Morris Audio.
Für den Club. Und für zu Hause.
Stefan Riesen über Scott Fitzgeralds Running on Fumes, Platten, die frisch bleiben, und den eigenen Massstab nach mehr als 25 Jahren Morris Audio.
Stefan Riesen
Ein Demo, das beim ersten Hören nicht ganz in ein vertrautes Muster passt: So beginnt für Stefan Riesen die Geschichte von Scott Fitzgeralds «Running on Fumes». Die EP führt unser Gespräch zu einer grösseren Frage: Was hält ein Label musikalisch zusammen, wenn es sich zwischen House, Tech-House und Acid bewegt? Bei Morris Audio ist die Antwort eng mit dem eigenen Hören verbunden – und mit Musik, die auch abseits des Clubs etwas zu erzählen hat.
Morris Audio ist ein Label aus Bern und veröffentlicht seit 2000. Die ersten 100 Morris-Audio-Releases und die ersten 55 Ausgaben der Citysport-Reihe erschienen auf Vinyl. Für dieses schriftliche Gespräch im Oktober 2026 antwortet Stefan Riesen. Scott Fitzgeralds «Running on Fumes» ist auf der offiziellen Bandcamp-Seite für den 30. Oktober 2026 angekündigt; die EP enthält den Titeltrack sowie «Drum Hustle» und «Above the Clouds».
Ein Demo, das neugierig macht
Wie bist du auf Scott Fitzgerald aufmerksam geworden? Was ist dir beim ersten Hören von «Running on Fumes» aufgefallen, das du unbedingt bei Morris Audio veröffentlichen wolltest?
Eigentlich auf die ganz klassische Art und Weise. Scott hat mir ein Demo gesendet, das mir grundsätzlich positiv aufgefallen ist, weil es eben nicht so der ganz «normale» House-Sound war. Es gab einiges zu entdecken, und verschiedene musikalische Einflüsse und Stile kristallisierten sich heraus.
Ich bin immer gespannt auf Demos von Newcomern, und so hat es hier mit Scott gut gepasst.
Nicht nur Bretter für den Club
In eurer Ankündigung betonst du die weniger offensichtlichen House-Grooves. Woran merkst du, dass ein Track auch nach mehrmaligem Hören interessant bleibt? Erzähl gern von einem Detail oder einer Platte, bei der du selbst immer wieder etwas Neues entdeckst.
Morris Audio ist stilistisch relativ breit gefächert: von klassischem House über minimalere Tech-House-Sachen bis zu Acid. Zu Labelbeginn in den frühen 2000er-Jahren war der Slogan «For your club and home entertainment». Diesem Aspekt trage ich eigentlich immer noch Rechnung.
Es sind oft Tracks, die ein etwas breiteres Spektrum aufweisen und nicht nur «Bretter für den Club» sind. An eine konkrete Platte kann ich mich nicht erinnern, weil ich mittlerweile bei Release Nummer 141 bin! Aber es freut mich immer wieder, wenn ich heute alte Platten hervornehme und sie nach teils über 20 Jahren immer noch frisch klingen.
Im Fokus des Labels stand und steht immer die Liebe zur Musik!
Der eigene Geschmack bleibt

Morris Audio gibt es seit 2000. Welche Entscheidung würdest du als Labelbetreiber heute anders treffen als damals – und bei welcher Sache vertraust du noch genauso auf dein erstes Gefühl?
Ich würde nichts anders machen, denn im Fokus des Labels stand und steht immer die Liebe zur Musik! Wenn es rein um Verkäufe ginge, müsste ich sicherlich konsequenter auf «verkaufbar» achten und vermehrt nur einen Stil pushen.
Aber damals wie heute finde ich einen Track einfach toll und würde ihn gerne veröffentlichen – oder er spricht mich nicht sonderlich an, und dann wird daraus auch nichts.
Das Format ändert den Anspruch nicht
Euer Katalog hat eine lange Vinylgeschichte. Was hat das Arbeiten mit Platten an deiner Vorstellung von einem guten Release geprägt? Denkst du bei Auswahl und Reihenfolge heute anders, wenn Musik vor allem digital erscheint?
Wenn du Vinyl veröffentlichst, braucht es mehr zeitliche und vor allem finanzielle Ressourcen. Du überlegst dir vielleicht dreimal, ob du das wirklich pressen willst und allenfalls auch einen finanziellen Verlust tragen kannst.
Der Anspruch an coole Tunes – sprich: Musik, die mir gefällt – und an eine gewisse Eigenständigkeit der Musik ist bei digitalen Releases aber genauso da. Nur weil digital geringere Kosten verursacht und schnell im Umlauf ist, heisst das nicht, dass keine Qualitätskontrolle vorhanden ist.
In der Flut digitaler Veröffentlichungen wird es für den Musikfreak zunehmend schwierig, einen Überblick zu behalten. Deshalb ist ein Qualitätsanspruch an das Label einfach wichtig.
Eine Plattform zum Weiterkommen
Du hast über die Jahre mit vielen Artists gearbeitet. Was hilft dabei, dass aus einer ersten Veröffentlichung ein längerfristiger Austausch wird? Gibt es eine Begegnung, an der du das besonders gut erzählen kannst?
Bei vielen ist man musikalisch auf der gleichen Wellenlänge, ohne dass man sich schon lange kennt. Ich denke, man sollte alle Künstler ernst nehmen und ihnen eine gute Plattform zum Bekanntwerden und zur Weiterentwicklung anbieten.
Dazu gehören einfache Sachen wie gemeinsame Trackauswahl, Promotionsarbeit für den Release, Verbindungen zu anderen Labels schaffen oder allfällige Remixe oder Auftritte einleiten.
Eine konkrete Begegnung kann ich so nicht nennen. Aber es freut mich zu sehen, wie gewisse Künstler von früher immer noch dabei sind und sich als Top-Produzenten etabliert haben: zum Beispiel Iron Curtis, Shaka und Huxley, dazu Remixer wie Steve Bug oder Detroit Swindle, heute Dam Swindle – um nur einige zu nennen.
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