Dachshund.
Die Tanzfläche entscheidet.
Dachshund über Dub-Echos, Erinnerungen an Jungle, Raum für den Groove und Veröffentlichungen nach eigenen Vorstellungen auf Clapper.
Im Gespräch mit Dachshund
Ein Sample kann eine ganze Ära zurück ins Studio holen. Für Dachshund wurde die zufällige Begegnung mit einem Klang, den er aus dem Jungle kannte, zum Ausgangspunkt für «Spectrum». In diesen fünf Fragen spürt er den Nachklängen seiner frühen Einflüsse nach, erklärt, warum Weglassen einen Track retten kann, und beschreibt, was eine Clubanlage hörbar macht, das Studiomonitore nicht offenbaren.
Vom Studio über Genfs Tanzflächen bis zu Zusammenkünften am See spricht Dachshund über die Entscheidungen und Orte, die seine Musik in Bewegung halten.
Nachklänge des Jungle.

Bevor du zu House und Techno gekommen bist, hast du dich mit Dub, Jungle und Drum & Bass beschäftigt. Was aus dieser frühen Zeit findet heute noch seinen Weg in deine Tracks, auch wenn es den Hörerinnen und Hörern vielleicht nicht sofort auffällt?
Manche Einflüsse bleiben, ohne dass man es überhaupt merkt. Ich glaube, man hört sie noch in der Klangfarbe meiner Musik und darin, wie ich Echos einsetze. Sie zeigen sich auch in der Hardware, die ich benutze, etwa im Roland Space Echo RE-201, das eng mit Dub verbunden ist.
Ein bewussteres Beispiel ist mein Track Spectrum, der unmittelbar aus meiner Liebe zu Jungle entstanden ist. Ich habe dasselbe Sample verwendet wie Origin Unknown in ihrem legendären Track Valley of the Shadows von 1993. Ursprünglich stammte das Sample von einer CD des Magazins Future Music.
Ich bin zufällig auf dieses Sample gestossen und musste sofort an den Track denken. So viele Erinnerungen an diese Zeit kamen zurück, und ich hatte buchstäblich Gänsehaut. Mir war sofort klar, dass ich damit einen Track machen musste.
Raum für den Groove.

Wenn du an einem Groove arbeitest: Woran merkst du, dass er lebendig genug ist, um einen ganzen Track zu tragen? Erinnerst du dich an einen Moment, in dem Weglassen etwas besser gemacht hat?
Da sprichst du einen entscheidenden Punkt an. Es ist nicht immer leicht zu wissen, wann ein Track fertig ist, denn man kann endlos daran weiterarbeiten. Ich habe oft den Fehler gemacht, einen Track zu überarbeiten, nur um am Ende festzustellen, dass eine frühere Version eigentlich besser war.
Manchmal fällt es schwer, etwas herauszunehmen, fast so, als hätte man eine Bindung dazu aufgebaut. Aber Elemente zu entfernen ist oft die Lösung, wenn ein Track mehr Luft zum Atmen braucht.
Ich erinnere mich, dass ich das bei meinem Track Break gemacht habe: Ich habe alle Melodien entfernt und nur die Stabs behalten. Das klingt vielleicht einfach, war aber sehr wirkungsvoll.
Am Ende entscheiden die Leute auf der Tanzfläche, was funktioniert. Und zum Glück sind sie nicht immer deiner Meinung!
Ein Label ohne festen Stil.

Du veröffentlichst bei anderen Labels und bei deinem eigenen Label Clapper. Gibt es eine Platte von dir, die zeigt, warum dir ein eigenes Label wichtig ist – etwas, das du genau nach deinen Vorstellungen veröffentlichen wolltest?
Genau das möchte ich mit dieser neuen Reihe auf Clapper erkunden: alle drei Wochen einen Track veröffentlichen, ohne mich auf einen bestimmten Stil festzulegen. Ich möchte alles herausbringen können, von atmosphärischen oder experimentellen Stücken bis zu etwas Klassischerem, je nachdem, worauf ich gerade Lust habe.
Elixir und Reboot The Future sind gute Beispiele. Ich bin mir nicht sicher, ob einer der beiden Tracks bei einem anderen Label einen naheliegenden Platz gefunden hätte, vor allem als einzelne Single.
Die Tanzfläche entscheidet.

Hat es deine Meinung über einen eigenen Track schon einmal verändert, ihn in einem Club zu spielen? Mich würde ein Moment interessieren, in dem dir der Raum etwas gezeigt hat, das du im Studio nicht gehört hattest.
Ja, im Guten wie im Schlechten! Im Club hört man nicht alle Details eines Tracks, aber man spürt seine Energie viel intensiver. Eine Clubanlage ist wesentlich leistungsfähiger als Studiomonitore und kann Fehler im Mix deutlich hervortreten lassen. Ein Fehler, der mir oft passiert, ist eine zu lange Release-Zeit bei der Kickdrum. Dadurch kann ein ansonsten recht ruhiger Track plötzlich stärker in Richtung Techno gehen.
Umgekehrt habe ich erlebt, dass Tracks, die nicht einmal zu meinen Favoriten gehörten, beim Publikum unglaublich begeisterte Reaktionen ausgelöst haben. Am Ende entscheiden die Leute auf der Tanzfläche, was funktioniert. Und zum Glück sind sie nicht immer deiner Meinung!
Genf, jenseits der Clubtüren.
Was sollte jemand, der noch nie in Genf ausgegangen ist, jenseits einer Liste von Clubs und DJs erleben? Gibt es eine Nacht oder eine persönliche Erinnerung, die einfängt, was die Szene für dich bedeutet?
Mein Lieblingsclub in Genf ist derzeit das Audio, mit seiner hochwertigen Anlage von Lambda Labs und einem internationalen Line-up für ganz unterschiedliche Geschmäcker. L’Usine und Motel Campo sind zwei weitere Klassiker.
Wer eher auf Live-Auftritte mit modularen Synthesizern steht, sollte sich ADSR Geneva anschauen. Sie organisieren Live-Sets und experimentelle Performances an verschiedenen Orten in der Stadt, oft in alternativen Räumen.
Eine Veranstaltung, die ich besonders liebe, ist Soirée au bord de l’Eau. Sie findet draussen statt, direkt am See bei einem Windsurfclub, und zwar nur ein- oder zweimal im Jahr. Sie ist in Genf sehr beliebt, und ich liebe die Lage am See.
Dachshund
Interview per E-Mail · Redaktion und Bildgestaltung: SCENE:ID. Courtesy of Dachshund · Sophie le Meillour