

«I wanna be myself» – Authentizität ist bis heute mein Motto. Ich gehe meinen Weg und lasse mich von niemandem aufhalten. Ich bin einfach ich, so wie ich bin. Real, not fake!

Gerade in den Anfangsjahren war es nicht einfach, als Frau in einer hart umkämpften DJ-Szene Fuss zu fassen, die damals vor allem von Männern geprägt war. Aber das hat mich nicht gebremst – im Gegenteil: Es hat mich noch mehr motiviert. Und ich denke, es ist mir ganz gut gelungen. Ich durfte als eine der ersten weiblichen DJs der Szene Pionierarbeit leisten.

Als Würdigung meines musikalischen Schaffens ist zudem ein spannendes Buch erschienen und eine Ausstellung, die bis 2027 läuft. Mehr dazu findet man beim Museum Burghalde in der Ausstellung «Pionierinnen, Künstlerinnen, Denkerinnen».

04 / IM GESPRÄCH

Die erste Geige und die Neugier

Wie findest du neue Musik, die dich selbst überrascht, obwohl du schon so viele Jahre auflegst?

Musik ist seit meiner frühesten Kindheit meine grosse Leidenschaft. Ich interessiere mich wahnsinnig für Musik und bin offen für alles, was sie auslösen kann. Musik ist magisch: Sie berührt, inspiriert und verbindet.

Viele Jahre lang habe ich in einem Orchester die erste Geige gespielt. Ich konnte rund 200 Volkslieder auswendig spielen. Wir waren jedes Wochenende mit Auftritten unterwegs, spielten an Veranstaltungen und Stubeten und waren sogar zweimal im Schweizer Fernsehen. Musik war einfach immer da – ein fester Bestandteil meines Lebens. Deshalb entdecke ich auch heute noch ständig Neues, das mich überrascht und begeistert.

05 / IM GESPRÄCH

Offen für andere Klangwelten

Welche musikalische Idee würdest du als Nächstes gern im Studio ausprobieren, ganz unabhängig davon, was gerade im Hardstyle gefragt ist?

Weil ich Musik so sehr liebe, experimentiere ich auch gerne mit ganz anderen Stilrichtungen. Ich habe fast acht Jahre in Asien gelebt und liebe Weltmusik – besonders orientalische und indische Musik.

Diese Klänge, Rhythmen und Stimmungen faszinieren mich sehr. Man darf also gespannt sein, welche musikalischen Ideen daraus entstehen werden.

Interview per E-Mail · Redaktion und Bildgestaltung: SCENE:ID. © www.chris-iseli.ch · via Sector Management · Lady Tom / Sector Management · Lady Tom / Sector Management · SCENE:ID graphic treatment